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Städtepartnerschaft Vichy-Tölz: Es lebe die Freundschaft

Bad Tölz - Seit 50 Jahren ist Bad Tölz mit den französischen Vichy in Freundschaft verbunden. Das wurde jetzt gefeiert.

Von Liebe auf den ersten Blick konnte man nicht sprechen, als Bernard Kajdan Mitte der 60er-Jahre mit einer Schülergruppe das erste Mal Bad Tölz besuchte. Ganz im Gegenteil. Noch heute erinnert sich der Franzose an den Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Gregor Schöttl, ein knorriger Ur-Bayer wie aus dem Bilderbuch: „Mit seiner Art hat er uns so erschrocken, dass wir nie mehr zurückkommen wollten“, sagt Kajdan lachend. „Wir waren damals lauter so dünne Büblein, gerade mal 13 Jahre alt.“

Kajdan kam dann aber doch immer wieder zurück nach Bad Tölz, wurde stellvertretender Bürgermeister von Vichy und war am Samstag einer der Hauptredner bei der Jubiläumsfeier zur 50-jährigen Städtepartnerschaft.

Die Veranstaltung stand unter keinen guten Vorzeichen. Zwei Tage zuvor hatte sich der Anschlag in Nizza ereignet. Die Organisatoren beschlossen deshalb, auf den Tanz am Ende der Feier zu verzichten. In den Festansprachen ging es naturgemäß auch um den Anschlag. „Mord hat noch nie die Welt verbessert“, sagte Martin Englert, Vorsitzender des Partnerschafts-Vereins. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass solche Monster ihre Ziele erreichen.“ Bürgermeister Josef Janker sprach ebenfalls sein Mitgefühl aus: „Wir gedenken der unschuldigen Opfern dieser wahnsinnigen, unmenschlichen Barbarei.“

In den vergangenen Tagen habe er viel Anteilnahme durch die deutschen Freunde erfahren, sagte Bernard Kajdan in seiner Rede. „Das tut gut. Der Terrorakt wird nicht verhindern, dass wir so leben, wie wir wollen.“

Fortan drehte sich aber alles um die Städte-Partnerschaft. Angestoßen wurde sie durch Ernst Schweinberger, Deutsch-Lehrer am Tölzer Gymnasium und einen befreundeten Kollegen aus Vichy. Schon 1966 gab es ein gemeinsames Zeltlager an der Isar mit Schülern aus Tölz und Vichy: „Am Anfang war der Austausch noch wackelig“, erinnert sich Kajdan. Doch dann habe sich die Beziehung gefestigt. Es gab Skilager, Bürgerfahrten und einen Sport-Austausch: „Mehr als in anderen Städten.“ Geblieben sind bei Kajdan vielfältige Erinnerungen. Beispielsweise an das Kloster Benediktbeuern, wo er als 13-Jähriger einquartiert war: „Da gab es kein warmes Wasser.“ Der Franzose kann heute noch den markanten Ruf nachahmen, mit dem Schwester Anna einst die Schüler zum Essen zusammengetrommelt hat. Vielleicht auch wegen der Austauschfahrten entdeckte Kajdan seine Liebe zu Deutschland, studierte hier und lernte die Sprache. Allerdings nicht in der Schule: „Ich habe im Deutsch-Unterricht viel gelernt, aber nichts, was man im Leben braucht.“ Dort habe sich viel um mittelalterliche Lyrik gedreht.

Und wie sieht die Zukunft der Städte-Partnerschaft aus? Dass die Gymnasien in Bad Tölz und Vichy keinen Schüler-Austausch mehr betreiben, erachtet er nicht als großes Problem. Dann müssten eben andere in die Bresche springen. Beispielsweise die Sportler: „Triathlon ist bei uns zum Beispiel sehr groß geworden.“ Von jungen Leuten werde er hin und wieder gefragt, warum der Austausch in Zeiten von Internet und Skype überhaupt noch notwendig sei. „Ich sage dann: Das Gefühl Freunde zu treffen, wird das Internet nie ersetzen können.“ Ähnlich sieht es Englert. Auch ihm kommt immer wieder zu Ohren, dass Schüler den Austausch nicht mehr für notwendig erachten. „Dies sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Englert. „Auf der einen Seite ist das gegenseitige Kennenlernen so wichtig. Auf der anderen Seite hat der Élysée-Vertrag von 1963 seinen Sinn erfüllt.“ Aus Feinden seien längst Freunde geworden.  Patrick Staar

50 Jahre Partnerschaft Bad Tölz-Vichy

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