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Symbolbild

Statt von Gras lieber von Kröten gesprochen

München/Bad Tölz - Der Prozess gegen drei Tölzer in München geht weiter. Am zweiten Verhandlungstag erklärt die Freundin des Opfers, wie es zu den Falschangaben bei der Anzeige kam.

Ein ziemliches Hin und Her erlebten Prozessbeteiligte, Richter und Zuhörer gestern am Landgericht München II, wo drei junge Männer wegen schweren Raubs vor Gericht stehen (wir berichteten). Die erste Zeugin des zweiten Verhandlungstages begann ihre Aussage mit dem Geständnis, dass sie bei der Polizei die Unwahrheit gesagt habe. Natascha F. war damals die Freundin von Viktor A. (alle Namen geändert), den die Angeklagten nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit einem Baseballschläger, den Fäusten und einer Bierflasche traktiert haben.

Sie ist die einzige Zeugin der Prügelei, die nicht aktiv mitgemischt hat. Sie habe während des Vorfalls in der Wohnung ihres damaligen Freunds in Bad Tölz im Bett gelegen. „Ich war im Halbschlaf, es hat geklingelt, und die drei Herren standen im Zimmer“, schilderte die junge Frau. Ihr Ex-Freund habe einen Beutel mit Marihuana unter dem Bett hervorgeholt, weil ein Joint gebaut werden sollte. Plötzlich habe einer der Besucher ihrem Ex-Freund den Beutel aus der Hand gerissen, diesen einem anderen zugeworfen und sei aus dem Zimmer gerannt. „Dann gab es ein Gerangel. Wer wen wie geschlagen hat, kann ich nicht mehr sagen, aber die Schläge habe ich gesehen.“ Anschließend seien die Angeklagten und ihr Ex-Freund aus dem Zimmer gerannt.

Irgendwann kam Viktor A. ziemlich lädiert wieder zurück. Er hatte Schürfwunden und Kratzer – unter anderem am Kopf. Dann hätten sie beratschlagt, ob sie die Polizei einschalten, und sich dagegen entschieden. „Weil die haben kein Geld, sondern Gras weggenommen, und das ist ein illegaler Besitz, der gar nicht weggenommen werden kann“, meinte die Zeugin.

Am nächsten Tag seien sie dann aber doch zunächst ins Krankenhaus, dann zur Polizei gegangen, um den Überfall anzuzeigen. Weil sie das Marihuana nicht erwähnen wollten, hätten sie in ihrer Aussage das Gras durch Bargeld ersetzt. 1500 Euro seien dem Ex-Freund gestohlen worden, so lautete damals die Anzeige bei der Polizei.

„Ich bereue, was ich damals gesagt habe“, so Natascha F. vor Gericht. Doch das blieb nicht die einzige Aussage, die sie im Nachhinein zurücknehmen musste: Die Vorsitzende Richterin und die Verteidiger wollten ganz genau wissen, ob der Beutel mit dem Rauschgift tatsächlich entrissen oder doch freiwillig übergeben worden sei. Irgendwann besann sich die junge Frau: „Ob der Beutel weggerissen wurde, daran erinnere ich mich nicht mehr genau“, sagte sie und durfte den Zeugenstand kurz darauf verlassen.

Anschließend sagten noch zwei Freundinnen der Angeklagten aus, die die Geschehnisse in der Nacht auf den 13. September am Rande mitbekommen hatten. Am Freitag soll das Urteil fallen.

Kathrin Hauser

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