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Behindertenbeauftragter Ralph Seifert (li.) erläuterte den Teilnehmern im Landratsamt, wo Barrierefreiheit im Landkreis schon Fortschritte macht, und wo es noch hapert.

Symposium im Landratsamt

Steiler Weg zur Barrierefreiheit

Bad Tölz – „Da kimmst ned hoch!“: Manchen Teilnehmer des Symposiums „Oberland für alle – Barrierefreiheit im öffentlichen Raum “ brachte die Erfahrung, was Barrierefreiheit wirklich bedeutet, ordentlich ins Schwitzen.

Auf zum Teil zu steilen Rampen konnten sich Interessierte selbst in die Lage einer gehbehinderten Person versetzen und deren alltägliche Hürden am eigenen Leib erfahren.

Die Übung hatte einen ernsten Hintergrund – wie der Blick in den gegenüberliegenden Sitzungssaal des Landratsamts verdeutlichte: „Auch hier ist die Rampe zu steil“, informierte Moderator Stefan Kitzmüller die Zuhörer, ergänzte aber gleich: „Der Umbau wird jedoch bald in Angriff genommen.“

Das Symposium war der Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Barrierefreiheit in der Kommune“, organisiert von den Behindertenbeauftragten der Kreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Weilheim-Schongau. Der Nachmittag im Tölzer Landratsamt umfasste eine Reihe von Fachvorträgen, besagten Praxistest und eine Podiumsdiskussion. Unter den Teilnehmern waren Entscheidungsträger aus Kommunen und Bauämtern, Architekten, Stadtplaner, Handwerker und Betroffene.

„Mittlerweile wird jeder öffentliche Bauauftrag auf Barrierefreiheit überprüft“, berichtete Ralph Seifert, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. An Beispielen zeigte Seifert auf, wie vergleichsweise kleine Maßnahmen große Erleichterung schaffen können. So nannte er eine neue Rampe vom Parkplatz zum Supermarkt in Benediktbeuern. „Man kann auch mit wenig Geld viel verbessern“, so Seifert. Das Benediktbeurer Freibad ist nach dem Umbau vom Parkplatz bis zum Beckenrand sogar komplett barrierefrei. „Darauf bin ich besonders stolz“, sagte Seifert. Er unterstrich auch die touristische Bedeutung solcher Projekte. Die Internetplattform „Freizeitkompass für barrierefreien Urlaub“ sei mit rund 40 Seitenbesuchern pro Tag ein Erfolg.

Für ein Angebot, das hilft, auch private Wohnungen behindertengerecht zu gestalten, warb Christine Degenhart, Sprecherin der Beratungsstelle Barrierefreiheit: Die kostenlosen Beratungsgespräche der Architektenkammer würden auch in Bad Tölz angeboten.

Bei der praktischen Umsetzung aber steckt der Teufel oft im Detail. „In der Bauordnung hatten wir an Haustüren eine Barriere von 15 Zentimetern vorgesehen, damit kein Regenwasser eintreten kann“, berichtete in der abschließenden Podiumsdiskussion der Wackersberger Bürgermeister Alois Bauer, der auch auf die schwierige, weil hügelige Topografie seiner Gemeinde verwies.

Schon unauffällige Baumaßnahmen wie die Höhe von Bordsteinen könnten zum Politikum werden, so Bauer. Werden diese niedriger oder gar ebenerdig gestaltet, so hielten sie keinen Regen mehr auf, zudem sähen viele Autofahrer in rollstuhlgerechten Gehwegen eine Parkmöglichkeit. Auch für sehbehinderte Menschen stelle der Gehsteig eine wichtige Orientierungshilfe dar.

Am Ende war man sich allerdings einig: „Man muss Kompromisse finden“, wie Michael Kordon, Chef des Staatlichen Bauamts Weilheim, zusammenfasste. „Allerdings wissen die Gemeinden vor Ort oft am besten, wo der Schuh drückt.“

Markus Henseler

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