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Christian Stadelbacher hat in Tölz ein Forum für Gegenwartskunst geschaffen. Nun geht es ums Thema Aussteigen – exemplarisch dargestellt am Fallschirmspringen.

Stadelbachers Sprung ins Ungewisse

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„Prepared to exit“, also „Bereit um auszusteigen“ heißt die Ausstellung, die Christian Stadelbacher kommende Woche in seiner Galerie am Tölzer Jungmayrplatz zeigt. Der Name ist auch Programm: Stadelbacher gibt die Galerie zum Jahresende auf.

Bad Tölz – Die Kuh-Bilder, in denen sich Christian Stadelbacher kritisch mit den Themen Rind und Entwicklungen in der Landwirtschaft auseinandersetzt, haben den 58-Jährigen regional bekannt gemacht. In seiner Galerie „öha“ beschäftigt er sich mit Gegenwartskunst und hat in den vergangenen beiden Jahren auch anderen Künstlern ein Forum gegeben.

Doch damit ist nun bald Schluss. Passend zum Abschied gibt Stadelbacher seiner vorletzten Einzelausstellung den Titel „prepared to exit“. „Die Kunstaktion ist eine Abstraktion, die realistisch zeigt, was notwendig und was wesentlich ist, um tatsächlich auszusteigen“, sagt Stadelbacher. Und dafür ist er selbst an seine Grenzen gegangen und hat heuer eine Fallschirmspringer-Ausbildung absolviert. Anhand von großformatigen Fotos, vier Filmen, Tagebuchnotizen, Flugausbildungs-Objekten und dazugehörigen Dokumenten lässt er den Galeriebesucher daran teilhaben.

Es sind ungewöhnliche, teils auch skurrile Bilder, die Stadelbacher ab Dienstag, 14. November, ausstellt. Alles Dinge, die sich bei schnellem Blick nicht erschließen, sondern zum Nachfragen einladen. Und genau das möchte er. „Gegenwartskunst muss man frisch präsentieren und konsumieren“, sagt der Künstler.

28 Mal ist Stadelbacher fast immer aus 4300 Meter Höhe aus einem kleinen Flugzeug gesprungen. Diese Erfahrungen gibt er auf übertragener Ebene weiter. „Je öfter man aussteigt, desto leichter wird es“, sagt er. „Man kann sich aber auch die Frage stellen: Muss ich aussteigen?“ Jemand, der aussteigen wolle, suche sich Vorbilder. „Man wird wieder zum Schüler.“ Und im Angesicht des Todes beschäftige man sich natürlich auch mit existenziellen Fragen. „In solchen Situationen tut man das Wesentliche und lässt das Unwesentliche weg.“

Bei der Vernissage wird es also viel Gesprächsstoff geben – auch darüber, dass Stadelbacher seine Galerie zum Jahresende aufgibt. Die Zahl der Künstler und künstlerisch tätigen Handwerker am Jungmayrplatz geht damit weiter zurück. Schon jetzt, sagt Stadelbacher, gebe es in diesem Viertel nur noch wenig Laufkundschaft. Hinzu kommen die bevorstehenden Umbauarbeiten der Stadtwerke an den Gas- und Wasserleitungen (wir berichteten). Dafür wird der Platz voraussichtlich ein Jahr gesperrt. Wann es losgeht, steht noch nicht fest.

Stadelbacher vermisst zudem Rückhalt aus der Stadtverwaltung und sieht sich damit nicht alleine. Die Auflagen fürs Plakatieren seien zu streng. Und ähnlich wie andere Künstler, beklagt auch Stadelbacher beim Be- und Entladen seines Autos vor der Galerie negative Erfahrungen mit der Parküberwachung.

2018 zieht der 58-Jährige nach Greiling und wird sein Atelier dort betreiben. Im kommenden Jahr sind bereits zwei Ausstellungen in München fix. Dauerhaft hängen seine Bilder auf dem Hahnhof in Großhartpenning.

Ausstellung

Vernissage ist am Dienstag, 14. November, um 18 Uhr. Die Ausstellung ist vom 15. bis 19. November von 14 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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