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Seltene Einblicke in die Tölzer Daseinsvorsorge: Eine Bustour mit Stadtwerke-Chef Walter Huber (weißes Hemd) führte (von li. oben im Uhrzeigersinn) zu einem Wasserhochbehälter in Gaißach, zum Hackschnitzelheizwerk am Hoheneck, zur Photovoltaik-Anlage im Farchet und zum Isarkraftwerk. 

Rundfahrt der Tölzer Stadtwerke

Strom, Wasser, Wärme: Da kommt’s her

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Türen, die normalerweise verschlossen sind, öffneten sich jetzt für eine Gruppe von interessierten Bürgern: Stadtwerke-Chef Walter Huber lüftete einige Geheimnisse der Daseinsvorsorge in Tölz.

Bad Tölz– Aus der Leitung kommt bestes Trinkwasser, die Heizung spendet Wärme, auf Knopfdruck geht das Licht an: All das gilt hierzulande als Selbstverständlichkeit. Welcher Aufwand und welche Technik all das möglich machen, das zeigte Stadtwerke-Chef Walter Huber jetzt einer Handvoll Interessierter auf einer geführten Rundfahrt.

Huber hatte den bundesweiten „Tag der Daseinsvorsorge“ zum Anlass genommen, „einmal herzuzeigen, was uns auszeichnet“, wie er der kleinen Reisegruppe erklärte. Dazu zählte die „größte Photovoltaikanlage im Landkreis“, die im Tölzer Farchet auf der Fläche einer ehemaligen Mülldeponie errichtet wurde. Hier seien „die dümmsten Angestellten der Stadtwerke“ im Einsatz, merkte Huber an. Gemeint war eine Schafherde. Die halte das Gras so niedrig, dass die Module nicht unnötig beschattet werden. Mit einer Leistung von 1,4 Megawatt (MW) sei die PV-Anlage „fast so groß wie das Isarkraftwerk“, sagte der Stadtwerke-Geschäftsführer. Der Unterschied bestehe darin, dass die Sonne eben nur 1100 Stunden im Jahr scheine, während das Isarkraftwerk rund um die Uhr laufe und somit übers Jahr das Zehnfache an Strom produziere.

Das Isarkraftwerk decke heute rund 20 Prozent des Tölzer Strombedarfs ab, sagte Huber an der nächsten Station. Es handele sich um das einzige Kraftwerk, das das Wasser der Isar komplett nutze, ohne dass es eine Restwasserableitung gebe. Das gelte zumindest bis zu einer Wassermenge von bis zu 650 Kubikmeter pro Sekunde: So viel kann durch die Turbinen fließen. Wird es mehr – was aber nur bei einem beträchtlichen Hochwasser der Fall ist – würden eine oder mehrere Schleusen geöffnet.

Für den Kraftwerksbau 1958 habe es noch „keine großen Umweltauflagen“ gegeben. Eine Fischtreppe, die Huber der Gruppe ebenfalls zeigte, sei später dazugekommen. Heute sehe es da ganz anders aus. Aktuell planen die Stadtwerke den Bau eines Kraftwerks am Isar-Loisach-Kanal in Wolfratshausen. „Wir warten seit zwei Jahren auf die gutachten der Fachbehörden“, beklagte Huber. „Mit fehlt oft die richtige Abwägung zwischen sicherlich notwendigem Umweltschutz und dem ebenso notwendigen Umdenken in der Energieversorgung. Da muss man Kompromisse schließen.“

Mitarbeiter trafen die Teilnehmer übrigens ein keinem der Kraftwerke an: Alles werde zentral vom Stadtwerke-gebäude an der Osterleite aus gesteuert, wie Huber erklärte.

Ausbaufähig ist auch eine weitere Form der regenerativen Energiegewinnung: die aus Hackschnitzeln. Drei „Nah- oder Fernwärmeinseln“ betreiben die Stadtwerke: im Lettenholz, an der Osterleite – zur Versorgung von Südschule, Stadtwerke-Zentrale und künftig des neuen städtischen Mietshauses – sowie am Hoheneck in Wackersberg. Letzteres Hackschnitzelheizwerk war die nächste Station der Rundfahrt. Von hier aus werden vier Mehrparteienhäuser mit Wärme versorgt. „Wenn wir einen zweiten Kessel anbauen würden, könnten wir theoretisch noch weitere 30 Haushalte versorgen.“

Einen alles andere als alltäglichen Einblick erhielten die Teilnehmer abschließend in Gaißach. Dort öffnete Huber der Gruppe die Tür zum „kühlsten Ort von Tölz und Umgebung“, wie er sagte: zu einem der drei Hochbehälter, in denen das Trinkwasser für Tölz gesammelt wird. „Die drei Hochbehälter decken in etwa den Tagesbedarf von Tölz ab.“ Der liege in der Spitze bei 4000 Litern. Sieben Grad kühl ist das Wasser im Hochbehälter, laut Huber gibt es alle drei Wochen eine biologische und einmal pro Jahr eine chemische Kontrolle.

Huber wies auf eine Besonderheit hin: Die Tölzer Wasserversorgung sei auch bei einem längerfristigen überregionalen Stromausfall sicher. „Unsere Pumpen würden trotzdem weiter funktionieren, weil wir eine Leitung vom Isar-Kraftwerk bis Gaißach schalten könnten. Und das Isar-Kraftwerk lässt sich schwarz starten, das heißt unabhängig von außen.“

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