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Streetbunnys: Das steckt hinter der ganz anderen Motorradcrew

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Von: Tobias Gmach

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© ast

Ein Plüschkommando auf Hilfsmission: Die Streetbunnys sammeln seit fünf Jahren Spenden für kranke Kinder. Über eine ganz andere Motorradcrew.

Bad Tölz/Lenggries – Für die volle Ladung Plüsch ist es zu heiß an diesem Maitag. Deshalb nimmt Christine Krumbiegel die Hasenohren ab und lüftet ihr Kostüm durch. Die Autofahrer und Passanten an der Tölzer Isarbrücke starren sie trotzdem an. Den Aufnäher auf ihrem weißen Kuschel-Outfit können sie aus der Ferne nicht erkennen. „Ja! Ich schwitze. Für den guten Zweck“, steht da.

Der Aufnäher erklärt, warum sich eine 51-jährige Tölzerin freiwillig für alle zum Hasen macht. Die Frau mit den blauen Strähnchen im kurzen Haar ist Regionalleiterin der „Streetbunnycrew München und Umland“. Als verkleidete Hasen fahren mittlerweile rund 370 Menschen durch ganz Deutschland. Zehn Gruppen hat der Verein bundesweit, eine sogar in Texas, USA. Doch es geht hier nicht um einen Motorradclub, um pures Vergnügen, Partys und Freiheitsgefühle. Christine Krumbiegel kleidet sich so ulkig, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie will angestarrt und im besten Fall angesprochen werden. „Denn dann können wir erklären, was wir machen“, sagt sie.

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Die Streetbunnycrew München und Umland posiert vor der Bavaria. Eine Tölzerin und eine Lenggrieserin sind dabei.

Die Streetbunnys sammeln Spenden für Kinder, die schwer krank sind oder im Sterben liegen. Oder für Obdachlose, die sich von Tag zu Tag kämpfen. Sie bauen Infostände auf bei Streetart-Festivals oder Charity-Events. Sie fahren mit dem Schriftzug „Plüschkommando“ auf der Brust zu Waisenhäusern und Kinderkliniken – oder einfach nur durch die Gegend, um gesehen zu werden. Seit nun fünf Jahren geht das so, und das soziale Engagement wird immer größer.

„Glänzen in Kinderaugen“: Lenggrieserin trägt Hasenkostüm mit Stolz

Im Landkreis allerdings, sagt Krumbiegel, gebe es noch Nachholbedarf: „Wir brauchen mehr Hasen.“ Zumindest einen weiteren gibt es im Isarwinkel: die Lenggrieserin Sabine Schwaiger. Seit einem Jahr ist sie mit den Bunnys als Sozia unterwegs. Selbst fahren darf sie wegen einer Erkrankung nicht. „Wenn du das Glänzen in den Augen der Kinder siehst, dann trägst du das Teil mit Stolz“, sagt die 40-Jährige. „Das Teil“, also ihr Plüschkostüm, ziehe sie sogar manchmal beim Ausgehen an.

Mit einer Hilfsmission werden die Bunnys nicht immer assoziiert. Junggesellenabschied? Lesben- oder Schwulenparade? Eher dürfen sie sich Sprüche oder blöde Kommentare in dieser Richtung anhören. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich in so ein Outfit zu schmeißen“, sagt Schwaiger. „Gerade Männer kostet es Überwindung“, ergänzt Krumbiegel. Die männlichen Hasen sind nämlich ganz in Pink unterwegs. Doch: Die Kuschel-Kleider helfen dabei, „das Image des bösen Bikers zu reduzieren“, sagt Krumbiegel, selbst Motorradfahrerin aus Leidenschaft. „Wir halten uns penibel an die Straßenverkehrsordnung.“ Die Bunnys wollen demonstrieren, dass sie nicht für ein Vollgas-Vergnügen stehen – sondern für Hasen mit Herz.

Hasen gesucht

Die Streetbunnycrew sucht Mitglieder. Infos dazu gibt es im Internet auf der Homepage streetbunnycrew.net oder in der Facebook-Gruppe „Streetbunnycrew official“.

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