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Ganz oben auf der Prioritätenliste: Die Kreuzung Hindenburg-, Wachterstraße und Nockhergasse. Statt der „Teerwüste“ soll ein Kreisverkehr kommen. 

Stadtrat 

„Endlich“ liegt das Verkehrskonzept vor

Bad Tölz – Wäre eine dritte Isarbrücke am Stausee sinnvoll? Eine spannende Frage, die im brandneuen Tölzer Verkehrsentwicklungsplan (VEP) aufgeworfen und verneint wird. „Endlich“, so die Kritik im Stadtrat, wurde der VEP vorgelegt.

Die 140 000 Euro sind „gut investiertes Geld“ für das über 300 Seiten starke Gutachten. Darin waren sich alle Räte einig. Dass man nach der ausführlichen Bürgerbeteiligung immer noch über ein Jahr warten musste, missfiel Franz Mayer (Grüne) indes ausdrücklich. Da sei er oft von beteiligten Bürgern angesprochen worden.

Das vollständige Gutachten wurde auch in der Stadtratssitzung nicht vorgelegt, sondern nur in Auszügen erläutert. „Da müssten wir uns ja 14 Tage einsperren“, um die 53 vorgeschlagenen Maßnahmen verschiedener Priorität zu diskutieren, sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Die Idee der Verwaltung ist, alle Projekte Schritt für Schritt in den Bauausschuss-Sitzungen zu beraten und „Punkt für Punkt abzuarbeiten“, so Fürstberger. Was wichtig sei, werde dann auch im Stadtrat behandelt. Eine baldige Veröffentlichung des Werks im Internet wünschte sich Margot Kirste (FWG).

Was also sind die wichtigsten sieben Verkehrsmaßnahmen, die von der Firma „Transver“ zusammen mit eifrigen Tölzer Bürgern und der Verkehrskommission ausgewählt wurden? Ganz oben steht der schon viele Jahre angedachte Umbau der Kreuzung Hindenburgstraße /Nockhergasse. Die „Teerwüste“ (Fürstberger) soll zusammen mit der nicht gerade fußgängerfreundlichen Ampelanlage beseitigt werden. Stattdessen soll ein Kreisverkehr gebaut werden.

Ganz oben auf der Agenda steht zudem ein Ausbau des Radwegenetzes. Auch hier hakte Franz Mayer nach. Das im VEP behandelte Thema Radweg in der Nockhergasse etwa sei schon 1991 von der SPD angestoßen worden. Einen Lösungsvorschlag suche man nun aber auch im neuen VEP vergeblich.

Auch die Nordspange gehört zum „Prio“-Paket. Das sei ein wenig verfrüht, fand Robert Paintinger (CSU), der bekennender Nordspangen-Gegner ist und dazu riet, erst einmal abzuwarten, ob die Bürgerinitiative bei der rechtlichen Überprüfung Erfolg hat. Dann seien viele von den VEP-Erkenntnissen vielleicht nur auf Sand gebaut. Er stimmte als einziger gegen die Umsetzung des VEP-Plans. Den Vorwurf wollte Christian Fürstberger so nicht stehen lassen. „Der Stadtrat wollte bewusst nicht warten, bis die Nordspange beschlossen ist, als er den VEP in Auftrag gab.“ Zum Beispiel deshalb, weil zu den vorrangigen VEP-Zielen auch ein Umbau des Nadelöhrs Moraltverteiler zählt. „Das muss vor der Umgehung gelöst sein“, gab Verkehrssachbearbeiter Alexander Schindler die Losung aus. Hintergrund: Was hilft die schönste Umgehungsstraße, wenn sich der Verkehr dann an der wichtigen Süd-Abfahrt staut? Die Lösung wäre vielleicht ein Kreisverkehr genau wie – Ziel Nummer 5 – am Max-Höfler-Platz.

Für wichtig halten die Verkehrsexperten auch ein Fahrgastinformationssystem, um zum Beispiel die Busnutzung zu verbessern. Elektronische Tafeln sollen dann am Bahnhof anzeigen, wann der nächste Bus wohin fährt, erläuterte Schindler.

„Transver“-Prokurist Ulrich Glöckl sprach kurz einige spannende Zahlen zu Verkehrsprognosen und Nutzerverhalten an. Im Jahr 2030 werden demnach nicht nur rund 30 000, sondern über 34 000 Fahrzeuge über die B 472 rollen. „Das ist großstädtisches Niveau.“

Käme am Stausee eine dritte Isarbrücke, so ein Gedankenmodell im VEP, würde diese von 12 000 Fahrzeugen täglich genutzt und die Innenstadt um 3000 Autos entlastet. Auf der Umgehung würden aber nur 2700 Autos weniger fahren. Dafür würden wohl die Jahnstraße und die Benediktbeurer Straße erheblich belastet. Die dritte Brücke bringt, so das Gutachten, keinen entscheidenden Mehrwert.

Auch interessant: Nur 5 Prozent der Verkehrsteilnehmer nutzen in Tölz den Bus, 45 Prozent sind Fahrer und 12 Mitfahrer. 8 Prozent nutzen das Rad und stattliche 30 sind Fußgänger. Letzteres sei laut Glöckl ein Topwert und ein „Pfund“, mit dem es zu wuchern gelte.

Konsequenz ist Maßnahme Nummer 7: Der Fußgängerverkehr soll optimiert werden. Die Stadt denkt da an ein Wegeleitsystem.

Christoph Schnitzer

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