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In die Kreisklasse aufgestiegen sind Vroni Müller (Mitte) und ihr Team im Jahr 2016.

Spielerinnen aus dem Tölzer Land zur WM in Frankreich: 

„Frauen im Fußball sind härter im Nehmen“

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Fußball-WM ist nicht gleich Fußball-WM: Nach wie vor gibt es Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung, ob denn nun die Männer oder die Frauen spielen. Die Fußballerinnen im Landkreis feieren trotzdem „ihre“ WM – auch ohne Public Viewing.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit dem 7. Juni läuft die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Keine Fanartikel fluten die Geschäfte, kein Autokorso fährt abends nach einem Sieg der Deutschen durch die Innenstädte, keine Fähnchen hängen an den Autos. Auch Public Viewing ist Fehlanzeige. Trotzdem kicken gerade 24 Nationalmannschaften um den Weltmeistertitel. Am heutigen Montagabend spielt Deutschland gegen Südafrika. Titelverteidiger sind die USA.

„Beim Männerfußball gelernt“ hat BCF-Spielerin Vroni Filgertshofer.

„Die Geschlechtergerechtigkeit ist halt doch noch nicht so in der Gesellschaft angekommen wie alle immer tun“, sagt Vroni Müller, Fußballerin beim SV Bad Tölz. Denn der Frauenfußball sei keineswegs langweilig. „Die WM der Frauen ist nur deshalb für viele Leute weniger spannend, weil dafür weniger Werbung gemacht und sie von der Presse kaum aufgenommen wird“, sagt Müller, die für eine Münchner Firma als Marketing-Spezialistin arbeitet.

Die Sachsenkamerin spielt seit zehn Jahren Fußball und legt beim Sprechen wert auf einen kleinen Zusatz. Heißt es im Interview WM, fragt sie nach: „Meinst du jetzt Herren oder Damen?“

Vroni Müller findet die Nationalmannschaft der Frauen stark. „Die spielen einen Spitzenfußball.“ Es sei viel passiert im Sport, endlich würden auch Frauen mehr gefördert. Doch dem Spiel der National-Elf sei leider noch anzusehen, dass diese Förderung erst seit Kurzem stattfindet, Männer hingegen seit Jahrzehnten unterstützt werden. „Der Männerfußball ist deshalb manchmal schneller, aggressiver, technisch besser“, sagt die 27-Jährige. Auch deshalb, weil sich Männer in ihrer Laufbahn viel eher auf den Sport konzentrieren könnten. „Die bekommen schon früher viel mehr Geld als die Frauen“, sagt Müller. Für Profi-Fußballer gibt’s schon in der Landesliga ein Gehalt, für Profi-Fußballerinnen erst in der Zweiten Bundesliga.

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Frauenfußball sei ehrlicher und bodenständiger, sagt Christa Feicht, die bei der Spielgemeinschaft Lenggries-Gaißach kickt. „Die Männer spielen vielleicht schneller, aber Frauen stehen schneller wieder auf, machen weniger Show“, urteilt die 21-Jährige. Gehe eine Fußballerin mal zu Boden bleibe sie nicht minutenlang mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, auch wenn ihr gar nichts fehle. „Im Männerfußball ist das üblich.“

Die Weltmeisterschaft in Frankreich verfolgt Christa Feicht genau. „Ich würde jedem ans Herz legen, sich das anzusehen. Das ist ein anderer Fußball als der Fußball der Herren. Insbesondere die Titelverteidigerinnen aus den USA sind sehr stark“, sagt die Arzbacherin.

Fußballerinnen aus Lenggries und Gaißach spielen mit Christa Feicht in einer Spielgemeinschaft.

Was sie ganz besonders am Umgang mit Frauenfußball ärgert? „Ich hab letztens Schlagzeilen gesehen, da wurde wieder nicht die Leistung, sondern nur das Aussehen der Frauen herausgehoben“, sagt Feicht. Mit sexualisierenden Bezeichnungen wie „DFB-Hottie“ wollten die Zeitungen die Aufmerksamkeit der Leser. Bei männlichen Fußballspielern habe sie das noch nicht erlebt, sagt Feicht.

Auch Vroni Filgertshofer (22) sagt: „Frauen im Fußball sind härter im Nehmen.“ Sie wechselte in der vergangenen Saison von Lenggries zum BCF Wolfratshausen und spielt dort in der Landesliga. Wäre sie ein Mann, gäbe es dafür schon Geld.

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Sagt ihr jemand, dass diese WM langweilig sei, wird Filgertshofer sauer: „Wer selbst keinen Sport macht, soll nicht blöd daherreden.“ Sie hat Glück mit ihrem Verein: „Landkreisweit werden die Frauen-Teams in den Vereinen untergebuttert, zurück geschoben und die Jungs stark bevorzugt“, sagt Filgertshofer. Beim BCF sei das anders: „Unsere Unterstützer wollen, dass der Damenfußball bekannter wird und fördern uns viel.“ Sogar einen eigenen Rasen haben die Frauen in Wolfratshausen.

Vroni Filgertshofer spielt Fußball, seit sie fünf Jahre alt ist. Lange kickte sie bei den Jungs. „Ich würde Mädchen und Jungs auch so lange es geht zusammen Fußball spielen lassen“, sagt Filgertshofer. Sie selbst habe sehr viel von den Jungs gelernt, Mädchen seien oft zurückhaltender. Auch, was den Tonfall auf dem Feld angehe. „Männer brüllen sich im Spiel halt mal an. Aber nach Abpfiff ist das gegessen“, berichtet die Arzbacherin. Frauen sollten sich ebenso entgegenkommen und emotionale Momente im Spiel weniger auf die Goldwaage legen.

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