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Zeigt seine Farben im Garten: Unmittelbar nach dem Löwen-Spiel gegen Saarbrücken hisste der Lenggrieser Franz Gams die 1860-Fahne auf einen neun Meter hohen Mast.

Fußball-Anhänger erzählen

Stadion, Strand, Sofa: So erlebten 1860-Fans aus dem Landkreis den Aufstieg

Im Stadion, am Strand oder auf dem Sofa: So erlebten 1860-Fans den Aufstieg der Münchner Löwen in die 3. Liga. Einer scherzt jetzt schon von der Champions League.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Irrsinn, nervenaufreibend, Wechselbad der Gefühle“: Diese Worte findet Klaus Riedmüller, wenn er an das Aufstiegsfinale des TSV 1860 München vom Sonntag zurückdenkt. Mit einem 2:2 im Relegations-Rückspiel (Hinspiel: 3:2) zitterten sich die Münchner Löwen gegen den 1. FC Saarbrücken in die Dritte Liga und damit zurück in den Profifußball. Riedmüller (50), Kraftfahrer und Jugendtrainer beim SV Bad Tölz, hat den Irrsinn von seinem Sohn zum Geburtstag geschenkt bekommen. Der ist Torwart der Sechziger-U 14, war als Balljunge im Grünwalder Stadion eingeteilt und kam so an Karten. „Jetzt sind meine Haare ganz grau“, sagt der Papa nach der Emotionsdusche auf der Tribüne. „Beim Tor zum 2:2 hast du tausende Steine von den Herzen fallen gehört.“ Von „brutaler Nervosität“ auf den Rängen berichtet Riedmüller, der sich im Stadion mit vielen alten Löwen-Fans unterhalten hat. Am Ende aber war nur noch Glückseligkeit: „Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen haben.“

Einer Zerreißprobe ausgesetzt war Peter „Pele“ Kunzmann. Er fieberte mit den Sechzigern, während seine DJK Waldram ebenfalls um den Aufstieg spielte.

An ein Ticket fürs Spiel kam der Münsinger Bürgermeister Michael Grasl (50), „ziemlich dunkelblau von Kindesbeinen an“, nicht. Ihm blieb nur eine Option: „In Ruhe daheim, ohne abgelenkt zu werden“, habe er das Drama erlebt, bis der Aufstieg endlich feststand. „Das war ein typischer Sechziger-Krimi“, sagt Grasl, der nach 90 Minuten Genugtuung empfand. „Das tut der Löwenseele gut“, sagt er. „Wir sind ja oft genug aufgezogen worden in der Vergangenheit.“ Dennoch hielt sich die Feierwut in Grenzen. „Ein Glasl Wein mit Freunden, die nach dem Spiel vorbeigewalkt sind“, habe er sich gegönnt. Mehr war nicht drin: Am Montag musste der Bürgermeister nach einem Kurzurlaub wieder ins Rathaus.

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Mit Löwenseele: Münsings Bürgermeister Michael Grasl.

Am italienischen Strand von Lignano an der Adria erlebte Martin Bachhuber, CSU-Landtagsabgeordneter aus Bad Heilbrunn, die Wiederauferstehung seiner Löwen. „Bei jedem Tor war ich mit meinem Sohn verbunden. Wir haben sieben oder acht Mal während des Spiels telefoniert. Er hat sogar die wichtigen Szenen mit dem Handy am Fernseher gefilmt und mir geschickt“, berichtet Bachhuber, der parallel einen Live-Ticker verfolgte: „Du sitzt da und starrst die ganze Zeit in dein blödes Handy“, fasst er die Strand-Situation zusammen. Bachhuber war ganz froh, dass er nicht TV schauen konnte: „Da hätte ich wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen.“

Einer ordentlichen Zerreißprobe ausgesetzt war Peter „Pele“ Kunzmann (64): Seine DJK Waldram kämpfte in Ohlstadt um den Relegationsplatz für den Aufstieg in die Bezirksliga, während seine heiß geliebten Löwen in Giesing um die 3. Liga spielten. Die Sechziger bekamen den Zuschlag. „Ich bin daheim geblieben und hab mir das Spiel im Fernsehen angeschaut“, gesteht der langjährige Waldramer Fußball-Chef. Zeitgleich liefen auf dem Handy die Zwischenergebnisse aus Ohlstadt ein. „Da ist die Euphorie schnell wieder gesunken“, sagt Kunzmann. Die Kunde von der Waldramer 1:4-Niederlage hatte die Freude über das 2:2 seiner Löwen schnell aufgezehrt. „Ich brauche noch ein, zwei Tage, bis die Enttäuschung ganz durchgesackt ist, aber dann werde ich schon mal in einer Löwenrunde ‘ne Halbe auf den Aufstieg trinken.“

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Ein Weißbier gönnte sich Franz Gams nach den „unendlich langen fünf Minuten Nachspielzeit“. Der Lenggrieser Rentner, Löwen-Mitglied seit der Deutschen Meisterschaft 1966, saß fiebernd bei einem Freund auf dem Sofa. Aber nicht im Trikot: „Aus dem Alter sind wir raus“, sagt er. Kindliche Freude bereitet Gams offenbar aber der Neun-Meter-Mast im eigenen Garten: „Als ich wieder daheim war, habe ich sofort die bayerische Flagge eingeholt und die Löwen-Fahne gehisst.“

Wie der Heilbrunner Politiker Bachhuber verfolgte auch der Geretsrieder Polizist Robert Kremer per Live-Ticker, wie die Bierofka-Truppe den Aufstieg sicherstellte. Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Kremer leidenschaftlicher Sechzig-Fan. „Ich leide seit 43 Jahren“, sagt er. „Ganz gemütlich mit meiner Frau auf der Terrasse“ saß er nun am Sonntag und las bei Merkur.de mit. „Aber in der Nachbarschaft war’s ziemlich laut, da hat man den Spielstand auch so immer gewusst. Das war nicht zu überhören.“ Sehr zufrieden, habe er den Aufstieg zur Kenntnis genommen. Und sehr gelassen: „Mir war klar, dass die aufsteigen“, sagt der 53-Jährige. Dann lässt er lachend den Blick in die Ferne schweifen: „Die Herkulesaufgaben kommen ja jetzt erst: Aufstieg in die zweite Liga, dann Direktaufstieg in die erste Liga. Den FC Bayern schlagen, Deutscher Meister werden und die Champions League gewinnen. Einfach schön.“

Tobias Gmach und Rudi Stallein

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