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Michael Eimansberger hielt als Ritter Winzere r III. die Fastenpredigt beim Bockbieranstich im „Binderbräu“.

Viel Stammwürze, aber nur im Starkbier

Beim Bockbieranstich mit der Bayernpartei im Tölzer „Binderbräu“ verzettelt sich der Fastenprediger.

Bad Tölz Starkes Bier und starke Sprüche gehören in der Fastenzeit zusammen, was aber nicht heißt, dass beides einfach zu haben ist. Fürs besonders würzige Bier sorgten am Freitagabend beim „Binderbräu“ in Bad Tölz der Braumeister und seine Helfer. Allerdings erwies sich Hubert Dorn, Generalsekretär der Bayernpartei (BP), nicht als versierter Anzapfer und ruinierte gleich das erste Fass Dunklen Bock mit dem Schlegel derart, dass Ersatz aus dem Keller gebracht werden musste.

Der in der im hauseigenen Sudhaus gebraute Gerstensaft macht nicht nur optisch viel her, sondern mundete auch den vielen Gästen, die Wirt Andreas Binder zum erstmaligen Bockbieranstich mit der Bayernpartei begrüßte. „Leider musste ich der Hälfte der Interessenten absagen“, bedauerte er. „Die Räumlichkeiten sind nicht groß genug.“ Und das, obwohl der Bieranstich und die Reden sogar auf einer Videoleinwand ins Nebenzimmer übertragen wurden.

Trotz dieser beengten Verhältnisse fühlte sich Hubert Dorn offenbar wie im Bierzelt und zog in entsprechender Lautstärke und mit derben und herben Sprüchen vom Leder. Er machte klar, dass der, „der Bayern wählen will“, wegen der Unterstützung von Kanzlerin Merkel nicht bei der CSU landen dürfe, dass die SPD ein „abgestandener Senftopf“ sei und Bayerns Interessen in Berlin keinesfalls von Seehofer oder Söder vertreten würden. Bayern müsse vielmehr durch Dialekt und Lederhose und im Deutschunterricht mit Texten von Ludwig Thoma „anstelle eines Kommunisten wie Bert Brecht“ repräsentiert werden.

Der für einen Abend von seinem Podest in der Marktstraße herabgestiegene Goldene Ritter und Landrichter zu Tölz Kaspar Winzerer III. alias Michael Eimansberger hatte es angesichts dieses verbalen Rundumschlags nicht leicht, die Aufmerksamkeit des schon leicht ermüdeten Publikums zu fesseln. Zudem trugen die eher mühsam gereimten Verse und das monotone Ablesen der Fastenpredigt nicht dazu bei, die Stimmung anzuheizen. Auch thematisch verzettelte sich der Tölzer Ritter, indem er alles ansprach, was derzeit zwischen Icking und Kochel aktuell ist. Weniger wäre hier mehr gewesen, und ein bisschen schärfer hätte das Ganze auch formuliert werden dürfen. Da ist für die Zukunft sicher noch Luft nach oben.

Höhenluft hatte zuvor der BP-Kreisvorsitzende, Franz Nguyen aus Bad Heilbrunn, gewittert. Immerhin begrüßte er am Abend gleich noch einige neue Mitglieder. Ob „Bayern first“ oder „16,5 Prozent Stammwürze und 6,5 Prozent Alkohol“ – jeder konnte im zweistündigen Programm seine persönlichen Präferenzen finden. 

Karl Bock

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