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Faszination Feuerwehr: Wie groß das Interesse an der Arbeit der Ehrenamtlichen ist, zeigte sich vergangenes Wochenende beim Tag der offenen Tür in Bad Tölz. In der aktuell laufenden Brandschutzwoche kann man auch bei mehreren Großübungen zuschauen.

Ein brandheißes Ehrenamt

Starke Gemeinschaft: Feuerwehren haben so viele Mitglieder wie seit zehn Jahren nicht

„Es ist schön, zusammen mit seinen Kameraden etwas Gutes zu tun“, sagt Kreisbrandrat Alfred Schmeide. Und so denken wohl viele andere: Die Feuerwehren haben so viele Mitglieder wie seit zehn Jahren nicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf ihre wichtige ehrenamtliche Arbeit macht die Feuerwehr noch bis 28. September mit der Brandschutzwoche aufmerksam. Es gibt große Übungen, bei denen alle Interessierten zuschauen können. Kreisbrandrat Alfred Schmeide erklärt im Kurier-Interview, warum die Feuerwehren im Landkreis so viele Mitglieder haben wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Herr Schmeide, welches Thema steht heuer im Mittelpunkt der Brandschutzwoche?

Dieses Jahr läuft die Aktion unter dem Motto „Wir sind Ehrenamt – Wir sind Freiwillige Feuerwehr“, was aber mehr für das ganze Jahr als nur für eine Woche gilt. Wir haben vier Großeinsatzübungen im Landkreis. Durch die Übungen soll zum einen die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Feuerwehren sowie zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst beziehungsweise Bergwacht gestärkt werden. Zum anderen ist es für die Bevölkerung eine Möglichkeit, hautnah unsere Arbeit mitzuerleben.

Funktioniert diese Zusammenarbeit denn auch im Alltag?

Bei uns läuft die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Feuerwehren, die oft zusammen arbeiten, sehr gut. Auch zusammen mit Rettungsdienst und Polizei läuft alles nach Plan. Über die Leitstelle im Oberland werden die Notrufe zur zuständigen Feuerwehr geleitet. Auch bei den Übungen wird immer die für denjenigen Bereich zuständige Feuerwehr gerufen, damit im Ernstfall alles klappt.

Die Feuerwehr leistet viel mehr als „nur“ Brände zu löschen. Wie weit erstreckt sich eigentlich das Aufgabengebiet?

Da reden wir von einer sehr großen Bandbreite. Nach Unwettern räumen wir zum Beispiel Bäume von der Straße, schaufeln Schnee von Dächern oder pumpen überschwemmte Keller leer. Zudem brechen wir Wohnungen auf, in denen jemand eingeschlossen ist, befreien eingeklemmte Menschen aus Unfallautos und suchen nach Vermissten. Bei vielen Verkehrsunfällen sind wir vor Ort, es kommt auch vor, dass wir Leichen bergen müssen. Immer häufiger haben wir Fälle mit privaten Rauchmeldern und größeren Brandmeldeanlagen, die oft ohne Feuer ausgelöst werden. Letztes Jahr hatten wir insgesamt 2221 Einsätze, 514 davon waren Brandeinsätze.

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Gibt es noch viel Andrang von der Jugend?

Auf jeden Fall. Momentan sind 265 unserer 3412 Feuerwehrleute unter 18. Ab zwölf Jahren kann man laut Gesetz mitmachen. Wer sich interessiert, sollte aber bei der Feuerwehr vor Ort nachfragen, da viele erst ab 14 oder 15 aufnehmen. Aber nicht nur die jungen, sondern auch ältere oder körperlich schwache Menschen sind bei uns sehr willkommen. Für jeden finden wir eine wertvolle Aufgabe, mit der er sich in die Gemeinschaft einbringen kann.

Alfred Schmeide, Kreisbrandrat.

Wächst also die Mitgliederzahl?

Ja, derzeit haben wir den Höchststand der vergangenen zehn Jahre. Das liegt auch daran, dass die Freiwillige Feuerwehr viel mehr ist als eine Hilfsorganisation. In vielen Dörfern und Ortsteilen ist sie der einzige Verein. Mit ihm können sich viele identifizieren, und es entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl, das durch Feste und Veranstaltungen noch gestärkt wird.

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Gibt es auch viele unnötige Alarmierungen, bei denen sich ein Einsatz nicht gelohnt hat?

Normalerweise werden wir selten unnötig alarmiert. Dennoch merkt man deutlich, dass in der Zeit des Smartphones die Hemmschwelle der Leute, die 112 zu wählen, deutlich geringer geworden ist. Zum Beispiel werden wir des Öfteren gerufen, um etwas von der Straße zu räumen, was leicht vom Anrufer selbst erledigt werden könnte.

Was ist für Sie der Grund, bei der Feuerwehr zu sein?

Für mich ist es sehr wichtig, dass man sich ehrenamtlich in der Gemeinschaft einbringt. Für viele Dörfer wäre es unbezahlbar, alle Feuerwehrleute einzustellen. Ich finde, es ist die Pflicht eines jeden Bürgers, Hilfe zu leisten und etwas zum Wohle seiner Gemeinde zu tun. Außerdem ist es schön, zusammen mit seinen Kameraden etwas Gutes zu tun.

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Öffentliche Übungen

im Rahmen der Brandschutzwoche gibt es am Donnerstag, 27. September, um 19 Uhr in Arzbach und am Freitag, 28. September, in Egling.

Von Theresa Pfund

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