Das „Atelier im Malerwinkel“ (Foto oben) lag am Tölzer Maierbräugasteig. 24 Jahre lang gingen Kunstliebhaber und -händler darin ein und aus. Heute ist in den Räumen eine Fahrschule untergebracht.

Ausstellung

Spurensuche im Tölzer Malerwinkel

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Eine besondere Ausstellung gibt es an diesem Wochenende an der Tölzer Karwendelstraße: Im Mittelpunkt steht Alfred Lehmann-Meder, genannt „Corelli“. Noch heute hängt so manches Bild von ihm in Tölzer Wohnstuben. Viele Besitzer dürften ahnungslos sein, wer sich dahinter verbirgt.

Bad Tölz– Es ist eine Geschichte voller Zufälle und engagierter Suche, die sich jetzt Stück für Stück wie ein Puzzle zusammenfügt. Sie beginnt bei Markus Elsner. Ihm ist es zu verdanken, dass ein Stück Tölzer Kunstgeschichte aus den 1960er- bis 1980er-Jahren nicht in Vergessenheit gerät.

Aber der Reihe nach: Markus Elsners Familie machte seit den 1960er-Jahren jeden Sommer und Winter Urlaub im Isarwinkel. Sein Vater war als Kind in den Kriegsjahren durch die „Landverschickung“ nach Lenggries gekommen und kehrte später mit Frau und drei Kindern als begeisterter Feriengast immer wieder dorthin zurück. Als der Vater beruflich nach München wechselte, kaufte sich die Familie in Lenggries eine Ferienwohnung. Später, nach dem Tod des Vaters, zog dessen Frau nach Bad Tölz.

In diesen Jahren entwickelten sich viele Kontakte und Freundschaften. Familie Elsner fand vor allem Gefallen an der Malerei. Besonders von Alfred Lehmann-Meder (genannt „Corelli“), der in Bad Tölz am Maierbräugasteig ein Atelier betrieb, kauften sie viele Werke. Markus Elsner und seine Geschwister erinnern sich noch an den weißhaarigen, stets gut gelaunten Maler, dessen Frau die Kinder im Atelier mit Süßigkeiten verwöhnte, während die Eltern über die Bilder sprachen.

Die Eltern von Markus Elsner besitzen viele Bilder von „Corelli“. Elsner stellt sie an diesem Wochenende aus. Der Kunsthistoriker und Journalist hat als Fotokünstler in Bad Tölz schon mehrmals seine außergewöhnlichen Polaroids ausgestellt.

Nun ist die hochbetagte Mutter der Familie Elsner in ein Pflegeheim gezogen, ihre Erinnerungen verblassen. Beim Aufräumen der Wohnung an der Karwendelstraße entdeckten die erwachsenen Kinder sehr viele Bilder, die die Eltern von „Corelli“ erworben hatten – Berg- und Landschaftsmotive, Blumen, Stillleben, Abstraktes.

Dass es so viele waren, überraschte die Kinder. Und das Interesse von Markus Elsner war geweckt. Der 59-Jährige ist nämlich selbst Fotokünstler und wollte wissen: Wer war eigentlich „Corelli“ genau, was hat er alles hinterlassen?

Markus Elsner begab sich in Tölz auf eine aufwendige Spurensuche. Ein hiesiger Kunsthändler wusste, dass die Witwe noch lebt. In der Nähe des Kalvarienbergs wurde Elsner fündig – dort wohnt die heute 82-jährige Johanna Lehmann.

Auch „Corellis“ Lebensgeschichte ist voller Höhen und Tiefen. Geboren 1909 in Koblenz, verschlug es ihn – bedingt durch zwei Weltkriege – quer durch die Republik, bis er 1962 in Tölz landete. „Er kämpfte immer ums Überleben“, sagt die Witwe. Johanna Lehmann ist die zweite Frau an „Corellis“ Seite, der Maler war verwitwet. Johanna verschlug es Anfang der 1980er-Jahre als Krankenschwester nach Bad Tölz, und die Beziehung zu dem 23 Jahre älteren Mann war Liebe auf den ersten Blick. „Corelli“ war, so erinnert sich Johanna Lehmann, damals in der Tölzer Künstler-Szene „eine sehr lebendige Persönlichkeit“. In seinem „Atelier im Malerwinkel“ am Maierbräugasteig gingen Einheimische sowie Kunsthändler aus ganz Deutschland und Italien ein und aus. „Wahrscheinlich gab ihm ein Italiener den Spitznamen ,Corelli‘“, vermutet Markus Elsner. Auch die amerikanischen GIs aus der Flint-Kaserne kauften hier viele Bilder und brachten sie ihren Familien in den USA mit. „Für sie musste er immer Landschaften und Berge malen“, erinnert sich Johanna Lehmann.

