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Das Werk der Firma Hawe in Sachsenkam.

Wirtschaft

Strafzölle machen Unternehmen Sorgen

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US-Präsident Donald Trump hat Strafzölle auf Aluminium und Stahl verhängt – und löst damit eine Entwicklung aus, die bei international tätigen Unternehmen im südlichen Landkreis mit Sorge beobachtet wird.

Klaus Haeusgen, Hawe Hydraulik

Bad Tölz-Wolfratshausen– In der Bewertung der US-Politik findet Karl Haeusgen klare Worte: „Trumps Entscheidung zeigt, dass er selbst komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge nicht versteht und dass er schlechte, ideologisch orientierte Berater hat“, sagt der CEO (Geschäftsführer) von Hawe Hydraulik – ein großes Werk der Firma befindet sich in Sachsenkam. Mittelbar sei auch Hawe von den Strafzöllen betroffen, so Haeusgen weiter. „Die indirekten Auswirkungen können erheblich sein“, warnt er. „Viele Kunden verarbeiten importierten Stahl und Aluminium in großem Umfang. Ihre Wettbewerbsposition in den internationalen Märkten verschlechtert sich. Damit sinken auch unsere Absatzchancen in den USA.“

Die längerfristigen Folgen der aktuellen US-Handelspolitik bereiten dem Hawe-Chef erst recht Sorgen. Von einem „Handelskrieg“, den viele schon am Horizont sehen, will er nicht sprechen. „Das ist ein großes Wort, zu groß vielleicht.“ Allerdings rechne er durchaus mit „Gegenmaßnahmen“. Das ganze Szenario führe zu einer „Dämpfung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums“. Haeusgen: „Verlierer sind die Arbeitnehmer und Familien in den USA, deren Arbeitsplätze und Einkommen unsicher werden.“

Ähnliche Gedanken macht sich Hubert H. Löcherer, Aufsichtsratsvorsitzender von Dorst Technologies. In einem ersten Schritt ist das Kochler Unternehmen nicht unmittelbar betroffen – auch wenn es immerhin rund 20 Prozent seines Umsatzes in den USA macht. Doch Löcherer stellt selbstbewusst fest: „Unsere Produkte werden im Automotive-Bereich gebraucht.“ Einen Absatzrückgang oder mögliche Importbeschränkungen fürchtet Löcherer daher nicht. Und auch auf das Tochterunternehmen „Dorst America Inc.“ in Bethlehem (Pennsylvania) hätten Strafzölle auf Stahl und Aluminium keine direkten Auswirkungen.

Hubert H. Löcherer, Dorst Technologies

Löcherer ist aber vor allem eines ein Anliegen: dass die EU und die Bundesregierung jetzt besonnen auf Trumps Schritte reagieren. Die Ankündigung, als Gegenmaßnahme Strafzölle auf Harley-Davidson-Motorräder oder Whisky aus den USA zu erheben, hält der Dorst-Chef schlicht für „Unsinn“. Denn das Schlimmste wäre aus seiner Sicht, wenn sich die gegenseitigen Handelsbarrieren hochschaukeln. „Wenn Trump seine Drohung wahr macht, die Autoindustrie mit Strafzöllen zu belegen, dann sind die deutschen Interessen gewaltig betroffen“, sagt Löcherer. Rückschläge für die deutsche Autoindustrie „würden dann direkt auf uns durchschlagen, denn viele Autozulieferer sind unsere Kunden“.

Deswegen wünscht sich Löcherer dringend, dass Deutschland „ganz in Ruhe und klug mit den USA verhandelt und Trump nicht verbal attackiert und reizt“.

Auch in dieser Hinsicht liegt Löcherer auf einer Wellenlänge mit Hawe-Chef Haeusgen, der sagt: „Die Reaktion der EU wird maßvoll und sachgerecht sein. Hier zeigt sich wieder, wie wichtig die EU als supranationale Organisation ist. Die einzelnen Mitgliedsländer hätten hier keine Chance, ihre jeweilige Verhandlungsposition wäre lächerlich gering.“

Dass seine Firma einmal von Einfuhrbeschränkungen in die USA betroffen sein könnte, davor ist Armin Hilgarth nicht bange. „Wir sind in Bereichen tätig, in denen man unsere Produkte nicht so einfach von heute auf morgen ersetzen kann“, sagt der Geschäftsführer von Sitec Aerospace in Bad Tölz. Schwer vorherzusehen sei allenfalls, wie sich die Strafzölle auf die Preise der amerikanischen Teilezulieferer von Sitec auswirken. Wie Löcherer auch macht sich Hilgarth am meisten Sorgen um mögliche Folgen für die deutsche Autoindustrie, bleibt aber insgesamt gelassen. „Was hilft es, mich über Dinge aufzuregen, die ich ohnehin nicht ändern kann?“

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