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Nahmen ihr Publikum mit auf eine Zeitreise: Die Fishbones um (v. li.) Peter Horn, Florian Rein und Sebastian Horn.

Bananafishbones

Silvesterraketen im Kaminfeuer

So feiert man Jubiläum: Die Bananafishbones lockten ihre Fans in vier ausverkaufte Konzerte ins Kurhaus, um 30 Jahre Bandgeschichte zu präsentieren. Dabei weckten sie Neugier auf das versprochene neue Album wie auf alte Stücke, die die drei bisher selten gespielt hatten.

Bad TölzEinen sehr launigen Einblick in „Phase eins bis vier“ gab Sebastian Horn beim Freitagskonzert der Bananafishbones im Tölzer Kurhaus – alles stand im Zeichen des 30-jährigen Bandjubiläums. Zu jedem Album der Musiker, die auf Bildschirmen im Hintergrund gezeigt wurden, hatte er Anekdoten parat. „,Come to sin‘ spülte uns in die Welt hinaus“, formulierte es Horn, das US-Aufnahmestudio Universal Music lud sie in den 1990er Jahren ein. Dort steht beispielsweise Lady Gaga unter Vertrag. Dort spielten die Fishbones ausgerechnet „Swimming pool“ vor, mit dem sie sich über John Denver lustig machten, „nicht wissend, dass er das Zugpferd von Universal Music war“, so Horn. Das war’s dann mit der US-Karriere. Egal.

Raffiniert bereiteten sie ihren Fans Spaß an bisher live vorenthaltenen Stücken wie „Bunnies and Crows“ vom Album „My private rainbow“ von 2000, ein musikalisches Juwel, ebenso wie das soulige „Jimmy Corrigan“ (Album „36 Quadratmeter“, 2004). Das hätten sie einmal nachts mit Jugendlichen auf dem Viechtacher Marktplatz gesungen, statt „Easy day“. „Das hat mich echt beeindruckt“, sagte Horn. Dieser Teil des Abends machte stark Lust darauf, die Alben mal wieder anzuhören. Aber diese Konzertphase fühlte sich noch wie vor dem gemütlichen Kaminfeuer an, auf eine Erzählung folgte ein Song, die drei bewegten sich nicht von ihren Plätzen. Die Stimmung war schon gut, dank der einmaligen Musik und dem amüsanten Gegensatz von Sebastian Horn und Rein. Letzterer verzieh keinen Patzer beim Einhalten der Songreihe, und so musste Horn schon mal seinen Einstieg zum nächsten Stück korrigieren.

Nach der Pause steckten die drei dann die Silvesterraketen ins Kaminfeuer. Es ging verstärkt um „Phase fünf“, in der ein neues Album entstehen soll, nach zehn Jahren. Dafür stand „I like a lot“, ein marschierender, mitreißender Rhythmus, von Rein am Schlagzeug wie gewohnt präzise vorangetrieben, das Publikum unterstützte klatschend. Sebastian Horns Stimme steigerte sich von begeisternder Tiefe bis ins Schrille, Peter Horn verlieh der neuen Melodie Unverkennbarkeit mit der Gitarre.

Die Band lüftete endlich das Geheimnis des schwarzen Kastens auf der Bühne: ein Marimbaphon. Das Tölzer Gymnasium benötige ein solches für die klassische Schlagzeugausbildung, erklärte Rein, der das Instrument auch beherrschte. Mit Hilfe des Publikums und des Fördervereins der Schule könnten die nötigen 3000 Euro zusammenkommen. Wer konnte da nichts ins rosa Schweinderl am Ausgang geben, wenn der Schlagzeuger der Fishbones sich um den Nachwuchs kümmert?

Die Musiker spielten das Instrument zu dritt und sorgten für eine unvergleichliche Einlage im endlich aufgelockerten Bühnenbild. Leider gab es für die Tölzer Band auch reichlich Anlass, Tributes für verstorbene Sänger zu spielen. Diese Teile des Konzerts zeigten, welche Musikrichtungen die Fishbones drauf haben. AC/DCs “Hells Bells” war Malcolm Young gewidmet (Hard Rock), Linkin Parks “Numb” Chester Bennington (Cross Over), Soundgardens “Black hole sun” Chris Cornell (Grunge), und “Learning to fly” galt dem Rockmusiker Tom Petty.

Da die drei Tölzer Musikgrößen sich nach einem Cure-Song benennen, durfte zum Abschluss die Darbietung eines Cure-Songs nicht fehlen. Damit stahlen sie glatt „Easy day“ die Show. Die drei rückten am vorderen Rand der Bühne mit Gitarren und einem Glockenspiel zusammen. Mit letzterem spielte Rein die bekannte E-Gitarren-Melodie von „Boys don’t cry“. Horn interpretierte das Stück gesanglich leise und melancholisch. „Wir haben um diesen Song immer einen Bogen gemacht, weil wir nie wussten, wie wir es machen“, hatte Sebastian Horn zuvor erklärt. Es wurde das i-Tüpfelchen des Bandjubiläums. (Birgit Botzenhart)

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