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Von der Obergrenze bis zu Markus Söder: Der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (li.) aus Wolfratshausen war im „Kolberbräu“ zu Gast. Rechts der Tölzer CSU-Ortschef Ingo Mehner.

CSU-Orts- und Kreisverband

Stoiber als „Zugsalbe“ für den Wahlerfolg

Edmund Stoiber bewegt immer noch die Menschen: Zahlreiche Zuhörer

Bad Tölz – Ein sprachlich interessantes Bild, das der CSU-Kreisvorsitzende Martin Bachhuber da zeichnete, um den außerordentlich gut besuchen Neujahrsempfang des Tölzer CSU-Orts- und -Kreisverbands im „Kolberbräu“ zu beschreiben: Edmund Stoiber sei da wohl die „Zugsalbe“ gewesen. Nun, Zugsalbe wirkt, riecht aber streng. Der Angesprochene nahm das ungewöhnliche Kompliment gleichwohl lächelnd zur Kenntnis. Es ging ja um die vielen Zuhörer. Und der langjährige Ministerpräsident wusste, dass er ein Heimspiel vor sich hatte. „Ich spreche ja wie der Pfarrer zu den Gläubigen in der Kirche“, war er sich der Wirkung seiner Worte in dem weit über einstündigen Vortrag nur zu sehr bewusst.

Vor so einem Publikum durfte er auch immer wieder mal an die eigenen Verdienste erinnern. Der 76-jährige Vollblutpolitiker versteht sein Handwerk immer noch aus dem Effeff. Ein paar Komplimente zum Einstieg an die Kreisstadt, wo er in der JU einst seine Karriere startete, ein Winken zu Bruno Egger („ein Monument“) und dann geradezu lustvoll und mit blitzenden Augen mitten hinein ins politische Getümmel und ran ans Abarbeiten der Themen: Flüchtlinge, Wirtschaft, Arbeitsplätze, Sicherheit, Europa, Asylrecht, Maghrebstaaten, Parteienlandschaft, SPD, Grüne, Bundestagswahl, Sondierungsgespräche, Landtagswahl, Söder, Seehofer – Stoiber spann die Fäden blitzschnell, gekonnt und ganz nach Belieben von einem Eck zum andern. Und aus dem Auditorium tönte es immer wieder: „Genau, so ist es“ oder beifälliges Raunen.

Nochmals zurück zur Zugsalbe: Die strenge, aber heilsame Wirkung dürfte der Redner wohl am ehesten der Kanzlerin und ihrer Partei zugedacht haben. Eine der Kernaussagen Stoibers: 2015 und 2016 sei die Flüchtlingsproblematik von jedem im Volk erkannt und diskutiert worden, nur nicht von der hohen Politik und im Bundestag. Wäre das anders gewesen, „wäre die Bundestagswahl anders ausgegangen“ und extreme Parteien wie die AfD hätten keinen solchen Erfolg gelandet, zeigte sich Stoiber zutiefst überzeugt.

Er verteidigte vehement die von der CSU geforderte Obergrenze von 200 000 aufgenommenen Flüchtlingen im Jahr und wehrte sich gegen die Schelte der „vorwiegend links-liberalen Medien“. Selbst Grünen-Politiker Jürgen Trittin habe die Obergrenze bei den Gesprächen für eine Jamaika-Koalition akzeptiert. Schließlich müsse man auch 200 000 Flüchtlinge erst einmal integrieren. „Dieser Prozess dauert mindestens ein Jahrzehnt.“

Wahlkämpfer Stoiber nahm auch zur wichtigsten Personalie der CSU im vergangenen Jahr Stellung: Markus Söder, „den ich damals zum Generalsekretär gemacht habe“, sei der richtige Mann für das Amt des Ministerpräsidenten. Er bringe viel Ministererfahrung in verschiedenen Ressorts mit und sei vor allem mit dem unabdingbar nötigen Machtwillen ausgestattet. „Du musst gestalten wollen“, rief Stoiber und zog einmal mehr spottend Vergleiche mit der SPD, die ihren Kleinmut lieber in der Opposition ausleben wolle.

Auch Martin Bachhuber hatte beim Neujahrsempfang einiges zu sagen: Vor allem die örtlichen Kommunalpolitiker nickten verständnisvoll, als er auf das leidige Thema Straßenausbaubeitrags-Satzung zu sprechen kam, deren Abschaffung nach vielen Bürgerprotesten bei der CSU-Klausur in Kloster Banz beschlossen wurde. „Da bin ich nur halbzufrieden“, meinte Bachhuber, „da müssen wir uns noch mit den Kommunen auseinandersetzen.“ Es gebe viele ungeklärte Fragen.

Eine Breitseite gegen die immer mehr überbordende Verwaltung gab es, als Bachhuber auf die Tölzer Umgehungsstraße zu sprechen kam. Dass man da über 20 Jahre plane, „das geht nicht“. Der Bürger verstehe das nicht mehr. Ähnliches gelte für den S7-Ausbau in Wolfratshausen. Er forderte eine Art Infrastruktur-Beschleunigungsprogramm. Am Erfolg „werden wir Politiker gemessen“.

CSU-Bezirksrat Thomas Schwarzenberger aus Krün packte die Gelegenheit beim Schopf, um sich beim Neujahrsempfang vorzustellen. Er will sich für eine baldige Eröffnung einer psychiatrischen Tagesklinik in Wolfratshausen stark machen. CSU-Ortsvorsitzender Ingo Mehner setzt sich nach wie vor für eine Wiederöffnung der Geburtshilfe in Tölz ein. Christoph Schnitzer

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