Passanten gehen an einer geschlossenen Bar vorbei, die erst an Nachmittag öffnet.
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Vor allem die Gastronomie leidet sehr unter dem Lockdown.

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Stimmen aus dem Landkreis zum Teil-Lockdown: Von Verständnis bis Entrüstung ist alles dabei

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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  • Silke Scheder
    Silke Scheder
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Der „Lockdown light“ tritt am Montag in Kraft. Wir haben nachgefragt, was unter anderem Musikproduzent Florian Rein, Landrat Josef Niedermaier oder die Kreisvorsitzende des Gaststättenverbands dazu zu sagen haben.

  • Gastronomiebetriebe müssen ab dem 2. November schließen, ebenso Theater, Museen, Kinos, Fitnessstudios und Thermen.
  • Auch der Amateursport muss bis Ende November pausieren. Schulen und Kindergärten bleiben offen, dasselbe gilt für Geschäfte.
  • Die Reaktionen im Landkreis fallen gemischt aus: Von Verständnis über Enttäuschung bis hin zu Wut ist alles dabei.

Landrat Josef Niedermaier: „Einschränkungen bedeuten für uns alle, wieder mehr zusammenzustehen! Wichtig ist jetzt, dass die unterstützt werden, die wirklich um ihre Existenz bangen. Generell befürworte ich es, präventiv zu handeln, statt danach Scherben zusammenzukehren. Wenn uns Spielräume bleiben, dann schöpfen wir sie aus.“

Kreisbäuerin Ursula Fiechtner: „Wir Landwirte sind ja systemrelevant, das wissen die Politiker, wir erzeugen Lebensmittel. Doch was ist mit den anderen, dem ganzen Mittelstand zum Beispiel? Es kann doch nicht sein, dass der Nutznießer schlussendlich Amazon ist. Es ist jammerschade um alles, was kaputt geht – beispielsweise in der Gastronomie.“

Michael Grasl, Sprecher der Bürgermeister: „Die Talsohle muss jetzt mit vereinten Kräften durchschritten werden. Es ist für niemanden angenehm, weder für die Gastronomie noch für die Schüler und die Senioren. Wichtig ist, dass der Betrieb in den Behörden weiterläuft und die Projekte nicht ins Stocken geraten. Positiv denken, zusammenhalten, nach vorne schauen.“

Florian Rein, Musikproduzent, Bad Tölz: „Ich unterstütze alle Maßnahmen aufs Vollste – obwohl ich als Musiker und Produzent beruflich stark betroffen bin. Anders bekommt man das nicht in den Griff. Leider fürchte ich, dass nicht alle Kulturbetriebe und Kulturschaffenden die Zeit überstehen werden, denn die Lage wird sich sicher noch länger hinziehen.“

Dr. Herbert Rehmer, Fitnesstudio Dr. Rehmer in Bad Tölz: „Untersuchungen haben gezeigt, dass Fitnessstudios keine Infektionsherde sind. Aufgrund der Hygienemaßnahmen gibt es keinerlei Grund, zuzusperren. Im Gegenteil: Das Training fördert die Gesundheit. Ich denke, dass gewisse Angebote wie Rehabilitationssport oder Präventionskurse aus medizinischer Sicht sinnvoll sind.“

Perry Schack, Gitarrist aus Lenggries: „Meine Konzerte waren schon vor dem Lockdown für November abgesagt. Dennoch finde ich es schwierig, dass gleichzeitig Menschen Eng auf Eng im ÖPNV sitzen. Hilfsgelder vom Staat wären jetzt auf jeden Fall angebracht und auch notwendig. Trotz allem denke ich, es ist wichtig positiv zu sein und zu bleiben.“

Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende Gaststättenverband: „Die ganze Branche ist sehr enttäuscht. In Absprache mit der Politik haben wir sehr gute Konzepte vorgelegt und viel Geld dafür investiert. Jetzt werden wir wieder stillgelegt. Wir wissen nicht einmal, wann wir wieder aufsperren dürfen. Es gibt bislang keine Zusage, dass es am 1. Dezember weitergeht.“

Peter von der Wippel, Geschäftsinhaber, Bad Tölz: „Wir dürfen zwar offen haben. Ich gehe aber von einer deutlich geringeren Kundenfrequenz in den Geschäften aus. Wenn keine Gaststätten offen haben, kommen auch weniger zum Shoppen und Flanieren. Die Öffnungszeiten werden wir trotzdem nicht reduzieren. Unser Sortiment geht auch in Krisenzeiten ganz gut.“

