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Die SPD-Basis darf über den Koalitionsvertrag abstimmen.

Vor der GroKo-Abstimmung

SPD-Kreis-Chef: „So viele Neueintritte gab es noch nie“

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Die SPD hat im Landkreis seit Jahresbeginn 35 Mitglieder hinzugewonnen. Nicht alle kommen, um über die GroKo abstimmen zu dürfen, sagt der Kreisvorsitzende Wolfgang Werner

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Spitzen von CDU/CSU und SPD haben sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Jetzt liegt der Ball bei der SPD-Basis: Die Mitglieder dürfen darüber abstimmen. Die Chance, hier ein Wörtchen mitzureden, ist offenbar für viele Menschen reizvoll. Bundesweit verzeichnet die SPD seit Jahresbeginn 24 000 neue Mitglieder. Dieser Trend hat auch den Landkreis erreicht, wie der SPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Werner im Kurier-Interview berichtet.

-Herr Werner, verzeichnet die SPD im Landkreis auch eine Eintrittswelle?

Ja, wir haben seit dem 1. Januar 35 Neumitglieder – und somit jetzt insgesamt 360 bis 370. So viele Neueintritte gab es noch nie, auch nicht während des „Schulz-Hypes“.

-Glauben Sie, das ist auf die Jusos-Kampagne zurückzuführen, die dazu aufrief, der SPD beizutreten, nur um dann im Mitgliederentscheid Nein zur Großen Koalition zu sagen?

Das kann ich auch nicht sagen. Im Umkehrschluss könnte es sich natürlich auch um Menschen handeln, die für die GroKo abstimmen möchten. Auf jeden Fall handelt es sich bei den Neumitgliedern nicht nur um junge Leute, sondern es geht querbeet von jung bis alt. Es wäre eine Unterstellung zu sagen, dass sie alle nur die GroKo verhindern wollen. Generell ist es natürlich auch so, dass die Basisdemokratie, die jetzt passiert, die SPD als Partei attraktiv macht.

Wolfgang Werner, Kreisvorsitzender der SPD

-Freuen Sie sich über die vielen Neumitglieder, oder haben Sie ein etwas mulmiges Gefühl dabei?

Natürlich freut man sich. Aus welchen Motiven jemand der SPD beitritt – ob nur zu dem Zweck, über die GroKo abzustimmen, oder um sich längerfristig zu engagieren – ist für uns sehr schwierig bis unmöglich festzustellen. Wir können da nicht vorab aussieben und haben auch leider nicht die Möglichkeit, jemanden wie bei einem Handyvertrag gleich für 24 Monate zu binden. Aber ich möchte jetzt nicht unterstellen, dass alle ausschließlich für die Mitgliederabstimmung beitreten – das würde ja auch diejenigen verprellen, die darüber hinaus dabeibleiben wollen. Man sollte nicht immer nur das Negative annehmen. Im Übrigen müssen wir auch erst einmal abwarten, ob nach einer Entscheidung für oder gegen die GroKo nicht langjährige Mitglieder ihr Parteibuch zurückgeben. Das war beim letzten Mal auch so.

-Wissen Sie selbst schon, ob Sie für oder gegen die GroKo stimmen?

Ich werde jetzt erst einmal den Koalitionsvertrag genau studieren. Beim Parteitag wurden ja einige rote Linien festgelegt, nämlich Fortschritte bei den Themen Bürgerversicherung, sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen und Familiennnachzug. Diese Punkte sind für mich ausschlaggebend. Letztes Mal fiel es mir leichter, für die GroKo zu stimmen. Dieses Mal stellt sich alles komplizierter dar. Natürlich ist mir auch bewusst, dass ganz Europa darauf wartet, dass Deutschland eine Regierung bildet, und ich stelle mir die Frage, wie es denn weitergeht, wenn wir Nein sagen.

-Was glauben Sie, wie die Mitgliederbefragung endet?

Es wird eine knappe Abstimmung mit einer hohen Beteiligung – aber in welche Richtung es ausgeht, ist schwer vorherzusagen. Auf jeden Fall glaube ich nicht, dass die Neueintritte am Ende das Zünglein an der Waage sind.

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