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Auf der Flinthöhe gibt es bereits ein großes Hackschnitzel-Heizkraftwerk.

Nach der Stadtratsklausur 

Kogel-Heizwerk kommt auf den Prüfstand

Ganz im Zeichen der Energiewende stand die Stadtratsklausur der Tölzer Stadträte am Freitag und Samstag. Fazit: Die Stadt will unbedingt ein weiteres Heizkraftwerk. Der umstrittene Standort Kogel kommt aber nochmals auf den Prüfstand.

Bad Tölz – In der Tölzer Bürgerversammlung am 21. März war das Thema ausführlich diskutiert worden. Soll am Fuß des Kogels zwischen den Baudenkmälern Rosenhof und Haus Hanfstängl wirklich ein Heizwerk mit der Grundfläche 50 mal 80 Meter in den Hang hineingebaut werden? Der Kamin wäre 23 Meter hoch. Technisch wäre das die beste Lösung, sagen die Stadtwerke und fordern, mit der Energiewende endlich ernst zu machen. Letzteres unterstützt auch Bürgermeister Josef Janker vorbehaltslos und wundert sich über Unterschriftenlisten von Tölzer Bürgern, die Sorge haben, dass mit einem Heizkraftwerk das Tölzer Heilklima in Gefahr gerät. Mit Hackschnitzeln aus der Region betriebene Heizkraftwerke besäßen extrem gute Filteranlagen und seien im Ergebnis viel sauberer als die meisten privaten Feuerstätten.

Es gibt ein wichtiges Aber. Der Stadtrat hatte auf der Fahrt zu seiner Klausur in Nesselwang auch die österreichischen Heizwerk-Standorte Lermoos und Grän besichtigt. Bürgermeister Janker berichtete gestern, dass es etwa in Lermoos im Vorfeld erbitterte Debatten wegen des Standorts gegeben habe. Sowohl in Lermoos als auch in Grän seien die Werke schließlich etwas außerhalb errichtet worden. Janker: „Das haben wir gelernt, dass man einen Standort nicht nur nach technischen Gesichtspunkten priorisieren darf.“ Und: „Man muss die Menschen überzeugen.“

Fazit für Janker: Man werde das Thema Heizwerk und die möglichen Standorte nochmals öffentlich diskutieren. Dabei würden auch Gesichtspunkte wie städtebauliches Umfeld – das hatte das Bauamt in der Bürgerversammlung angesprochen –, verkehrliche Anbindung und Nachbarakzeptanz miteinfließen und abgewogen. Eine Entscheidung „muss dann aber der Stadtrat fällen“.

An der kommunalen Energie- beziehungsweise Wärmegewinnung durch Holz-Heizwerke ließ Janker keinen Zweifel. Bei der Stadtratsklausur referierten auch Vertreter der „Energiewende Oberland“, die den Räten das Projekt Energienutzungsplan vorstellten. Dabei werden Potenziale und Handlungsfelder aufgezeigt und zwar „scharf auf die Kommune begrenzt“, wie es Janker formulierte. Externe Beteiligungen an Windkraft- oder oder Wasserkraftanlagen zählen also ausdrücklich nicht. Bad Tölz hat demnach bei der Photovoltaik und Wärme noch allerhand Luft nach oben, sagen die Experten.

Die Stadt will nun prüfen, ob etwa auf der Jugendherberge oder auf der Kläranlage weitere PV-Anlagen errichtet werden. Auch Privathaushalte sollen mehr dazu animiert werden, auf die Kraft der Sonne zu setzen und sich über Speichermöglichkeiten von Strom (Stichwort „Power to heat“) zu informieren. Auch sollen sich die Stadtwerke laut Janker Gedanken machen, wie Energie für das Nahwärmenetz genutzt werden kann. Es sei absurd, so Janker, „dass wir derzeit den überschüssigen Strom gegen Geld nach Österreich abgeben müssen“.

Die Stadt denkt auch daran, unabhängige Energiechecks von Privathäusern in den Stadtvierteln zu organisieren und dies auch zu bezuschussen. Janker nennt die Stichwörter Fenster, Vollwärmschutz und Solar.

Was die Wärme betrifft, gibt es nicht nur das angedachte Heizwerk im Badeteil, sondern es liegt auch der Vorschlag auf dem Tisch, das Schulzentrum Jahnstraße, die Dreifachturnhalle und Stadtbücherei an das Biomasse-Heizkraftwerk der Realschule anzuschließen.

Weiteren Schwerpunkte bei der Klausur war das Thema Wohnen. Anfang Mai werden bei einer öffentlichen Präsentation die Ergebnisse des Arbeitskreises Wohnen und die städtischen Handlungsinstrumente erörtert. Janker stellt klar: „Es geht um bezahlbaren Wohnraum, nicht Wohneigentum.“

Noch ein Klausurschwerpunkt: Der bisher nur beratende Kur- und Tourismusausschuss wird zum beschließenden Ausschuss aufgewertet und sich künftig auch mit Wirtschaftsthemen wie Breitband, Märkte, Blombergentwicklung und Unternehmerverein beschäftigen.

Von Christoph Schnitzer

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