+
„Was macht ihr eigentlich für Familien?“, wollte der Tölzer Martin Brandt von den jungen Wahlkämpfern wissen. Seppi Rohrmoser (links) und Benedikt Zastera antworteten prompt: „Das Kindergeld soll auf 300 Euro rauf.“ 

Vor der Bundestagswahl

Stimmenfang an der Haustür: Dabei beim CSU-Straßenwahlkampf

  • schließen

Die CSU setzt neuerdings auf bayernweit koordinierten Straßenwahlkampf. Nun klingelte eine kleine Gruppe an Tölzer Haustüren – und traf auf ganz verschiedene Charaktere.

Bad Tölz – Im Haustür-Wahlkampf hat Seppi Rohrmoser einen klaren Vorteil: Er ist Sternsinger. „Von daher ist die Hemmschwelle, an fremden Türen zu klingeln, nicht groß“, sagt er. Rohrmoser kommt aus Bad Heilbrunn, ist 20 Jahre alt, trägt eine große Brille und geht für die CSU auf die Straße. Auf seinem T-Shirt steht „Klar für unser Land“, dazwischen prangt in orange der bayerische Löwe.

Mit vier Parteikollegen spaziert Rohrmoser durch das Tölzer Wohngebiet nahe dem Girlitzer Weiher. Sie wollen Stimmen fangen für den Wahlkreisabgeordneten Alexander Radwan und die CSU. Die Gruppe wird an diesem heißen Nachmittag auf ganz verschiedene Charaktere treffen: Da wären die Stammwähler, die Gesprächsbereiten, die leicht genervten „Ich-hab-jetzt-keine-Zeit“-Sager, die Politikverdrossenen und die Anhänger anderer Parteien, denen aber das Engagement gefällt.

„Ich bin gerade am Badputzen“, ruft eine Frau

Tür Nummer eins. Rohrmoser und Benedikt Zastera gehen voran. Zastera ist noch jünger, 17 erst. „Aber ich werde zum Glück noch vor der Wahl 18“, sagt der Lenggrieser. Seit 2014 ist er bei der Jungen Union. Schon im Kindergarten habe er gesagt, dass er später Bundeskanzler werden will. Darüber lächelt er heute. Ernst ist es ihm aber mit seinem ersten Straßenwahlkampf. Mit dem Klemmbrett in der Hand erfasst er die Reaktionen. An Tür eins hat Zastera nichts zu schreiben. Niemand da. Also weiter. Tür Nummer zwei. Das gleiche Problem. „Sind die alle beim Baden? Wir haben uns halt einen heißen Tag ausgesucht“, sagt Uschi Henseler vom Kreisverband der Frauenunion. Erste Zweifel kommen auf, dazu die Hitze. Tür drei, jetzt muss was gehen: „Ich bin grade am Badputzen“, ruft die Frau vom Fenster herunter. Immerhin: Das Kärtchen mit der persönlichen Frage an Horst Seehofer dürfen sie in den Briefkasten werfen.

Tür vier. Endlich einer zum Reden. Martin Brandt steht vor seiner Garage, seine kleinen Kinder toben um ihn herum. Bevor die Straßenwahlkämpfer loslegen können, fragt Brandt: „Was macht ihr eigentlich für die Familien?“ Als hätte er mit der Frage gerechnet, antwortet Seppi Rohrmoser souverän: „Das Kindergeld soll rauf auf 300 Euro im Jahr.“ Brandt nickt zufrieden. Die persönliche Ansprache findet er gut. „Das erlebe ich so zum ersten Mal. An den Info-Ständen in der Stadt geht man ja vorbei.“

„Sie kämpfen für eine Sache. Das finde ich gut.“

Mit dabei und ständig in Reporternähe ist Straßenwahlkampf-Managerin Christine Schiffner. Sie sagt druckfertige Sätze wie: „Durch das Face-to-Face-Gespräch holen wir die Menschen in ihrem persönlichen Lebensumfeld ab. Diese Art von Wahlkampf löst größere Mobilisierungseffekte aus.“ Sich in die Augen schauen, in den Dialog kommen statt lediglich Twitter-Posts und Plakate rauszuhauen, darum gehe es. Radwan selbst und zum Beispiel auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner würden ab und an beim Klingelputzen mitmachen.

„Die Aktion kommt auch bei Nicht-CSU-Wählern an“, sagt Schiffner. Damit hat sie recht. Die junge Frau, die gerade ihr Kind im Auto anschnallt, entgegnet Uschi Henseler: „Ich bin kein CSU-Stammwähler und werde es auch nicht. Aber Sie kämpfen für eine Sache. Das finde ich gut.“

Bei der nächsten Frau, die etwas an ihrem Auto macht, klingt das ganz anders: „Ich geh’ überhaupt nicht wählen – da bin ich strikt dagegen. Es ändert sich doch sowieso nichts.“ Die Politikverdrossene. „Aber wählen gehen ist sehr wichtig“, sagt Henseler. Keine Chance. Hier werden Rohrmoser und Zastera ihre Turnsäckchen mit dem Bayernplan, dem Wahlprogramm, nicht los. Straßenwahlkampf ist ein Hin und Her. Auf einen Rückschlag folgt manchmal ein Volltreffer: „Sie brauchen mich nicht groß zu überzeugen. Ich bin dabei“, sagt Ingrid Mumme (56) an Tür sieben. Von anderen Parteien würde sie keinen Besuch in Empfang nehmen. „Aber das war okay.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bub (7) bricht sich Unterschenkel
Ein Kind aus dem Landkreis ist am Samstag beim Skifahren so unglücklich gestürzt, dass es sich den Unterschenkel gebrochen hat. 
Bub (7) bricht sich Unterschenkel
„Just Eve“ singt heute in der Heilbrunner Christuskirche
„Just Eve“ singt heute in der Heilbrunner Christuskirche

Kommentare