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Eine Kundentoilette zu haben, ist für Supermärkte nicht verpflichtend.

Öffentliche Toiletten

Supermärkte stillen nicht jedes Bedürfnis

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Jeder muss mal, aber nicht jeder darf: Ein dringendes Bedürfnis im Supermarkt kann böse enden. Die Suche nach einer Kundentoilette ist häufig ein Griff ins Klo. Und Mitarbeitertoiletten dürfen selten benutzt werden. Ein Malheur.

Dieses Gefühl, ganz dringend auf die Toilette zu müssen, kennt jeder. Und doch redet niemand gerne darüber, wie es ist, wenn man es nicht mehr halten kann. Einem 84-Jährigen ist das vor ein paar Tagen passiert. Das Ärgerliche: Er hat es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette geschafft, weil er beim Einkaufen war und im Supermarkt nicht austreten durfte. „Das darf in öffentlichen Geschäften nicht sein, es sucht doch immer wieder mal jemand eine Toilette“, sagt sein Sohn gegenüber unserer Zeitung. Passiert ist das Ganze im Edeka-Markt in Gaißach.

Dass es dort grundsätzlich keine Kundentoilette gibt, bestätigt die stellvertretende Filialleiterin auf Nachfrage. Und die Räume der Mitarbeiter dürfen Außenstehende nicht betreten – Ausnahmen gibt es nicht, auch wenn es noch so eilig ist. Der Vorfall „tut mir total leid“, sagt sie. Allerdings nennt sie einen plausiblen Grund für die strikte Regelung: „Seit bei uns zweimal eingebrochen wurde, geht bei uns keiner mehr auf die Mitarbeiter-Toilette“, sagt die Filialleiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

So streng geht auch der Edeka-Markt in Kochel am See mit Kunden um, die während ihres Einkaufs ein dringendes Bedürfnis ereilt. Das hat allerdings andere Gründe. „Wir haben sehr schlechte Erfahrungen, weil die Mitarbeiter-Toilette mehrmals übel aussah, nachdem fremde Leute dort waren“, erklärt Unternehmer Hans-Joachim Freywald.

Im Fall der Fälle schicken die Kochler Mitarbeiter ihre Kunden zur öffentliche Toilette am Bahnhof. „Die meisten haben Verständnis, das sind ja nur 300 Meter“, sagt Freywald. In Gaißach geht so etwas nicht – es gibt keine öffentliche Toilette. „Wir haben die Leute jetzt schön öfter zur Gemeinde geschickt“, heißt es im Edeka, weil öfter auch Reisende vom Bahnhof eine Toilette suchten. Laut Rathaus dürfen Besucher die Toilette dort zu den Öffnungszeiten nutzen.

Bad Tölz ist hingegen in dieser Hinsicht „sehr gut bestückt“, sagt Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter. Weil die Stadt nicht an jeder Ecke öffentliche Toiletten bereitstellen kann, setzt sie auf Kooperationen mit der Gastronomie. Sieben Lokale haben den Aufkleber „Nette Toilette“ an ihrem Eingang befestigt, der Passanten signalisiert, dass sie kostenlos die Toilette benutzen dürfen. Dafür erhalten sie eine Reinigungspauschale von der Stadt. „Das ist eine unkomplizierte Zusammenarbeit, es gibt keine negative Resonanz“, sagt Hohenreiter.

Die Zusammenarbeit funktioniert mit Gaststätten, weil diese gesetzlich verpflichtet sind, ein stilles Örtchen für Kunden bereitzustellen. Bei Warenhäusern und Verkaufsstätten beruht das laut Polizei auf freiwilliger Basis. Trotzdem gehört es für manche Marktbetreiber zum Service. „Wir haben in all unseren Kaufland-Filialen eine Kundentoilette“, sagt etwa Pressesprecherin Christina Axtmann. Da komme es auch nicht darauf an, ob der Besucher im Laden kauft oder nicht. „Jeder, der ein dringendes Bedürfnis hat, darf dem dort nachkommen.“

Auch der Edeka-Markt in Lenggries erlaubt Kunden auszutreten. „Wir haben seit dem Umbau eine Toilette für Kunden beim Backshop“, sagt Filialleiter Peter Kottke. In älteren Märkten sei das seltener, so dass man Kunden zur Not auf die Mitarbeiter-Toilette schicken müsse. Das sei allerdings ein Hygieneproblem für den Markt. „Es gibt halt welche, die sich die Hände nicht waschen und dann wieder in den Laden gehen“, sagt Kottke.

Ob freiwillig oder nicht, Toiletten sind für Kunden ein gefragter Service. „Als meine Tochter klein war, hab ich den Supermarkt danach ausgesucht“, berichtet etwa eine Tölzerin (38). Ihre damals Dreijährige musste nämlich regelmäßig vormittags beim Einkaufen ein kleines Geschäft erledigen. „Da fielen die Märkte ohne WC einfach weg“, sagt sie und entschied sich meist für die Rewe-Filiale.

Der Aldi-Konzern sei sich dieser Thematik bewusst, sagt Kirsten Geß auf Anfrage. „Beim Neubau der Aldi-Süd- Filialen gehört eine Kundentoilette mit zur Ausstattung.“ In Märkten ohne WC sei es allerdings nicht möglich, die Mitarbeiter-Räume zu betreten. Dort wo es baulich möglich ist, werde aber nachgerüstet, so Geß.

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