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„Vor lauter Blechlawine sieht man keine Fassaden mehr“, sagt der designierte Tölzer Stadtbaumeister Florian Ernst über den Gries. Das soll sich mit der Umgestaltung der historischen Handwerker- und Flößersiedlung ändern.

Stadt beim Thema Parkplätze „in der Pflicht“

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Der Tölzer Stadtteil Gries erhält eine Rundumerneuerung. Vorherrschendes Thema: Die vielen Autos sollen weichen. Doch - wohin damit?

Bad Tölz – Der historische Tölzer Stadtteil Gries – entstanden ab dem 12. und 13. Jahrhundert als Handwerker- und Flößersiedlung – soll neu gestaltet werden. Im Tölzer Bauausschuss wurde die Vorplanung, die das Büro „Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten“ kürzlich den Bürgern vorgestellt hatte, einstimmig abgesegnet. Nur um die Frage der Parkplätze kamen in der Sitzung am Dienstag Diskussionen auf.

Wie berichtet ist ein zentrales Element der Planung, dass ein Teil der Autos aus dem verwinkelten Viertel hinaus soll. „Vor lauter Blechlawine sieht man keine Fassaden mehr“, sagte der designierte Stadtbaumeister Florian Ernst. Auch die Sicht auf das Alleinstellungsmerkmal, die historischen Brunnen, sei versperrt. Deswegen sieht das aktuelle Konzept vor, dass in dem Gebiet, in dem aktuell zirka 115 Autos parken, künftig nur noch 70 Stellplätze markiert werden, und zwar mit großen Nägeln im Boden.

Doch wo sonst sollen Anwohner ihre Fahrzeuge künftig abstellen? Schon bei den öffentlichen Veranstaltungen im Februar, bei denen die Vorplanung präsentiert wurde, kristallisierte sich das als ein Hauptdiskussionspunkt heraus. Wie Ernst erläuterte, waren danach auch schriftliche Rückmeldungen möglich. Derzeit werde alles beantwortet und demnächst auf der Homepage der Stadt im Internet veröffentlicht.

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2. Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) sagte, dass die Stadt „in der Pflicht“ sei, den Gries-Anliegern Ersatz-Angebote zu machen. Als Alternative gut geeignet sei der städtische Parkplatz bei den Stadtwerken, der mit einer Gebühr von 10 Cent pro Stunde äußerst günstig sei. „Langfristig ist auch der Bau eines Parkdecks an der Lenggrieser Straße denkbar.“

Ingo Mehner (CSU) plädierte dafür, „nicht nur zu hoffen und zu vertrauen, dass andere Stellplätze genügen werden“. Die Frage der Alternativen solle vielmehr von vornherein in die Planungen einbezogen werden. „Wir sollten nicht erst ausprobieren, ob es knirscht, und erst dann nachbessern.“ Unterstützung erhielt er vom Parteikollegen Josef Steigenberger. Er regte eine Art Versuchsphase an. „Wir könnten einen Monat die Parkplätze im Gries reduzieren. Dann sieht man, wo’s langgeht.“

Bauamtsleiter Christian Fürstberger dagegen schwebt vor, abzuwarten, wohin sich die Ströme der parkenden Autos verlegen, um „zeitnah zu reagieren“. Eine „Testphase“ werde sich automatisch während des ersten Bauabschnitts der Umsetzung ergeben, so Fürstberger. Ansonsten sei es „enorm aufwendig“, für einen Monat die gesamte Parkbeschilderung zu verändern. Wiedemann erinnerte daran, dass schon während der Sperrung des Jungmayrplatzes im vergangenen Jahr die Parkmöglichkeiten im Gries eingeschränkt waren. „Und es hat sich selbst reguliert.“

Als „wegweisendes Format“ bezeichnete René Mühlberger (CSU) die Form, die Anwohner in die Planung einzubeziehen. „Das ist eine gute Antwort auf den im Raum stehenden Vorwurf, Stadtrat und Verwaltung würden über die Köpfe der Bürger hinweg regieren.“ Ihn freute es auch, dass der Plan technische Vorrichtungen für die Abhaltung von Märkten im Gries vorsieht. „Es wird die Stunde kommen, dass Wochen- und Bauernmarkt an ihre alte Stätte zurückkehren.“

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Auch für Michael Lindmair (FWG) war der „Prozess genau richtig. Aber dann muss man auch damit rechnen, dass der Bürger seine Meinung sagt, und das respektieren.“ Er regte an, dass der geplante neue Bodenbelag für die Straßen bald auf einem Teilstück zur Anschauung umgesetzt wird. Wie berichtet soll es rund um die Häuser und Brunnen im Gries 90 Zentimeter breite Streifen von Gredplatten geben, auf denen Bänke oder Blumentröge stehen können. Die Bürgersteige werden abgeschafft (aktuell „mehr Hindernis als Hilfe“, so Wiedemann). Fußgänger sollen sich gleichberechtigt mit den Autos auf der Straße bewegen, die mit einem Belag in Kleinsteinpflasterung in verschiedenen Formaten und Farbnuancen gestaltet ist.

Margot Kirste merkte an: „Wenn ich eine Stadt besichtige, möchte ich das Original erleben und nicht eine Schönheitsmaske.“ Deswegen sei es wichtig, die Anwohner eng einzubinden. Ernst antwortete, dass der neue Belag anfangs tatsächlich „sehr clean“ aussehen werde. „Aber er wird schnell eine Patina bekommen.“ Die Umsetzung des Konzepts soll Ende 2020 beginnen und drei Jahre dauern.

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