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Haben das Café der Tagesstätte Aufwind renoviert (v. li.): Faik Sagonjeva, Alexander Majewski, Tuncay Eroglu, Karin Killy und Ales Grojezdek. Geholfen haben auch noch viele andere, die nicht auf das Foto wollten. 

Tagesstätte Aufwind

Ein Café, das alle aufrichtet

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Bad Tölz – Alltag, Gesellschaft und eine Aufgabe: Die Tagesstätte Aufwind bietet Menschen mit psychischer Erkrankung einen Ort, an dem sie akzeptiert werden. Nun haben alle mitangepackt und das Café an der Ludwigstraße renoviert.

Die Diagnose lautet Depression. In der stationären Behandlung war noch alles in Ordnung. Es gab Beschäftigung, Therapien und Gesellschaft. Mit der Entlassung ändert sich das. Es gibt keinen Zeitplan mehr, womöglich keine Aufgabe, keine Ansprechpartner. Hier fängt die Tölzer Tagesstätte Aufwind Menschen mit psychischer Erkrankung auf: Sie bietet ihnen einen Zufluchtsort, Tagesablauf und Kontakt mit Gleichgesinnten.

An diesem Vormittag sitzen fünf Menschen in dem hellen Raum an der Ludwigstraße. Die Tagesstätte sieht nicht aus wie ein Therapiezentrum, sondern besteht aus einem gemütlichen Café und einem Garten. „Jeder kann kommen, wir haben ein niederschwelliges Angebot“, sagt Karin Killy vom sozialpädagogischen Team.

Niederschwelliges Angebot heißt, Menschen mit psychischer Erkrankung oder in einer Lebenskrise können in der Tagesstätte Aufwind Kaffee trinken, Gespräche führen, an Ausflügen teilnehmen oder sich für Gruppenangebote eintragen. „Wir haben zum Beispiel eine Näh- und eine Laufgruppe“, sagt Killy.

Die Erzieherin näht selbst gerne und hat auch Erfahrung im Theater gesammelt. „Ich mag an der Arbeit hier, dass ich mich persönlich einbringen kann“, sagt sie. Ihr Kollege Ales Grojezdek schätzt den Kontakt mit den Klienten. „Ich finde es sehr interessant, die Lebensgeschichten zu hören.“ Die vier Mitarbeiter haben immer ein offenes Ohr für die Besucher der Tagesstätte. „Wir vermitteln aber auch weiter.“

Ein paar der Klienten arbeiten in der Küche mit. Auch das gehört zum Anschlusskonzept der Tagesstätte. „Damit niemand in ein Loch fällt, wenn eine stationäre Maßnahme endet“, erklärt Killy. Im Küchenteam gewöhnen sich viele wieder an eine Tagesstruktur. „Es ist gut fürs Selbstwertgefühl zu hören, dass es gut geschmeckt hat.“

Das Küchenteam bereitet jeden Tag ein anderes Mittagsangebot vor. „Nudeln mit Thunfischsoße“, steht heute an der Tafel. Es kostet 2,50 Euro – ein günstiges Angebot für diejenigen, die sonst alleine daheim essen müssten oder womöglich gar nichts zu essen hätten. Das Café ist aber für alle Menschen geöffnet. „Ein paar vom Betrieb gegenüber kommen auch in ihrer Mittagspause.“

Mit den Einnahmen aus dem Café verdient sich die Tagesstätte quasi etwas dazu. „Der Bezirk finanziert 20 Plätze“, sagt Grojezdek. Eigentlich ist die Zielgruppe aber viel größer. „Wir haben etwa 400 Kontakte im Monat.“ Er würde sich trotzdem wünschen, dass die Einrichtung noch bekannter wird. „Allgemein ist die Akzeptanz psychischer Erkrankungen sehr gering“, sagt Killy. Da heiße es in der Familie oft, man solle sich mal zusammenreißen. Aber „wer aus einer Reha kommt, ist nicht gesund“.

Die Tagesstätte ist seit rund zehn Jahren an der Ludwigstraße ansässig. Zuletzt war das Café laut Killy ein „abgewohnter Mix aus allem“. Nun haben alle Besucher der Tagesstätte mitangepackt, um den Raum mit der Tölzer Künstlerin Katrin Frommberger umzugestalten. Das Thema Birke findet sich nun in jeder Ecke wieder. Killy: „Es ist richtig klasse.“

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