Alfred Lehmann-Meder genannt „Corelli“ (1909-1986)

Allerdings sind von „Corelli“ so gut wie keine Tölzer Stadtansichten erhalten. Viele Bilder waren Auftragswerke – neben den Landschaften häufig Blumen und Stillleben. Kunsthändler orderten die Ölbilder am laufenden Band, erinnert sich seine Witwe. Leider wurde nie ein Verzeichnis angelegt, welches Bild wohin verkauft wurde.

Was den Gesamt-Überblick zudem schwierig macht, ist die Tatsache, dass „Corelli“ mit verschiedenen Signaturen auftrat. Am häufigsten unterschrieb er mit dem Namen des berühmten italienischen Komponisten, aber unter einigen Bilden ist auch sein bürgerlicher Name Alfred Lehmann-Meder zu lesen oder „Ricci“ (der zweite Vorname war Richard) und „Kay“. Letztere Bezeichnung stellt Markus Elsner noch vor ein Rätsel.

In Elsners Familie wurden jahrelang viele Bilder von „Corelli“ verschenkt, und Markus Elsner fällt es schwer, einen Überblick zu bekommen, was wo gelandet ist. „Den alteingesessenen Tölzer Kunsthändlern ist der Name aber ein Begriff“, sagt Elsner. Ihn beeindruckt vor allem die große Stilvielfalt des Malers. Johanna Lehmann erzählt schmunzelnd, dass es ihr Mann mit zunehmenden Jahren hasste, Landschaften, Blumen und Porträts, etwa von amerikanischen Soldaten, zum Broterwerb malen zu müssen. „Er liebte das Abstrakte“, sagt sie. „Und ich liebte es, dabei ganz still in der Ecke zu sitzen und ihm zuzuschauen, wie er Farbe um Farbe auf die Leinwand spachtelte. Es war immer ein regelrechter Farbenrausch.“

In Gedenken an „Corelli“ möchte Markus Elsner dem Maler, der 1986 unerwartet starb, eine Ausstellung widmen. Sie findet am Wochenende 19. und 20. August in der Wohnung an der Karwendelstraße 7b statt. Elsner hatrund 40Werke mit verschiedenen Signaturen gesammelt, die auch erworben werden können. Am Samstagnachmittag wird Johanna Lehmann dort sein. Sie steht nicht nur für alle Fragen zur Verfügung, sondern ist auch gerne dabei behilflich, zu entziffern, ob es sich bei Bildern, die Tölzer zu Hause hängen haben, um Werke ihres Mannes handelt.

Markus Elsner hat mittlerweile auch Kontakte mit Walter Frei geknüpft. Der Tölzer, der 2015 die erfolgreiche Spethmann-Ausstellung organisiert hat, möchte 2018 im Landratsamt Bilder von Künstlern ausstellen, die verstorben sind und drohen, in Vergessenheit zu geraten. Von „Corelli“ werden zwei Werke dort zu sehen sein – dank der Spurensuche von Markus Elsner.

Infos zur Ausstellung

Die Schau findet am Samstag und Sonntag, 19. und 20. August, bei Familie Elsner in der Karwendelstraße 7b (gegenüber Kaufland) im zweiten Stock statt. Geöffnet ist am Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Die Bilder können auch erworben werden. Der Eintritt ist frei. Besucher können gerne Bilder des Malers mitbringen, um sich mit anderen darüber auszutauschen. Markus Elsner ist unter Telefon 0173/4 94 87 01 erreichbar.

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