Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich ein 21-Jähriger vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. dpa

Amtsgericht

Späte Einsicht, mildes Urteil

Bad Tölz/Wolfratshausen - Ein Nachtschwärmer verletzte eine Security-Mitarbeiterin bei einem Treppensturz. Das Amtsgericht sprach nun ein mildes Urteil aus.

Ein betrunkener Gast streitet vor einer Tölzer Disco mit seiner Freundin. Eine Türsteherin trennt die zwei und stürzt wenig später mit dem Mann die Treppe hinunter. Als sie am Boden liegt, wirft er ein Absperrgitter auf die Frau, verletzt sie damit am Bein. Nun musste sich der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten – und kam glimpflich davon.

„Das mit dem Gitter werfen stimmt nicht. Das Gitter ist bei dem Sturz nur umgefallen. Deshalb weiß ich nicht, warum ich hier sitze“, wunderte sich der 21-Jährige aus Gmund, der nach eigener Angabe selbst bei dem Vorfall am 24. Januar 2016 kurz vor 4 Uhr diverse Prellungen davongetragen hatte.

Unterschwellig ließ der Beschuldigte anklingen, dass die Hauptschuld für die Eskalation womöglich bei der Geschädigten zu suchen sei. Die Meinungsverschiedenheit mit der Freundin sei „nach meiner Definition“ nicht lautstark gewesen. „Man hätte das auch anders lösen können. Dass die Dame so aggressiv und autoritär einspringt, hat die Situation erst herbeigeführt.“

Mit der Meinung stand der redefreudige Gmunder wenig später allein. Die Geschädigte (34) hatte ruhig und „ohne Belastungseifer“, wie es im Juristendeutsch heißt, geschildert, was passiert war. Ihre Aussage ließ vermuten, dass der Angeklagte deutlich aktiver am Sturz von der Treppe beteiligt gewesen war, als er zugeben mochte. „Ich habe links neben ihm gestanden und den Arm um ihn gelegt, um zu vermeiden, dass er die Treppe hinunterstürzt“, erzählte die Zeugin. „Aber er griff gleich nach mir, hielt mich fest. Dann sind wir beide gestürzt.“ Unten sei sie rücklings auf einem Gitter liegen geblieben. Der Angeklagte habe auf ihr gelegen und sie zu Boden gedrückt. Dann sei er aufgestanden, habe das Absperrgitter hochgehoben und auf sie fallen lassen, so die 34-Jährige, die Prellungen und blauen Flecken an Armen und Beinen, eine Beule am Kopf sowie einen Bänderanriss im Sprunggelenk, an dem sie noch heute laboriert, davongetragen hatte.

Als das Gericht nach diesen Ausführungen den rechtlichen Hinweis gab, dass auch der Sturz von der Treppe als gefährliche Körperverletzung geahndet werden könnte – in der Verhandlung ging es bis dahin nur um das Geschehen am unteren Treppenabsatz – lenkte die Verteidigung ein. Der Angeklagte rang sich hinsichtlich des Gitterwurfs zu einem Geständnis durch und sicherte der Geschädigten einen Schmerzensgeldvorschuss in Höhe von 2000 Euro zu.

„Diese Verpflichtungserklärung war für das Gericht ausschlaggebend, dass eine Strafe an der untersten Grenze verhängt werden konnte“, sagte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. Er verurteilte den Gmunder wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall zu 90 Tagessätzen zu je 15 Euro, insgesamt 1350 Euro. Der Angeklagte hatte sich zuvor bei der Frau entschuldigt und beteuert: „Es tut mir leid. So bin ich eigentlich nicht. Ich war mit der Situation überfordert.“

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Jeder redet über Strafzinsen, die Kommunen zahlen sie längst. Es sind teils fünfstellige Beträge, die die Städte und Gemeinden im Landkreis für sparsames Haushalten zu …
„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Schönheit ist Ansichtssache
Der Kunstverein Tölzer Land eröffnet am Samstag seine neue Ausstellung „Schönheitsfehler“ im Kunstsalon an der Marktstraße. Beginn ist um 19 Uhr. 
Schönheit ist Ansichtssache
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen

Kommentare