Diese beiden Steinböcke haben Georg und Martina Riesch aus der Jachenau 2013 an der Benediktenwand entdeckt. Wegen einer Aktion des LBV sollen immer mehr Hobby-Forscher hierher kommen und die Tiere stören.

„Vogelbuberl“

Jäger und Naturschützer streiten wegen Steinbock-Zählung

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Die Jäger haben keine Lust, sich von irgendwelchen „Vogelbuberln“ vorführen zu lassen – mit dieser plakativen Kritik von Wolfgang Morlang an einem Projekt des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) haben die Jäger aus Sicht der Vogelschützer einen ziemlichen Bock geschossen. Der LBV verbittet sich diese Wortwahl.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Aktion sorgt für großen Ärger unter den hiesigen Jägern: Bereits im August des vergangenen Jahres hatte der Landesbund für Vogelschutz die bayerische Bevölkerung dazu aufgerufen, sich als Forscher zu betätigen und Steinbock-Sichtungen auf der Homepage des Verbands zu melden. Die Folge war laut Wolfgang Morlang eine „massive Beunruhigung der Tiere in den Revieren“, weil die Hobby-Forscher gezielt zur Benediktenwand kamen, um das Steinwild zu zählen. „Das ist sehr schlecht bei uns angekommen“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbands (KJV) Bad Tölz.

Deshalb ließ sich Morlang wohl vor Kurzem in der Jahresversammlung des KJV dazu hinreißen, die Teilnehmer dieser Aktion als „Vogelbuberln“ zu bezeichnen, von denen sich die Jäger „nicht vorführen lassen“ wollen (wir haben berichtet). Auf Nachfrage rudert Morlang – zumindest, was die Wortwahl betrifft – zurück: „Ich wollte niemandem zu nahe treten.“ Zu seiner Kritik steht er aber, und erklärt auch, warum:

Bei den Mitgliedern der Hochwildhegegemeinschaft Isarwinkel sei es so angekommen, als käme da ein Haufen „selbst ernannter Naturschützer“ daher, die ihnen sagen wollten, wie sie ihre Arbeit machen sollen. Und das, obwohl die meisten dieser Männer seit über 40 Jahren viel Zeit und Energie in die Hege des Steinwilds investierten. Denn bei dem LBV-Projekt geht es laut Morlang nicht nur darum, herauszufinden, wie viele Steinböcke in Bayern leben. Ziel sei es auch, Verbesserungsmaßnahmen für die Hege des Steinwilds zu formulieren. „Wenn etwas arrogant ist, dann das“, sagt Morlang mit Blick auf den Leserbrief von gestern, in dem Hans Altenberger aus Kochel den Jägern Arroganz und Selbstverherrlichung vorwirft.

Verschärft wird die Problematik aus Sicht von Morlang durch den Zeitpunkt der Aktion: Der Kreisjagdverband plant nämlich aktuell, Wildruhezonen für den Auerhahn sowie das Hasel- und Birkwild einzurichten und befindet sich deshalb mitten in den Gesprächen mit dem Landratsamt. „Der LBV zieht mit seiner Aufforderung, Steinwild zu zählen, Personen genau in diese Bereiche.“

Ein Risiko, das der Bayerische Jagdverband anscheinend nicht bedacht hat, als er sich im vergangenen Jahr zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten und dem Bund Bayerischer Berufsjäger als Projektpartner für das Mitmach-Projekt des LBV zur Verfügung gestellt hat. Hinter der Aktion steckt laut Morlang die Absicht, die Stadtbevölkerung für Naturthemen zu sensibilisieren. Dagegen hat der Vorsitzende des Kreisjagdverbands auch gar nichts einzuwenden. „Die Hege ist aber Recht und Pflicht der Jäger“, unterstreicht Morlang mit Blick auf Paragraf 1 des Bundesjagdgesetzes. „Da wollen wir uns auch nicht reinreden lassen.“

Erich Hofmann betont dagegen, dass sich niemand in die Kompetenzen der Jäger einmischen wolle. „Ich finde die Reaktion schon ein bisschen übertrieben“, sagt der Zweite Vorsitzende des LBV-Kreisverbands. Der Dietramszeller stört sich vor allem an der Wortwahl („Vogelbuberln“). „Etwas mehr Respekt wäre angebracht.“ Außerdem gibt es nach Ansicht von Hofmann deutlich größere Probleme als ein paar Bürger, die sich als Hobby-Forscher versuchen. „Mountainbiker sind viel größere Störfaktoren für das Steinwild.“

Nicht zuletzt hätte sich Hofmann gewünscht, dass er von den Unstimmigkeiten nicht aus der Presse erfahren hätte, sondern die Jäger rechtzeitig das Gespräch mit den Vogelschützern gesucht hätten. Das könnten die Konfliktparteien aber noch nachholen: Morlang hat den LBV-Kreisvorsitzenden Walter Wintersberger, der derzeit im Urlaub weilt, zur Hegeschau am letzten März-Wochenende in Lenggries eingeladen.

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