+
Riesige Tücher, Kisten und Videoinstallationen sind in der Ausstellung von Florian Hüttner in der Tölzer Wandelhalle zu sehen.

Schau eröffnet

super Tölz, bad Tölz

Wo die Wandelhalle im Norden endet, dort befindet sich das geheime Atelier des Tölzer Künstlers Florian Hüttner. Besucher führt er nicht hinein. Aber die Werke, die dort entstanden sind, kann man derzeit im restlichen Teil des riesigen Gebäudes an der Tölzer Ludwigstraße betrachten.

Bad Tölz – Eröffnet wurde die Ausstellung jetzt vor rund 100 Besuchern.

Hüttner ist gebürtiger Tölzer, hat aber 18 Jahre in Hamburg gelebt. In früheren Ausstellungen ist es ihm und seinem Team gelungen, namhafte internationale Künstler nach Bad Tölz zu bringen. Hausherr Anton Hoefter erinnerte bei der Vernissage an Katharina Sieverding („Die Sonne um Mitternacht“), Mark Dion („Shooting Gallery“), Malte Struck & Mark Wehrmann mit „Spiritual Healing“ oder Thomas Klipper, der „Flucht und Migration“ künstlerisch darstellte.

Nun, nach über zehn Jahren, war Hüttner selbst an der Reihe. Zusammen mit Stephan Dillenmuth, Professor an der Kunstakademie in München, hat der 1964 geborene Hüttner die riesige Halle „bespielt“: Zu sehen sind scheinbar schnell skizzierte DIN-A4 Zeichnungen ebenso wie riesige Tücher, die als Theaterkulissen in Auftrag gegeben worden waren, großformatige bunte Blätter, die wie Herbstlaub am Boden liegen, bunte Collagen an Stellwänden, Videoinstallationen und vor allem Holzkisten. Sie dienen Hüttner zum einen als Transportverpackung für Bilder, nehmen in ihrem Inneren aber auch andere Kunstwerke auf oder wurden per Videokamera verfolgt, wie sie Bäche und Flüsse hinabschwammen. Das erinnerte Dillenmuth an die Flößertradition der Stadt. Um die künstlerische Erkundung der Landschaft, der Wege und Straßen sowie der Abwasserkanäle gehe es Hüttner auch, sagte Dillenmuth.

Der Titel der Ausstellung lautet „super/bad Tölz“. „Super“ schwärmt von der Heimatstadt des Künstlers. Das „bad“ von Bad Tölz hingegen ist kleingeschrieben und bedeutet im Englischen „schlecht“. Das verleiht der Ausstellung einen bösen Unterton. „Das ist aber keineswegs ein Seitenhieb auf Bad Tölz“, stellte Hüttner klar.

Wer sein Augenmerk auf die Exponate richtet, die der besseren Übersicht halber auch von einem Gerüst aus betrachtet werden können, wird überrascht von der Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, auch wenn sich der innere Zusammenhang nicht offenbart. Vielleicht aber liegt der ohnehin woanders. Gleitet der Blick des Betrachters nämlich hinaus durch die lange schon nicht mehr geputzten Fensterscheiben auf den verwilderten Parkplatz, so sieht man dort noch ein paar einsame Plakatwände, die auf die Attraktionen im längst geschlossenen Alpamare hinweisen. Das war auch mal „super“. Heute ist die Situation für Bad Tölz aber eher „bad“.

Die Ausstellung

ist noch bis Sonntag, 22. Oktober, mittwochs bis sonntags von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

Karl Bock

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stoiber als „Zugsalbe“ für den Wahlerfolg
Edmund Stoiber bewegt immer noch die Menschen: Zahlreiche Zuhörer
Stoiber als „Zugsalbe“ für den Wahlerfolg
GroKo bekommt viel Gegenwind aus dem Oberland
Große Koalition ja oder nein? Auf einem Sonderparteitag in Bonn wird die SPD an diesem Sonntag darüber abstimmen, ob auf Basis der Sondierungsgespräche …
GroKo bekommt viel Gegenwind aus dem Oberland

Kommentare