Keramikmeister Bertram Klein aus Kochel am See in seinem Geschäft.
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Keramikmeister Bertram Klein aus Kochel am See, schätzt sich vor allem in den Coronazeiten glücklich, sein Geschäft in einer hochfrequentierten Tourismusregion zu haben. Denn alle Märkte sind heuer ausgefallen.

„Charmant miteinand im Tölzer Land“

Stimmen zur aktuellen Pro-Tourismus-Kampagne: „Haben den Urlaubern viel zu verdanken“

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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„Danke, Tourimus!“ heißt es derzeit auf Plakatwänden in Bad Tölz-Wolfratshausen und in Facebook-Posts. Doch trifft dieser Slogan auch den Nerv der Menschen vor Ort?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenige Themen wurden in den vergangenen Wochen in Loisachtal und Isarwinkel so zwiegespalten betrachtet wie der Tourismus – durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie heuer mehr denn je. Zum einen sorgte der Ausflügleransturm für viel Unmut und Konfliktstoff, zum anderen sind sich viele Geschäftstreibende auch einig: „Wir sind von den Touristen abhängig.“ Diesen Aspekt stellt derzeit auch die Pro- Tourismus Kampagne „Charmant miteinand im Tölzer Land“ der Servicestelle Tölzer Land Tourismus (TLT) und einiger Tourismus-Gemeinden in den Mittelpunkt. Trifft die Aktion mit ihren Plakatwänden und Facebook-Posts einen Nerv? Der Tölzer Kurier hat Stimmen dazu eingeholt.

Axel Berger, Betreiber Hochseilgarten Isarwinkel, Lenggries: „Bezogen auf den Tourismus bin ich ein Verfechter des Prinzips: ,Türen auflassen und Probleme im Dialog klären.‘ Unser Betrieb wäre ohne Tourismus nicht denkbar. Die nötige Infrastruktur bereit zu halten, das würde sich nur mit regionalen Besuchern nie rechnen. Nicht nur Freizeitbetriebe, Gastronomie und Hotellerie sind auf Touristen angewiesen. In zweiter Reihe stehen viele Betriebe, die andere beliefern oder ausstatten. Es sollte also im Sinne aller Gewerbetreibenden sein, den Touristen gegenüber aufgeschlossen zu sein, erst recht nach dem Sommerboom nach dem Lockdown.

Sebastian Salvamoser, SPD-Ortsvorsitzender Kochel am See und Organisator der Demonstration „Ausbremst is’!“: „Das Tölzer Land ist eine Tourismusregion und natürlich darf sie als solche in Form von Kampagnen auch werben. Es ist nach wie vor so, dass wir per se nichts gegen Tourismus haben – es geht uns aber darum, für den gestiegenen Andrang Lösungen zu finden und geeignete Infrastruktur zu schaffen. Speziell in Kochel und am Walchensee würden wir uns wünschen, dass neben der Herausstellung unseres Landkreises als schöne und lebenswerte Naturregion auch eine nachhaltige, umweltschonende und möglichst verkehrsarme Form von Tourismus via ÖPNV und Rad im Landkreis beworben und Initiativen dazu gefördert werden.“

Michael Kell, Inhaber Früchtegroßhandel Kell, Bad Tölz: „Auch wir sind definitiv vom Tourismus abhängig. Der Lockdown hat auch uns hart getroffen, da wir sehr gastroabhängig sind. Wir beliefern auch Restaurants und Hotels. Durch den Ansturm im Sommer konnten wir dann trotzdem relativ gesund überleben. Vor allem die Außengastronomie lief sehr gut, ich bin gespannt wie das alles nun nach der Hauptsaison weitergeht.“

Simone Spohr, Klosterladen, Benediktbeuern: „Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten sehr viel den Touristen zu verdanken, da unser Geschäft essenziell davon abhängig ist. Wir hatten einen starken Sommer, da viele auf Auslandsreisen verzichtet haben. Der Urlaubstrend Richtung ,heimatbesonnen‘ war für uns enorm wichtig, da wir dieses Jahr auch keine großen Reisegruppen wie sonst hatten. Ich bin daher sehr positiv gestimmt und dankbar, da bei uns auch alle sehr achtsam mit den Regeln umgegangen sind. Natürlich haben wir am Kloster in Benediktbeuern auch den Vorteil, kein Parkplatzproblem zu haben, wie es an anderen Orten der Region teilweise der Fall war.“

Bertram Klein, Inhaber Kochler Keramik: „Gott sei Dank habe ich mein Geschäft in einem Touristengebiet. Von Mai bis Oktober kamen viele nach Kochel am See. Über Pfingsten war alles ausgebucht. Kollegen, die in weniger frequentierten Gebieten leben und arbeiten, hat die Coronalage wirklich hart getroffen. Es wurden ja alle Märkte und Dulten abgesagt, an denen wir oft unsere Handwerkswaren verkaufen. Dazu ist aktuell auch keine Nachfrage an Vereinsbedarf. Durch den Ausflügleransturm hier hatte ich aber noch genug Kunden im Geschäft. Da muss man vom Glück reden. Daher bin ich wirklich froh und dankbar, dass so viele Gäste in unsere Region gekommen sind.“

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