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Auf der Flinthöhe baut die Stadt Bad Tölz derzeit eine Asylbewerberunterkunft, die später auch als günstiger Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen genutzt werden kann.

Kommunen schmieden Pläne

Sozialer Wohnungsbau auf dem Vormarsch

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Viele Jahre war der soziale Wohnungsbau am Boden. Doch die Erkenntnis, dass bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, scheint sich durchzusetzen. Der Freistaat hat neue Förderprogramme aufgelegt. Im Landkreis stehen mehrere Kommunen in den Startlöchern, um diese zu nutzen.

„Wir werden uns definitiv an das neue Förderprogramm dranhängen“, erklärt der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. Die Stadt habe für den sozialen Wohnungsbau „drei Grundstücke im Auge“. Das Ziel laute, ein Gebäude mit 14 und ein weiteres mit 22 Wohnungen zu schaffen. „Ich bin überzeugt, dass der Stadtrat zustimmen wird. Es wäre wünschenswert, dass wir noch dieses Jahr anfangen könnten“, sagt Janker. „Allerdings glaube ich nicht ganz, dass wir das schaffen.“

Das Förderprogramm verspricht 30 Prozent an Zuschüssen zu den Baukosten, für weitere 60 Prozent werden günstige Darlehen in Aussicht gestellt. Nur zehn Prozent müsste eine Kommune von Anfang an selbst aufbringen.

Wie berichtet, hat sich die Stadt das Thema bezahlbarer Wohnraum auch auf der Flinthöhe auf die Fahnen geschrieben. Dort entsteht eine Gemeinschaftsunterkunft für 175 Asylbewerber. Die Wohneinheiten sollen, sobald sie nicht mehr für Flüchtlinge benötigt werden, günstig vermietet werden.

Janker ist froh, dass „der Bund nach Jahren der Agonie aufgewacht ist und den sozialen Wohnungsbau wieder aufleben lässt“. Dies ist auch aus Sicht seines Wackersberger Amtskollegen Alois Bauer „der richtige Weg – auch wenn es vielleicht zehn Jahre früher hätte kommen können“. Die Gemeinde Wackersberg möchte das Förderprogramm für das geplante Mehrgenerationenhaus am Saumweg nutzen. „Wir sind dabei zu eruieren, wie die genauen Richtlinien sind“, erklärt Bauer. Falls es mit der Förderung klappt, hofft er, dass die Mietpreise noch einmal um zwei bis drei Euro pro Quadratmeter günstiger kalkuliert werden können. Wie berichtet plant die Gemeinde, in der Nähe von Burgsteinstraße/Hoheneck ein fünfgeschossiges Haus. Es soll Gemeinschaftsbereiche bekommen, die Gelegenheit zur Begegnung bieten. „Wir hoffen, dass wir bis Herbst Baurecht geschaffen haben“, sagt er. „Dann liegt sicher noch ein Jahr Planungsphase vor uns.“

In Benediktbeuern hat sich ein eigener Arbeitskreis zum Thema sozialer Wohnungsbau gegründet. „Zunächst eruieren wir, wo die Gemeinde Grundstücke hätte, um etwas zu bauen“, sagt Bürgermeister Hans Kiefersauer. „Es gibt ein oder zwei Flächen, wo es eventuell passen könnte.“ Bedarf an günstigem Wohnraum sei „sicherlich da“, sagt Kiefersauer. Nun gelte es durchzukalkulieren, „wie es finanziell geht“.

Schwierig wird es, wenn eine Gemeinde kein eigenes Grundstück zur Verfügung hat – denn auf dem Markt wird aktuell nicht viel angeboten. Aus diesem Grund sieht die Gemeinde Lenggries aktuell keine Möglichkeit zum sozialen Wohnungsbau. „Wir haben keine geeignete Fläche“, so Bürgermeister Werner Weindl. Er setzt daher darauf, dass weiterhin die Lenggrieser Baugenossenschaft ausreichend günstige Wohnungen zur Verfügung stellt. Mit ihr sei die Gemeinde „in ständigem Austausch.“ Aktuell sei es aus seiner Sicht aber noch möglich, in Lenggries eine Wohnung zu einem erschwinglichen Preis zu finden. Auch einigen anerkannten Flüchtlingen sei dies bereits gelungen.

Tatsächlich ein Grundstück zu kaufen, daran denkt wie berichtet die Gemeinde Greiling. Sie strebt den Erwerb eines Teils des ehemaligen amerikanischen Militärflugplatzes an. „Wir benötigen Platz für sozialen Wohnungsbau oder ein Einheimischenmodell und kurzfristig für die Aufstellung der Wohnmobile der Gemeinschaftsunterkunft am Kranzer“, sagt Bürgermeister Anton Margreiter. Letztere dürfen nämlich nur bis 2018 an ihrem jetzigen Standort bleiben, der als künftiges interkommunales Gewerbegebiet vorgesehen ist. Zunächst soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen, welche Entwicklungen auf der Fläche überhaupt möglich wären – ob etwa Biotopflächen das Bauen behindern würden oder ob es Altlasten gibt. Davon abgesehen ist nun die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben am Zug, sich zu äußern, ob und zu welchem Preis sie die 3,6 Hektar verkaufen würde.

Auch in Kochel am See ist laut Bürgermeister Thomas Holz zu spüren, „dass der Wohnraum immer knapper wird“. Rund 100 Asylbewerber seien in der Gemeinde untergebracht, großteils in Privatwohnungen. „Was früher leer stand, ist jetzt belegt.“ Doch dank der Lenggrieser Baugenossenschaft gebe es aktuell noch immer Kapazitäten, „so dass wir die Wohnscheinberechtigten unterbringen können“, so Holz. „Aber wir behalten die Situation im Auge, haben die Förderprogramme auf dem Schirm und werden bei Bedarf tätig.“

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