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Begeisterter „Auto-Teiler“: Franz Mettal ist Zweiter Vorsitzender des Vereins „Stattauto Isarwinkel“ und freute sich jetzt über den Beitritt des 50. Mitglieds. Vier Autos hat der Carsharing-Verein im Angebot.  

„Stattauto Isarwinkel“ wächst

Geteiltes Auto ist doppelte Freud’

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Aus einem Auto wurden vier, aus 15 Mitgliedern 50. Der Verein „Stattauto Isarwinkel“, der Carsharing anbietet, ist in den letzten Jahren ordentlich gewachsen. Es könnten aber noch mehr Teilnehmer sein.

Bad TölzZuletzt ging es mit den Mitgliederzahlen sprunghaft in die Höhe, sagt Franz Mettal, Zweiter Vorsitzender von „Stattauto Isarwinkel“. Dieser Verein bietet in Bad Tölz Carsharing an, was zu Deutsch „Auto teilen“ heißt. „Eine Weile sind wir bei 25 Mitgliedern stagniert – dann waren es auf einmal 50.“ Erst vor drei Jahren wurde das dritte Fahrzeug angeschafft, jetzt gibt es bereits vier. Im Jahr 2015 wurden 52 000 Kilometer gefahren, die Autos 7500 Stunden genutzt.

Viele Zweitautos überflüssig

Das Prinzip ist einfach. Der Verein Stattauto Isarwinkel“ stellt die Autos zur Verfügung und kümmert sich um Wartung und Pflege. Auch die Versicherung läuft über ihn. Die Mitglieder können im Internet buchen, wann sie die Fahrzeuge nutzen wollen. „Viele, die ein zweites Auto haben, bräuchten es eigentlich nicht“, sagt Mettal. Denn oft würden die Leute nur gelegentlich damit fahren, die restliche Zeit stehe es herum. „Der Carsharing-Bundesverband hat berechnet, dass pro 100 Teilnehmer am Carsharing bis zu 20 Autos eingespart werden können“, sagt Mettal. Das bedeute Platzeinsparung und weniger Verkehrsteilnehmer.

„Der Verein wurde vor etwa zwölf Jahren aus der Taufe gehoben, weil meine Frau und ich uns kein zweites Auto anschaffen wollten“, sagt Mettal. Das gleiche Ansinnen hatte Barbara Faschinger, die gemeinsam mit Gabriele Mettal schließlich „Stattauto Isarwinkel“ gründete. „Es hat sich dann Schritt für Schritt entwickelt“, sagt Franz Mettal. Seine Frau und Faschinger haben sich inzwischen aus der Vorstandschaft zurückgezogen.

„Verein kann gut überleben“

„50 ist jetzt keine Riesenmitgliedszahl. Aber der Verein kann ganz gut überleben“, sagt Mettal. Auch wenn er generell zufrieden ist mit der Resonanz, könnten noch mehr Menschen teilnehmen. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe.“ Es sei nicht vergleichbar mit einem Autoverleih. Es wird eine Kaution hinterlegt, und der Jahresbeitrag liegt bei 20 Euro. Ansonsten wird nur gezahlt, was gefahren wird. Die vier Fahrzeuge – drei Kleinwagen und ein Mittelklassewagen – stehen in der Nähe des Tölzer Bahnhofs, an der Stadtbücherei, bei den Stadtwerken und im Parkhaus an der Bockschützstraße. Die Autos sind allesamt geleast, werden nach drei Jahren ausgetauscht. Es gibt Paten, die sich um die Sauberkeit der Wagen kümmern.

Die meisten Mitglieder brauchen das Auto etwa zwei Stunden, einige bis zu einem halben Tag. „Es gibt aber auch Leute, die nutzen es als ihr Erstauto. Die buchen dann beispielsweise für mehrere Wochen, wenn sie in den Urlaub fahren“, sagt Mettal.

Kaum Familien Mitglied

Die Klientel ist gemischt. Der Großteil komme aus Tölz, ein paar aus Lenggries. Jüngere seien kaum dabei, sagt Mettal. „Wir haben eine breite Mittelschicht und einen kleinen Anteil an älteren Menschen jenseits der 60.“ Familien nutzen das Angebot noch kaum, dabei gebe es sogar einen Kindersitz. „Die Hauptmotivation für die Leute ist das ökologische Bewusstsein“, sagt der 63-Jährige.

Zu Problemen – beispielsweise, dass jemand nicht zum vereinbarten Zeitpunkt das Auto wieder abgestellt hat – kommen es kaum. „Wir rufen die Leute immer dazu auf, gegenseitig Handynummern auszutauschen“, sagt Mettal. So könne man im Falle des Falles Kontakt aufnehmen.

Pläne zu expandieren hat der Verein nicht. „Wir wollen unseren Standort festigen und vielleicht in Lenggries ein paar mehr Mitglieder gewinnen“, sagt Mettal. Dann könnte er sich vorstellen, dass im Brauneckdorf ein eigenes Auto positioniert wird.

Mettal weist auf einen weiteren Vorteil von „Stattauto“ hin. Mitglieder könnten auch in anderen Orten, in denen es Carsharing gibt, Autos ausleihen. Denn es gibt einen deutschlandweit übergeordneten Verband. „Wir hatten schon Urlauber aus Hamburg, die hier ein Auto buchen konnten.“ Es müsse nur die Mitgliedschaft nachgewiesen werden.

„Stattauto Isarwinkel“

Wer sich für Carsharing interessiert, kann sich bei Jörg Fallheier unter Telefon 01 79/5 30 55 68 melden. Infos zum Verein gibt es im Internet auf www.stattauto- isarwinkel.de. Mitglieder müssen alle sechs Monate nachweisen, einen gültigen Führerschein zu besitzen.

mel

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