Stellten die Bilanz vor: Renate Waßmer, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, mit den Vorständen Christian Spindler (re.) und Thorsten Straubinger (li.). arp
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Stellten die Bilanz vor: Renate Waßmer, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, mit den Vorständen Christian Spindler (re.) und Thorsten Straubinger (li.).

Trend zu Online- und Telefon-Beratung

Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen schließt Filialen - Diese Standorte sind betroffen

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen wird das Filialnetz im Landkreis ausdünnen. Das wurde im Bilanzpressegespräch am Mittwoch bekannt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Corona-Pandemie prägt das Gesellschaftsleben in allen Bereichen – das gilt auch für das Bankenwesen. Am Mittwoch stellte die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen beim Jahrespressegespräch nicht nur ihre Bilanz vor, sondern wartete auch mit der Nachricht auf, dass einige Geschäftsstellen im Landkreis geschlossen werden. Als Grund nennt die Bank das geänderte Kundenverhalten – die Digitalisierung habe in den vergangenen eineinhalb Jahren einen so großen Schub gemacht, dass man nun neben einigen großen, teils auch neuen Beratungscentern den Telefon- und Online-Bereich stärke und ausbaue.

Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz nicht verlieren, verspricht die Sparkasse

Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz nicht verlieren, sondern in anderen Bereichen eingesetzt. In den neuen Segmenten sind zudem einige Stellen vakant.

Blickt man rein auf die Zahlen, dann ist die Sparkasse relativ gut durch die Krise gekommen. Der Bilanzgewinn liegt mit 2,80 Millionen Euro leicht unter dem des Vorjahres (2,90 Millionen Euro). „Dies ermöglicht uns weiterhin eine angemessene Eigenkapitalbildung als solide Basis für die zukünftige Geschäftsentwicklung“, sagte die Vorstandsvorsitzende Renate Waßmer. Das Eigenkapital stieg von 149 Millionen Euro in 2019 auf 152 Millionen Euro. Die Bilanzsumme liegt bei knapp drei Milliarden Euro.

Jedes zweite Haus im Landkreis wird von der Sparkasse finanziert

Nach wie vor, berichtete Waßmer, parkten viele Kunden ihr Geld in kurzfristigen Anlagen in der Hoffnung auf steigende Zinsen. Davon sei jedoch in absehbarer Zeit nicht auszugehen, sagte Vorstandsmitglied Thorsten Straubinger. Alternativen seien Aktien und Immobilien. „Jedes zweite Haus im Landkreis wird von der Sparkasse finanziert.“

Kreditberatung war und ist in der Corona-Zeit sehr gefragt. „Viele Menschen haben Sorge vor einem erneuten Lockdown“, berichtete Waßmer. 212 Mal wurden von Firmenkunden Förderanträge für Corona-Hilfen beantragt, dieses Volumen beträgt 32,6 Millionen Euro. 682 Kunden baten um das Aussetzen von Tilgungen.

Fast zwei Drittel der Kunden setzen auf Online-Banking

In der Pandemie hat sich das Verhalten der Kunden stark geändert. Fast zwei Drittel der Kunden macht Waßmer zufolge mittlerweile Online-Banking. „Das geht über alle Altersgruppen hinweg“, sagte Straubinger. Selbst bei Senioren liege der Anteil bei über 30 Prozent.

Betreuung und Beratung via Telefon oder am Bildschirm würden sehr stark nachgefragt – und der Trend halte an. Zudem spiele das Bezahlen mit Bargeld eine immer geringere Rolle. Schon seit 2018 könne man diesen Rückgang beobachten, die Pandemie-Zeit habe das aber beschleunigt, so Straubinger. Für ein regionales Geldhaus bedeute das auch, dass man mit Bezahldiensten wie PayPal, Amazon- oder Apple-Pay im Wettbewerb stehe.

Der Trend geht weg von stationären Geschäftsstellen

Schon seit 2015 verzeichne die Sparkasse eine steigende Nutzung des Telefons als Kontaktkanal. Mittlerweile würden 40 Prozent der Kunden bei Terminvereinbarungen eine digitale oder telefonische Beratung wünschen. „Heuer werden wir wohl die Marke von 200 000 Telefonaten knacken“, sagte Straubinger. „Der Trend geht eindeutig weg von stationären Geschäftsstellen.“

Die Sparkasse hat in den vergangenen Jahren sechs größere Beratungscenter im Landkreis geschaffen (Bad Tölz/Badstraße, Lenggries, Benediktbeuern, Wolfratshausen und zwei in Geretsried). Zudem gibt es dreizehn Geschäftsstellen kleineren Ausmaßes. Für einige wird der Trend zum Digitalen nun Konsequenzen haben. Beibehalten werden nur die Geschäftsstellen in Münsing, Kochel am See und in Bad Tölz am Bahnhof. Die Geschäftsstellen in Dietramszell, Reichersbeuern, Egling, Königsdorf und Waldram werden hingegen am 1. Januar 2022 zu Selbstbedienungs-Stellen, ausgestattet mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker. Hier gab es ohnehin nur noch Service an zwei Tagen in der Woche.

Schließung: Diese Sparkassen-Filialen im Landkreis fallen

Ab 1. Januar 2022 werden folgende Geschäftsstellen geschlossen:

  • Icking
  • Bad Heilbrunn
  • Gaißach
  • Jachenau
  • Walchensee.

Icking wird von Wolfratshausen mitbetreut, Gaißach von Bad Tölz. In Heilbrunn gibt es im Supermarkt einen Automaten, in Jachenau im Rathaus (jeweils in Zusammenarbeit mit der VR-Bank). In Walchensee läuft bis Ende 2022 eine Testphase mit einem Service-Point in der Tourist-Info einmal pro Woche.

Verblüffend: Trotz der vielen Touristen sei Walchensee „einer unserer am wenigsten frequentierten Standorte“, sagte Straubinger. Vieles laufe bargeldlos. „Es besteht eher der Bedarf, dass Geschäftsleute Bargeld einzahlen wollen.“ Wie sich unter anderem das entwickle, wolle man mit der Testphase prüfen.

Alle betroffenen Kunden wurden in den vergangenen Tagen über die Entwicklung informiert. Standorte im Eigentum werde man einer neuen Nutzung zuführen, sagte Vorstandsmitglied Christian Spindler. Vakant sind zum Beispiel noch immer die Räume in der Tölzer Marktstraße: Hier sei ein Interessent kurzfristig abgesprungen, sagte Spindler. „Jetzt suchen wir wieder nach neuen.“

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