Ursula Dinter-Adolf, Leiterin Tourist-Info Lenggries: „Für die Gastgeber, die Gastronomie und den Einzelhandel ist das eine schwierige Situation, mit der man wieder zurechtkommen muss. Für die Gastgeber ist es hoffentlich halbwegs erträglich, weil keine Hauptferienzeit ist. Allerdings sind nächste Woche Herbstferien. Wir hoffen, dass in den Winterferien wieder Urlaub möglich ist.“

Sabine Pfister, „KKK“, Lenggries: „Für den November mussten wir jetzt erst mal alles absagen, das waren insgesamt vier Veranstaltungen. Dennoch stehen wir zu 100 Prozent hinter den Maßnahmen und wollen dazu beitragen, dass die Situation in Deutschland weiter unter Kontrolle bleibt. Wir werden auch diesen Lockdown überstehen.“

Christoph Seitz, Direktor Brauneck-Hotel: „Der neuerliche Lockdown ist ein schwerer Schlag, aber ein wohl notwendiger Schritt. Wir alle sind darüber sehr frustriert, blicken aber optimistisch nach vorne und hoffen, dass die harten Einschränkungen entsprechend Wirkung zeigen und wir uns auf eine positive Advents- und Weihnachtszeit freuen können.“

Elisabeth Hinterstocker, Leiterin Tölzer Stadtmuseum: „Auch wir werden wieder schließen. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen, finde ich – trotz der Einschränkung – die Maßnahmen durchdacht und vernünftig. Für uns ist es jedoch ein Privileg, im öffentlichen Dienst arbeiten zu dürfen. Das trifft andere, wie viele Gastronomen, um einiges härter.“

Martina Riesch, „Schützenhaus Jachenau“: „Für mich ist der Lockdown in der Gastronomie nicht nachvollziehbar. Warum darf man zum Shoppen in die Stadt, aber sich nicht mit Freundien oder Familie im Gasthaus treffen? Wir gehören zu den Branchen mit den besten Hygienekonzepten und werden streng überwacht. Die Maßnahmen stehen in keiner Relation mehr.“

Hans Kremko, Wirt vom Kramerwirt: „Ab Montag wird bei uns zugemacht. Das ist für uns sehr ärgerlich, weil wir im November im Vergleich zu vielen anderen auf gehabt hätten. Für mich zeigt das einfach den Stellenwert der Gastronomie in der Gesellschaft. Entspannt Café trinken wollen alle, über die Menschen dahinter sorgt sich niemand.“

Ingo Mehner, Bürgermeister von Bad Tölz: „Die Maßnahmen werden auf die Menschen unterschiedliche Auswirkungen haben. Viele sind wirtschaftlich hart betroffen, man darf aber auch die sozialen Folgen nicht vergessen. Wir müssen als Stadt Lösungen finden, wie wir langfristig unter den Corona-Bedingungen ein soziales Leben schaffen können.“

Christian Haas, Sportreferent TV Bad Tölz: „Auch wir müssen den gesamten November pausieren. Es ist sehr schade, da wir seit einigen Wochen wieder alles hochgefahren haben und es ganz toll funktioniert hat. Wir werden nun wieder versuchen, durch Online-Angebote für alle Mitglieder präsent zu bleiben, und sammeln Ideen für das Training zu Hause.“

Thomas Gampl, Gymnasium Hohenburg: „Stand jetzt ändert sich für uns durch den Lockdown nichts Wesentliches. Im Frühjahr wurden die Schulen als erstes geschlossen. Dass sie nun Priorität haben und offen bleiben sollen, finde ich persönlich richtig. Die Ansteckungsgefahr im Klassenzimmer ist, soweit ich das überblicke, relativ gering.“

Regina Demleitner, „Vitarea“, Bad Heilbrunn: „Generell ist eine weitere Schließung der Fitness- und Gesundheitsanlagen eine existenzgefährdende Situation. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Politik unsere gesundheitsfördernde Arbeit nicht als solche anerkennt. Bleibt zu hoffen, dass alle Fitnessstudios auf die Solidarität ihrer Mitglieder bauen können.“

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