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Schüler bei der Abiturprüfung am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium: Ob hier Spickzettel im Spiel waren, ist nicht bekannt. Die Initiatoren des „Tag des Spickzettels“ jedenfalls finden, dass die kleinen Schummelhilfen gewürdigt werden sollten.

Schulleben

Spicker werden moderner, Lehrer aber auch

Der Leiter des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums gesteht: Als Schüler hat er auch selbst bei Prüfungen geschummelt. Ein Interview zum „Tag des Spickzettels“.

Bad Tölz– Auch der gute alte Spickzettel hat es zu einem eigenen Gedenktag gebracht: Mit dem „Tag des Spickzettels“ an diesem Montag wollen die Initiatoren mit nostalgischen Gefühlen an diese unerlaubte Hilfe bei Prüfungen erinnern, die so manchen Pennäler durch die Schulzeit begleitete. Doch hat das kleine, gut versteckte Papierchen im Zeitalter neuer, technisierter Schummelmethoden ausgedient? Darüber gibt im Kurier-Interview Alexander Göbel Auskunft. Der 50-Jährige ist seit 1. August 2017 Leiter der Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums in Bad Tölz. Er studierte Biologie und Chemie auf Lehramt für Gymnasien und lebt in Wolfratshausen.

Herr Göbel, hat sich das Spicken in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Vermutlich ja. Es werden andere Methoden versucht mit modernen, elektronischen Tricks. Die bekommt man als Lehrer nicht so mit. Aber langsam weitet sich der Blick der Lehrkräfte. Die sind immer nah dran an diesen Themen und halten vermehrt auch andere Spick-Optionen für möglich. Zum Beispiel Spicken mit Handys oder Smartwatches. Da findet eine Co-Evolution statt: Spicker und Lehrer entwickeln sich gleichermaßen weiter. Es wird aber, glaube ich, auch noch häufig der gute alte Spickzettel verwendet.

Sind Spicker durch den zunehmenden Leistungsdruck, den Schüler verspüren, eher mehr oder eher weniger geworden?

Ich bin an diesem Gymnasium erst seit diesem Schuljahr Schulleiter. Aber solche Dinge werden natürlich auch an mich herangetragen. Ich hatte jetzt erst mit einem Fall dieser Art zu tun. Ich glaube wir haben hier am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium sehr brave Schüler. Entweder hat das mit den Spickern abgenommen, oder das war hier schon immer so.

Alexander Göbel

Was halten Sie von Spickzetteln?

Die Lernpsychologie spricht sich klar für den Spickzettel aus. Dadurch bringt man Struktur in den Lern-Stoff. Die Schüler sollten ihn für sich zum Lernen anfertigen, aber natürlich nicht während der Prüfung nutzen.

An Schulen gilt: „Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss.“ Wer spickt mehr, die Strebsamen oder die Faulenzer?

Eher die Letzteren, die brauchen das zum Überleben.

Wohl kaum einer hat es nicht getan: Haben Sie als Schüler auch mal einen Spickzettel genutzt?

(lacht) Ich war ja selbst am Gymnasium Geretsried, das können jetzt also meine alten Lehrer lesen: Ich habe auch gespickt, aber ich habe es gut gemacht. Ich wurde nie erwischt. Texte, die ich mir nicht merken konnte, habe ich in Schriftgröße „Vierpunkt“ ausgedruckt und ins Federmäppchen geklebt. Das hat nie jemand gemerkt. Im Studium und im Examen hat das dann aber aufgehört. Ich hörte allerdings, dass zum Beispiel im Examen für Sportlehrer wahnsinnig viel gespickt wird.

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