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Es braucht mehr Radwege und Busse im Tölzer Land

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Es ist ein Mammutwerk. Schon die Zusammenfassung des Strukturgutachtens für die Region 17 umfasst 60 Seiten. Vorgestellt wurde es jetzt dem Kreistag. Es geht um die Themen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Und darum, wie sich Defizite beheben lassen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf der Grundlage des Gutachtens, das MVV und die Ingenieurgesellschaft Schlothauer & Wauer erstellt haben, wird der Regionalplan für die vier Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau fortgeschrieben. Die Expertise analysiert erst einmal den Ist-Zustand. Die Region – vor allem die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach – wächst. Das gilt sowohl für die Einwohnerzahl als auch für die Wirtschaft. Das ist nicht nur positiv, sondern bedeutet auch, „dass wir mit immensen Herausforderungen zu kämpfen haben“, sagte Landrat Josef Niedermaier.

Straßenmäßig ist alles gut erschlossen – auch wenn viele Strecken überlastet sind: beispielsweise die Tölzer Umgehungsstraße oder auch die B11 im Bereich von Wolfratshausen. Zwar sind verschiedene Straßenprojekte geplant, dadurch lösen sich aber die Probleme nicht. Vielmehr verlagern sich manche dadurch nur, wie Ulrich Glöckl und Markus Haller, die das Gutachten vorstellten, betonten.

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Helfen könnte hier, wenn weniger Menschen ins Auto steigen und mehr mit dem Rad fahren oder den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen. Das Problem: In beiden Bereichen gibt es Defizite. Im Radwegnetz klaffen große Lücken. Dabei geht es weniger um die Freizeitradler als um diejenigen, die sich täglich in den Sattel schwingen und schnell von A nach B wollen, um beispielsweise in die Arbeit zu kommen. „Lücken zwischen Bad Tölz und Geretsried, Reichersbeuern und Waakirchen sowie Richtung Penzberg“, nannte Glöckl als Beispiele. Es brauche für den „Alltagsverkehr attraktive Schnellwege“, so der Gutachter – und eine Planung, die nicht an der Gemeinde- oder Landkreisgrenze endet.

Erreichbarkeit per Bus ist vielerorts mangelhaft

Luft nach oben ist auch beim ÖPNV. Der sei geprägt vom Schülerverkehr. „Der normale Arbeitnehmer braucht den Bus aber nicht nur an Schultagen“, sagte Haller. Vor allem in den Ferien seien viele Orte nur mangelhaft mit dem Bus erreichbar. Schlecht bestellt ist es in diesem Bereich generell um Dietramszell und Sachsenkam. Negativ sei auch, dass es kaum landkreisübergreifende Busverbindungen gebe, so Haller.

Die Defizite im ÖPNV ergeben sich auch durch die Siedlungsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Die konzentrierte sich nicht auf die Hauptorte. Vielmehr verteilte sich das Wachstum gleichmäßig auf alle Ortsteile. Die alle mit Bussen zu erschließen ist teuer und kaum machbar. Innen- vor Außenentwicklung gibt das Gutachten daher als eine Leitlinie vor. Eine weitere plädiert für die Stärkung der Siedlungsentwicklung an den Schienenwegen und an Achsen mit gutem ÖPNV. Ähnliches gilt für die Neuausweisung von Gewerbegebieten. Beim am Reichersbeurer Kranzer geplanten interkommunalen Gewerbegebiet müsse man beispielsweise noch einiges an der Busanbindung verbessern, so Glöckl.

Halbstundentakt für die BOB

Die Siedlungsentwicklung an ÖPNV-Achsen festzumachen, empfand der Dietramszeller Vize-Bürgermeister Michael Häsch (CSU) als „großen Eingriff in die Planungshoheit der Gemeinden“. Landrat Niedermaier beschwichtigte: „Natürlich müssen sich auch kleine Landgemeinden entwickeln können.“ Aufgabe des Gutachters sei es zu sagen, was aus seiner Sicht Sinn ergeben würde. „Ob uns das gefällt, ist dabei egal. Wir können aber natürlich auch andere Schlüsse daraus ziehen.“

Sinn hätte aus Sicht der Gutachter auch eine Elektrifizierung der BOB-Strecken und ein Halbstundentakt zwischen Lenggries und München. Das setze ja einen zweigleisigen Ausbau des Schienennetzes voraus, merkte Peter Gascha (FW) an und bezweifelte, dass das in den kommenden Jahren umsetzbar ist. „Und dann sollen wir daran unsere Siedlungsentwicklung orientieren?“ Niedermaier war nicht ganz so pessimistisch. „Einige Begegnungsstellen würden schon reichen, um den Halbstundentakt zu ermöglichen.“

Mit der Verwertung der Ergebnisse des Strukturgutachtens wird sich nun der Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands in seiner Sitzung am 25. Juli in Ettal befassen.

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