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Blick in den Gebetsraum der Mevlana-Moschee: SPD-Landtagskandidat Robert Kühn (2. v. re.) im Dialog mit Menduh Killik (re.), dem Vorsitzenden des Vereins Mevlana-Moschee. 

Landtagswahlkampf

SPD besucht Tölzer Moschee: „Waren nie Zielscheibe von Fremdenhass“

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SPD-Landtagskandidat Robert Kühn besuchte die  Mevlana-Moschee in Bad Tölz. Hier informierte sich der Politiker über das, was er noch nicht über die Muslime im Oberland gewusst hatte.

Bad Tölz– Robert Kühn ist in der Vergangenheit schon öfter an der Mevlana-Moschee in Bad Tölz vorbeigefahren. Immer wieder fragte er sich, wie es wohl im Inneren aussieht und welche Themen die Muslime umtreiben. Im Vorfeld der Landtagswahl am 14. Oktober entschloss sich der SPD-Landtagskandidat nun zu einem Besuch – auch, um zu demonstrieren, dass ihm dieser Kulturkreis am Herzen liegt.

Dabei erfuhren Kühn und drei Genossen, dass der Schuh an zwei Stellen drückt: Es stellt den Verein Mevlana-Moschee vor Probleme, dass die Vorbeter aus der Türkei zeitlich nur begrenzt bleiben dürfen. Und die Räume an der Säggasse sind zu beengt.

Visa für die Vorbeter sind ein Problem

Die rund 100 Gläubigen, die im Schnitt zum Freitagsgebet kommen, finden zwar ohne Probleme Platz im „Mescit“, dem Gebetsraum für Männer. Der Verein würde aber vor allem seinen jüngeren Mitgliedern gern mehr bieten, zum Beispiel einen Aufenthaltsraum mit Kicker. Für Feierlichkeiten wie das Sommerfest müsste der Verein dann auch nicht mehr extra das Bürgerhaus am Lettenholz anmieten, sagte Vorsitzender Menduh Killik. Und man könnte sich mehr nach außen öffnen: für interessierte Besucher zum Beispiel. Außer einer kleinen Küche, die zugleich als Büro dient, gibt es an der Säggasse keine Möglichkeit, Gäste zu empfangen. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht: Es fehlt an Bauplätzen in Tölz, so Killik.

Auch das zweite Problem scheint unlösbar: Die Visa für die Vorbeter aus der Türkei gelten nur drei Monate. Danach müssen sie zurück in ihre Heimat. Erst nach weiteren zwölf Wochen dürfen sie erneut für drei Monate in Deutschland einreisen. Ob es schwierig sei, solche Vorbeter zu akquirieren, wollte Kühn wissen. „Ja“, sagte Killik. Diese organisatorische Herausforderung und die Kosten für die vielen Flüge belasteten den Verein.

Konflikte mit den deutschen Mitbürgern scheinen dagegen kein brennendes Thema zu sein. „Ich persönlich hatte nie ein Problem wegen meiner Herkunft oder meiner Religionszugehörigkeit“, sagte Killik. Auch die Moschee sei nie Zielscheibe von Fremdenhass gewesen. Nur einmal, ganz am Anfang, räumten Unbekannte die Schuhe der Gläubigen aus den Regalen, während diese beteten. Sie landeten auf der Straße, erzählte Killik.

Der Islam ist ein friedlicher Glaube“

Auch wenn es ansonsten keine offenen Konflikte zwischen den Kulturen zu geben scheint: „Einige von uns fühlen sich von der deutschen Gesellschaft nicht akzeptiert“, sagte Killik. Auf den türkischen Basar Mitte des Monats etwa verirrten sich kaum Deutsche. Und dass die Wohnblöcke an der General-Patton-Straße als Ghetto gelten, sei vielen türkischen Mitbürgern, die dort wohnen, deutlich bewusst. Radikale Tendenzen gebe es trotzdem nicht, sagte Killik.

SPD-Kreistagsfraktionssprecher Reiner Berchtold sprach die weniger offenen Konflikte an. Viele Deutsche störe es zum Beispiel, dass gerade ältere Türken oft nur wenig Deutsch sprächen. Das wiederum legten ihnen viele als „mangelnden Willen zur Integration“ aus. Beide Seiten müssten sich weiter öffnen und stärker die Gemeinsamkeiten betonen. „Unsere Religionen unterscheiden sich gar nicht so sehr.“ Ein großes Problem sieht Berchtold darin, dass viele Deutsche inzwischen den Islam mit dem Islamischen Staat (IS) gleich setzten. „Solche Stereotype müssen abgebaut werden.“

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Moscheen-Vorstandsmitglied Muzaffer Keskin betonte in diesem Zusammenhang, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun habe. „Das muss man klar trennen“, sagt der Bad Heilbrunner. „Der Islam ist ein friedlicher Glaube.“ Ähnlich äußerte sich sein Amtskollege Nadir Dalgin „Der Islam ist nicht radikal.“

Robert Kühn nahm sich am Ende des Treffens vor, künftig nicht nur öfter bei den Festen der muslimischen Gemeinde vorbeizuschauen. „Es ist wichtig, weiterhin offen aufeinander zuzugehen.“ Das sei die einzige Möglichkeit, um Ängste und Vorurteile abzubauen.

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