„Wir sind auf jeden Fall gerüstet und haben alle Schichten verstärkt“, sagt Carolin Englert, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.  Foto: dpa
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„Wir sind auf jeden Fall gerüstet und haben alle Schichten verstärkt“, sagt Carolin Englert, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Stiller Jahreswechsel im Tölzer Land

Polizei verstärkt Präsenz an Silvester, Feuerwehr warnt vor alten Böllern

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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So still wie heuer dürfte Silvester schon lange nicht mehr gewesen sein. Dafür sorgt schon alleine die in Bayern geltende Ausgangssperre. Die Polizei wird zum Jahreswechsel verstärkt kontrollieren. Die Feuerwehr warnt davor, altes Feuerwerk abzubrennen.

  • Die Polizei wird auch im Tölzer Land an Silvester verstärkt kontrollieren, ob die Ausgangssperre eingehalten wird
  • In den vergangenen zwei Wochen wurden einige Verstöße gegen Ausgangssperre und Kontaktbeschränkung geahndet
  • Die Feuerwehr warnt davon, an Silvester alte Böller aus dem Vorjahr und im Ausland gekaufte zu zünden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Silvester wird in diesem Jahr auf jeden Fall anders sein als in allen Jahren zuvor. Verantwortlich dafür ist natürlich einmal die Corona-Pandemie. Vor allem aber werden die Kontaktbeschränkungen, die auch zum Jahreswechsel geltende Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr und das Böllerverkaufsverbot dafür sorgen, dass Silvester sehr viel stiller als sonst sein wird. Die Polizei wird heute Nacht auf jeden Fall verstärkt kontrollieren.

Polizeisprecherin: „Wir sind auf jeden Fall gerüstet“

Das sei allerdings nicht ungewöhnlich, sagt Carolin Englert, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, das auch für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zuständig ist. An Silvester seien immer mehr Kollegen im Dienst. „Wir sind auf jeden Fall gerüstet und haben alle Schichten verstärkt“, sagt Englert. Kontrolliert wird zum einen, ob die Ausgangssperre eingehalten wird. „Wer nach 21 Uhr draußen ist und kontrolliert wird, hat hoffentlich einen triftigen Beweggrund dafür“, sagt Englert. Dazu gehört übrigens nicht der Heimweg von einer Silvesterparty. Die sind ohnehin nur in ganz kleinem Rahmen möglich. Treffen dürfen sich maximal fünf Personen (Kinder unter 14 zählen nicht) aus maximal zwei Haushalten.

Wer nach 21 Uhr unterwegs ist, braucht einen guten Grund - der Heimweg von einer Party ist keiner

Wer nach 21 Uhr unterwegs ist und dafür keinen ausreichend guten Grund hat, für den kann es teuer werden. Der Regelsatz für einen Verstoß gegen die Ausgangssperre liegt bei 500 Euro. Tatsächlich hat die Polizei hier seit Inkrafttreten der jüngsten Infektionsschutzverordnung am 16. Dezember im Landkreis 202 Kontrollen durchgeführt. 31 Verstöße gegen die Ausgangssperre seien angezeigt worden, sagt Englert. Ruhig war es über Weihnachten. „Fast alle haben sich an die Regeln gehalten“, lobt Englert.

273 Kontrollen im öffentlichen Raum seit 16. Dezember

Kontrolliert wird von der Polizei aber nicht nur nachts auf der Straße. Überprüft wurde auch, ob die tagsüber geltenden Ausgangs- sowie die immer geltenden Kontaktbeschränkungen eingehalten wurden. „Viele vergessen, dass man auch tagsüber einen triftigen Grund braucht, um die Wohnung zu verlassen. Die Gründe sind aber weiter gefasst als nachts“, sagt Englert. Beispielsweise gehört auch Sport und Bewegung an der frischen Luft dazu. 273 Kontrollen gab es in den vergangenen zwei Wochen zwischen Icking und der Jachenau im öffentlichen Raum. 36 Verstöße wurden angezeigt. Im privaten Raum gab es 53 Kontrollen. Geahndet wurden hier vier Verstöße.

Kommt die Polizei einfach in die Wohnung?

Geht die Polizei eigentlich jedem Hinweis nach, dass in einer Privatwohnung vielleicht gegen Corona-Auflagen verstoßen wird? Ja, sagt Englert. Vor Ort wird dann aber „mit Augenmaß“ über das weitere Vorgehen entschieden. Das heißt: Die Polizei stürmt nicht einfach in die Wohnung, nur weil ein Nachbar sagt, dass dort in größerem Rahmen gefeiert wird. Die Unverletzlichkeit der eigenen Wohnung ist ein Grundrecht. „Was die Leute in ihrer Wohnung machen, ist ihre Privatangelegenheit“, sagt Englert. Parken allerdings dutzende Autos in der Einfahrt oder wenn es weitere konkrete Hinweise auf eine größere Party gibt, „dann schauen wir uns das natürlich an“, sagt Englert. So werde aber nicht nur bei Corona-Verstößen verfahren, sondern auch, wenn nächtliche Ruhestörungen angezeigt werden. „Wenn die Kollegen vor Ort ankommen und alles ist still, muss man nicht unbedingt morgens um 3 Uhr bei den Leuten klingeln.“

„Unser Wunsch ist, dass alle noch einmal zusammenhalten“

Apropos still. Die Polizeisprecherin glaubt nicht, dass es ein absolut stilles Silvester wird. Denn trotz Böllerverkaufsverbot sei der eine oder andere bestimmt an Feuerwerk gekommen, das er auf seinem privaten Grund auch abbrennen dürfte. Eigentlich. Englert appelliert aber an die Vernunft der Bevölkerung, Zurückhaltung zu üben: „Lasst die alten Böller im Keller. Unser Wunsch ist, dass jetzt alle noch einmal zusammenhalten, damit wir nächstes Jahr wieder richtig Silvester feiern können.“

Feuerwehr warnt vor alten Böllern

Aus dem vergangenen Jahr übrig gebliebenes Feuerwerk zu verwenden, hält die Feuerwehr für keine gute Idee. „Bei alten Böllern ist nicht klar, wie sie sich verhalten“, sagt Stefan Kießkalt, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion. „Zünden sie noch oder nicht? Kommt es zu verspäteten Reaktionen? Gerade hier besteht die Gefahr, dass sich dann Personen schon im Einwirkbereich des Böllers befinden und sich dann dabei verletzen.“ Auch die Gefahr eines sofortigen Entzündens bestehe, „wenn Zündmasse bereits an der Zündschnur ausgetreten ist“.

Einen regelrechten Ansturm gab es in den vergangenen Wochen auf die Böller, die in Polen verkauft wurden. „Die haben zum Teil keine Zertifizierung“, sagt Kießkalt. Auch hier sei beispielsweise unklar, „welche Sprengkraft sie haben. Es besteht eine erhöhte Gefahr für Verletzungen, zum anderen können durch zu schnelles Reagieren Brände oder Schäden durch die Wucht des Böllers entstehen.“

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