1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Der Stimmkreis ist jetzt gleich vierfach im Landtag vertreten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

Kommentare

null
Lange musste er zittern, jetzt steht es fest: Hans Urban aus Oberherrnhausen sitzt für die Grünen im neuen Bayerischen Landtag. © hl

Das hat es in diesem Stimmkreis wohl noch nie gegeben: Mit Martin Bachhuber (CSU), Florian Streibl (FW), Hans Urban (Grüne) und Anne Cyron (AfD) ziehen gleich vier Kandidaten in den neuen Landtag ein. Einer davon wird sogar für einen Ministerposten gehandelt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war gegen 20.30 Uhr am Dienstagabend, als der letzte Münchner Stimmbezirk vollständig ausgezählt war. In diesem Moment stand fest: Hans Urban aus Oberherrnhausen (Gemeinde Eurasburg) wird über die Liste der Grünen in den Landtag einziehen. Vor allem die knapp 19 000 Stimmen, die er als Direktkandidat im Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Garmisch-Partenkirchen-Süd gesammelt hatte, katapultierten ihn – gemeinsam mit weiteren 3047 Stimmen über die Liste – von Platz 36 auf Rang 16 und somit weit genug nach vorne.

Während sein Umfeld die Auszählung zwei Tage lang gespannt verfolgte, blieb der 40-jährige Biobauer selbst gelassen. „Ich hab’ mich da nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte er am Mittwoch. Natürlich freue er sich über das Ergebnis, aber auch der neuen Aufgabe blickt er entspannt entgegen – genauso wie seine Frau. „Das ziehen wir jetzt durch“, sagt Urban und lacht.

Lesen Sie auch: Das sind alle 205 gewählten Abgeordneten im neuen bayerischen Landtag

Am Dienstagabend stieß er noch mit Drittem Landrat Klaus Koch (Grüne) und einigen Freunden zu Hause auf dem „Packlhof“ auf den Erfolg an. Eine der ersten Gratulations-Mails „habe ich von Martin Bachhuber bekommen“, berichtet Urban. Bachhuber (CSU) gewann wie berichtet das Direktmandat im Stimmkreis.

null
Florian Streibl (FW) sitzt seit 2008 im Landtag und könnte Minister werden.

Dass er sich auf den Erststimmen-Wahlkampf konzentriert hat, habe sich ausgezahlt, sagt Urban. Stolze 20,8 Prozent holte er im Stimmkreis.

Am 5. November muss er zur ersten Landtagssitzung nach München. „Das ist gut, weil in den nächsten 14 Tagen hätte ich gar keine Zeit“, sagt Urban. Zu viel sei auf dem Bio-Bauernhof vor dem Winter noch zu tun. Dass er für die Landwirtschaft künftig weniger Zeit haben wird, ist dem Vater von drei Buben klar. Einige Aufgaben werde der sicher auslagern müssen. Aber für die neue Aufgabe ist er absolut bereit. „Wir sind angetreten, um etwas zu verändern. Das ist es ja auch, was sich die Leute wünschen: Veränderung.“ Deshalb würde ihm natürlich auch eine schwarz-grüne Staatsregierung besser gefallen. „Die CSU müsste nur die grünen Themen abarbeiten, dann wäre sie eine Zukunftspartei“, scherzt er.

Lesen Sie auch: Schonfrist für Seehofer: CSU-Kreispolitiker fordern zunächst eine inhaltliche Debatte

Von ihrem guten Erststimmenergebnis (8148 Stimmen/8,9 Prozent) profitierte auch Anne Cyron - genauso wie von den vielen Zweitstimmen, die die Rosenheimerin in ihrer Heimat holte. Die 63-jährige AfD-Kandidatin rutschte so weit nach vorne, dass es für den Einzug ins Maximilianeum reicht. Dort ist sie übrigens die einzige Frau unter den sechs oberebayerischen AfD-Abgeordneten. Für eine Stellungnahme war sie am Mittwoch nicht zu erreichen.

Grund zum Feiern hat auch Florian Streibl. Der prominente Vertreter der Freien Wähler (FW) – der Oberammergauer ist der Sohn des ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Max Streibl – zieht nicht nur über die Liste erneut in den Landtag ein, dem er seit 2008 angehört. Der Abgeordnete, der als bodenständig und heimatverbunden gilt, wird auch als Kandidat für Höheres gehandelt: als Staatsminister einer wahrscheinlichen Koalition aus CSU und FW. „Wenn das von mir gefordert wird, würde ich mich darüber freuen“, sagt der Jurist. Und welches Ressort würde ihn reizen? Vielleicht das Justizministerium? „Das würde meiner Ausbildung entsprechen. Das wäre eine Variante“, sagt Streibl. Allerdings, schränkt er ein, sei es noch zu früh, um über solche Personalien zu spekulieren.

null
Anne Cyron (AfD) hat es ebenfalls über die Liste in den Landtag geschafft.

Lesen Sie auch: Das SPDesaster: Das sagen die Genossen im Landkreis zum Horrorergebnis

Der Landespolitiker aus dem Ammertal, der die Oberbayern-Liste seiner Gruppierung anführte, zählt zu den führenden Köpfen der Freien Wähler. Der 55-jährige Parlamentarische Geschäftsführer wird neben Parteichef Hubert Aiwanger mit am Verhandlungstisch sitzen, wenn es darum geht, eine mögliche Regierungsbildung mit der CSU auszuloten. Streibl rechnet damit, dass sich die Schwarzen nach dem Ende ihrer Alleinherrschaft auf diesen Deal einlassen werden. Das wäre seiner Ansicht nach das Vernünftigste, denn: „Das wird Stabilität bringen.“ Diese politische Liaison brächte es im Parlament auf eine Mehrheit mit 112 Sitzen (CSU: 85, FW: 27 Sitze). Insgesamt hat der Landtag 205.

null
Martin Bachhuber (CSU) hat auch diesmal das Direktmandat im Stimmkreis gewonnen.

Dass der Stimmkreis nun durch vier Abgeordnete im Maximilianeum vertreten ist, „das kann für die Region nur gut sein“, meint Martin Bachhuber (CSU). „Es gibt etliche Projekte, bei denen wir von allen Seiten Unterstützung brauchen können.“ Er hoffe, dass alle hiesigen Abgeordneten die Belange des Stimmkreises auch im Auge behalten. „Aber ich habe Herrn Urban als pragmatischen Menschen kennengelernt.“ Etwas nachdenklich stimme ihn immer noch das Abschneiden der AfD. „Ich bin gespannt, wie sich das im Landtag entwickelt. Ich will hier aber auch nicht vorverurteilen. Die Abgeordneten sind demokratisch gewählt.“

Auch interessant

Kommentare