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Martin Englert (re.) begrüßt als Vorsitzender des Partnerschaftsvereins die Gäste des Neujahrsempfangs.

Neujahrsempfang

Städtepartnerschaftsverein: Das Gegenbild zu Trump

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Auch wenn er mit Tölz wohl nichts am Hut hat: Der neue amerikanische Präsident sorgte für Schwerpunkte in den Reden beim Neujahrsempfang des Städtepartnerschaftsvereins Bad Tölz.

Bad Tölz – „Donald Trump ist zwar noch in der politischen Pubertätsphase“, sagte Martin Englert. Aber der Vorsitzende des „Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Bad Tölz – Vichy San Giuliano Terme“ ist besorgt nach „haarsträubenden Äußerungen“ des Neuen im Weißen Haus. Umso mehr müsse sich der Verein auf seine Kernaufgabe besinnen. „Partnerschaften müssen gepflegt werden.“ Der derzeitige Frieden sei kein Selbstläufer, sagte Englert. „Der Elysée-Vertrag wurde zwar zum Erfolgsmodell der deutsch-französischen Aussöhnung – aber er ist keine Lebensversicherung.“

Englert rief die Mitglieder und Gäste auf, für die Anliegen des Vereins zu werben. „Unsere Fahrten zu den Partnerstädten sind für alle offen.“ Nach dem im vergangenen Jahr groß gefeierten Jubiläum der 50-jährigen Partnerschaft mit Vichy konzentriere man sich heuer auf San Giuliano. Die Kurstadt in der Toskana ist Anfang Juni Ziel einer Bürgerfahrt.

„Der Partnerschaftsverein leistet Basisarbeit für den europäischen Gedanken, weil er Menschen über die Grenzen hinweg zusammenbringt“, sagte Christof Botzenhart. Der Dritte Bürgermeister von Bad Tölz würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Partnerschaftsvereins. „Nur wer sich das Fremde vertraut macht, ist gefeit gegen Fremdenhass“, sagte er. Denn bezeichnenderweise sei der Fremdenhass dort am intensivsten, wo am wenigsten Fremde leben. In Europa vollzieht sich laut Botzenhart „ein Wandel der politischen Atmosphäre, der uns den Atem stocken lässt“. Viele Länder erlebten derzeit „ein Wiederaufleben des Nationalismus, der zwangsläufig einhergeht mit Absatzbewegungen vom europäischen Gedanken“. Hoffnungsvoll stimmt Botzenhart die Tatsache, dass die Populisten „zwar stets mit Inbrunst behaupten, sie würden den wahren Willen des Volkses vertreten – aber in keinem Land haben sie bisher die absolute Mehrheit errungen“.

Der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) berichtete in seinem Grußwort von einem persönlichen Verdun-Besuch im vergangenen Jahr. Auf den dortigen Schlachtfeldern sei die Jugend zweier Völker „auf das Grausamste geopfert und geschlachtet worden“. Wer sich dessen bewusst sei, der verstehe den Ansatz des Elysée-Vertrags: Europäer sollen nie wieder gegeneinander kämpfen. Um diese Werte hochzuhalten, sei die Arbeit eines Partnerschaftsvereins „fundamental wichtig“. Mit Blick nach Amerika sagte Streibl: „Wir Deutschen wissen, dass Mauern trennen und nicht verbinden.“

In seiner Festrede ging auch Landrat Josef Niedermaier auf die Veränderungen in Amerika ein. Er machte dabei deutlich, dass die egoistische Haltung „Unser Land zuerst“ sich auch bei uns ausbreite. Die Bereitschaft, die Weiterentwicklung der eigenen Heimat anzunehmen, sei verloren gegangen. Niedermaier belegte dies am Beispiel der seit Jahrzehnten diskutierten S 7-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried. Gerade in diesen Tagen höre er immer häufiger: Ja, das wollen wir, aber bitte nicht vor unserer Haustüre. Niedermaiers Forderung: „Wir müssen wieder lernen, demokratische Entscheidungen zu akzeptieren.“ Die Mehrheit der Amerikaner habe sich für den jetzigen Präsidenten entschieden. „Wenn wir verlangen, der muss wieder weg – dann ist das kein demokratischer Gedanke.“

Viel Beifall gab’s für das Musikschul-Trio „Pfiffige Soatn“. Rita Reiter, Vroni Bauer und Johanna Mürnseer umrahmten den Empfang im Kleinen Kursaal mit Volksmusik-Klängen.

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