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Vor dem Landgericht wird der Fall verhandelt. 

Prozessbeginn am Landgericht

Sturz vor Tölzer Bäckerei: 62-Jährige verklagt die Stadt

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2015 stürzte eine Frau an der Dietramszeller Straße in Bad Tölz. Jetzt möchte sie von der Stadt Schmerzensgeld und Schadensersatz. 

Bad Tölz/München Voll bepackt mit Backwaren kam Anneliese M. (62, Name geändert) am 30. Oktober 2015 aus einer Bäckerei an der Dietramszeller Straße in Bad Tölz. Auf dem Vorplatz wurde gerade umgebaut, sodass ein etwa zehn Zentimeter hoher Randstein aus der Straße ragte. Es kam, wie es kommen musste: Die Frau stürzte über die Kante, schlug auf dem Asphalt auf und brach sich den linken Oberarm – gleich dreifach. Auch vier Jahre später hat sie noch Beschwerden.

Die Schuld für den Unfall sieht die Steuerfachangestellte bei der Stadt. Diese habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. Vor dem Landgericht München II verlangt die Frau 25 000 Euro Schmerzensgeld und 25 000 Euro Schadensersatz. Am Donnerstag wurde verhandelt.

Sturz vor Bäckerei: „Es war ein wahnsinniger Schmerz“

Die Tölzerin erinnerte sich, dass sie damals auf der Straße lag und nicht mehr aufstehen konnte. „Es war ein wahnsinniger Schmerz“, sagte sie. Zwei Handwerker hätten ihr aufgeholfen und ihren Sohn angerufen. Dieser habe sie ins Krankenhaus gefahren.

Seit dem Unfall ist sie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Sie habe immer Schmerzen, berichtete sie der Richterin. Außerdem sei der Arm manchmal taub. „Heute habe ich sehr akute Schmerzen“, sagte Anneliese M. in der Gerichtsverhandlung. Demnächst werde sie noch einmal „in die Röhre“ geschoben. Der Arzt sei der Ansicht, dass auch Halswirbel betroffen seien. Täglich nimmt sie Schmerztabletten, zweimal wöchentlich muss sie zur Physiotherapie. Einmal im Monat geht sie zur Faszientherapie, die sie selbst bezahlen muss.

Den Haushalt kann die 62-Jährige nicht mehr allein bewältigen

Den Haushalt kann die 62-Jährige seit dem Unfall nicht mehr allein bewältigen. Dabei müssen ihr ihr Mann sowie die Kinder zur Hand gehen. Auch das Autofahren ist ein großes Problem. Sie kann nur noch kurze Strecken, etwa 15 Minuten lang, fahren.

Ihrer Arbeit als Steuerfachangestellte kann sie zwar noch 25 Stunden nachgehen, beim Ordner-Tragen müssen ihr allerdings die Kollegen helfen. Sowohl Kraft als auch Feinmotorik habe sie verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass sie vor rund 15 Jahren einen Arbeitsunfall hatte, bei dem sie sich den rechten Ellbogen zertrümmerte, sodass auch der zweite Arm geschädigt ist. Ihr Ehemann (72) bestätigte die Probleme. „Wir helfen halt zusammen“, sagte er.

Die Richterin regte Vergleichsverhandlungen zwischen den Parteien an, schlug 10 000 Euro vor. Doch damit war der Anwalt der Stadt nicht einverstanden. Somit scheiterte eine gütliche Einigung. Nun wird die Richterin Anfang April ein Urteil verkünden – oder beschließen, wie der Prozess weitergeht, falls noch Zeugen gehört werden müssen. 

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