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Energiepreise explodieren: Experte mit düsterer Prognose - „Wird für viele noch furchtbar teuer“

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Von: Andreas Steppan

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Strom, Gas, Öl: Die Energiepreise sind exorbitant gestiegen. Das trifft viele Verbraucher hart. Trotz explodierter Beschaffungspreise halten die Tölzer Stadtwerke die Strompreise stabil – noch.

Bad Tölz – Die Verbraucher merken es nicht nur an der Zapfsäule, sondern zum Teil schon jetzt an ihren Strom-, Gas- und Ölrechnungen: Die Energiepreise sind deutlich angestiegen. Das böse Erwachen, so die Einschätzung des Tölzer Stadtwerke-Chefs Walter Huber, könnte für viele Ende 2022 kommen, wenn die Preissteigerungen mit zeitlicher Verzögerung auf die Nebenkostenabrechnung für Strom, Gas und Öl durchschlagen und hohe Nachzahlungen fällig werden. „Das wird für viele furchtbar werden“, sagt er. Kunden der Stadtwerke hingegen könnten „einigermaßen gelassen zumindest in die nähere Zukunft schauen“. Denn hier bleiben die Preise zumindest für dieses Jahr weitgehend stabil.

Energiepreise deutlich gestiegen - „Billiganbieter wälzen Risiken auf uns ab“

Das, so Huber, liege an der langfristigen Einkaufspolitik der Stadtwerke in einem Verbund von Kooperationspartnern. In jüngster Zeit seien die Einkaufspreise an der Strompreise „verrückt hochgegangen“, sagt Huber. Innerhalb von wenigen Monaten hätten sich die Bezugspreise verachtfacht. „Aktuell liegen sie noch beim Vierfachen des früheren Niveaus.“

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Dank langfristiger Bezugsverträge profitieren die Stadtwerke laut Huber aktuell aber noch von den „guten, alten Einkaufspreisen“. Daher habe das Kommunalunternehmen seine Preise zum Jahreswechsel auch nur minimal erhöht. Aktuell bezahlen die Kunden der Stadtwerke im Stadtgebiet Bad Tölz 29,80 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und einen Grundpreis von 150 Euro im Jahr. Bei einem Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3000 kWh ergibt das eine Summe von 1044 Euro im Jahr.

Strompreise „verrückt hochgegangen“ - Stadtwerke nehmen Kunden von Billiganbietern auf

Anders sah die Situation zuletzt bei sogenannten Billiganbietern aus. So geriet unter anderem der „Energiediscounter“ Stromio in die Schlagzeilen, der den Kunden zunächst günstige Tarife angeboten hatte, ihnen dann aber kurzerhand die Verträge kündigte, als die Beschaffungskosten an der Börse exorbitant anstiegen.

Das hatte auch Auswirkungen auf die Tölzer Stadtwerke. Sie sind in Bad Tölz der Anbieter mit den meisten Kunden – und somit offiziell „Grundversorger“, der sozusagen heimatlos gewordene Haushalte als Stromkunden aufnehmen muss. Das passiert dann im Grundversorgertarif, der für den Kunden ein wenig teurer ist (Grundpreis: 157,55 Euro, Arbeitspreis: 32,79 Cent/kWh, bei 3000 Euro kWh Verbrauch: 1141 Euro/Jahr).

Wegen gestiegener Kundenzahl müssen Stadtwerke Strom teuer nachkaufen

Laut Huber fielen auf diese Weise „einige hundert“ Kunden auf die Tölzer Stadtwerke zurück. Manche orientierten sich nach zweiwöchiger Kündigungsfrist im Anschluss neu, andere blieben. Über den unverhofften Kundenzuwachs können sich die Stadtwerke allerdings nur bedingt freuen.

„Denn für diese Kunden haben wir den Stromeinkauf nicht einkalkuliert und müssen für sie nun teuer Strom nachkaufen“, erklärt Huber. Das könne zur wirtschaftlichen Belastung für die Stadtwerke werden. Im Laufe des Jahres seien deswegen „moderate“ Preissteigerungen möglich, sagt Vertriebsleiter Michael Betzl. Er kritisiert: „Die Billigstromanbieter hingegen wälzen ihre wirtschaftlichen Risiken auf die Stadtwerke ab.“

„17er“ nimmt aktuell keine neuen Kunden auf

Der Anbieter „17er Oberlandenergie“ – ein Zusammenschluss der Gemeindewerke Murnau und der Stadtwerke Bad Tölz, Geretsried, Penzberg und Wolfratshausen sowie von 23 Gemeinden im Oberland – nimmt aktuell schon gar keine neuen Stromkunden mehr auf. „Hier haben wir den Handel tatsächlich ausgesetzt“, erklärt Walter Huber, der bei der „17er Oberlandenergie Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Zuvor habe das Unternehmen vorübergehend einen „abschreckenden“ Strompreis angesetzt: 77 Cent pro Kilowattstunde. „Das ist der Preis, den wir bei den jetzigen Einkaufspreisen eigentlich nehmen müssten“, sagt Huber. Doch selbst unter diesen Konditionen hätten noch drei oder vier Neukunden einen Vertrag abgeschlossen – was aber von Seiten des Anbieters so gar nicht vorgesehen gewesen.

Hohe Energiepreise in Bayern: Stadtwerke - „Wollen Preisstabilität heuer halten“

Für die Stadtwerke Tölz sagt Huber: „Wir wollen die Preisstabilität für heuer halten.“ Sei die Situation an der Strombörse im kommenden Herbst aber ähnlich angespannt wie zuletzt, „dann trifft es uns auch“. Eine Preiserhöhung für den Endkunden könne dann 2023 nötig werden. Huber schränkt allerdings ein: Ein gestiegener Preis an der Strompreise schlage nie voll auf die Verbraucherpreise durch. Denn diese bestünden zu mehr als der Hälfte aus Steuern, Abgaben und Umlagen. Und die bleiben gleich, die EEG-Umlage wird sogar gesenkt. Wobei letztere Erleichterung auch „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“ sei, so Huber.

Explodierende Preise: Bei Gas ähnliche Situation

Was den Gaspreis betrifft, sei die Lage ähnlich wie beim Strom: Die Stadtwerke hätten hier den Preis zum Jahresbeginn „nur ganz leicht erhöht“ und können ihn laut dem Geschäftsführer aufgrund langfristiger Einkaufspolitik vorerst stabil halten. Für die Zukunft aber „traue ich mir keine Prognosen zu“, sagt Huber – zumal hier politische Unwägbarkeiten im Spiel seien: konkret der aktuelle Ukraine-Konflikt und die möglichen Auswirkungen auf die Gasversorgung in Deutschland. (Andreas Steppan und Andrea Denz)

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