An der Tratfeldstraße stellt Anwohner Ingo Döbl regelmäßig für eine halbe Stunde sein Auto ab, um dem BRK das Abholen seiner Frau zur Dialyse zu ermöglichen. Nun bekam er einen Strafzettel.
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An der Tratfeldstraße stellt Anwohner Ingo Döbl regelmäßig für eine halbe Stunde sein Auto ab, um dem BRK das Abholen seiner Frau zur Dialyse zu ermöglichen. Nun bekam er einen Strafzettel.

Ärger über Verkehrsüberwachung

Strafzettel „gefühllos“? Tölzer (80) parkt sein Auto immer aus einem besonderen Grund um

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Als „gefühllos“ und „ohne jegliches Fingerspitzengefühl“ bezeichnet der Tölzer Ingo Döbl das Vorgehen der städtischen Parküberwachung. Deswegen hat sich der 80-Jährige mit seinem Fall an den Tölzer Kurier gewandt.

Bad Tölz - Seit Christa Döbl vor sechs Jahren eine Gehirnblutung erlitt, ist sie schwer pflegebedürftig. Anfang 2020, so schildert es Ehemann Ingo, habe sich ihr Zustand noch einmal rapide verschlechtert. „Seither kann sie weder gehen noch stehen noch etwas sehen“, berichtet er. Zusätzlich ist die 80-Jährige seit viereinhalb Jahren auf die Dialyse angewiesen, muss regelmäßig zur Blutwäsche. „Früher konnte sie noch mit dem Taxi hingebracht werden“, sagt Ingo Döbl. Seit gut einem Jahr aber ist seine Frau so eingeschränkt, dass das Rote Kreuz sie mit einem Fahrzeug transportieren muss. Das passiert dreimal pro Woche: montags, mittwochs und freitags – und hier beginnt der Zusammenhang mit dem Parkproblem.

Denn das Rotkreuzfahrzeug muss jeweils rückwärts in die Garageneinfahrt der Döbls rangieren. Von der Garage gibt es einen direkten Zugang zum Wohnhaus. Hier wird die pflegebedürftige Seniorin ins und aus dem Fahrzeug gehoben.

Ingo Döbl muss zu diesem Zweck sein Auto aus der Garage fahren und währenddessen auf der Straße abstellen. Das tut er jeweils am Morgen ungefähr um 7.30 Uhr und mittags gegen 13.30 Uhr. Sein Wagen steht dann jeweils eine halbe Stunde auf der Tratfeldstraße, wo das Ehepaar wohnt. Dort gilt allerdings ein Zonenparkverbot. Nur auf ausgewiesenen Flächen darf man sein Auto abstellen – in der Tratfeldstraße selbst gibt es keine davon.

Ein Jahr lang störte sich niemand an Döbls zweimal täglich verbotswidrig geparktem Auto – bis er am 11. Januar einen Strafzettel bekam. „Es geht mir da nicht um die 15 Euro“, sagt der ehemalige Stadtrat, der in Bad Tölz eine Allianz-Generalvertretung führte. „Es geht gegen meinen Gerechtigkeitssinn.“

Er habe deswegen Widerspruch eingereicht und bei der Stadtverwaltung „minutiös erklärt, warum ich dort parke“. Von dort aber kam nur die kühle Antwort: „Die vorgebrachten Gründe können nach Auswertung der Unterlagen und Rücksprache bei der Überwachungskraft eine Rücknahme der Verwarnung nicht rechtfertigen.“

Diese Einschätzung bestätigt auf Rückfrage des Tölzer Kurier Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach. „Wir haben volles Verständnis für die Lage der Familie“, sagt sie. „Aber die Regeln sind, wie sie sind, und wir sind angehalten, sie durchzusetzen.“ Das Parkverbot sei übrigens vor Jahren auf ausdrücklichen Wunsch der Anwohner eingeführt worden, die in der Umgebung des Schulzentrums unter dem Parksuchverkehr litten.

Ingo Döbl habe aus Sicht der Stadt die „zumutbare Alternative“, sein Auto ein Stück weiter an der Hindenburgstraße abzustellen, wo ausgewiesene Parkflächen zur Verfügung stünden, so Otterbach. Das, entgegnet der Rentner, sei für ihn eben nicht machbar, zumal er morgens in der Regel nur schnell in Bademantel und Gartenlatschen das Haus zum Umparken verlasse und seine Frau immer nur kurz allein lassen könne. Er hätte sich von der Stadt mehr Kulanz und Menschlichkeit gewünscht.  

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