Stellwerksstörung am Ostbahnhof: Erhebliche Beeinträchtigungen für Wiesn-Besucher und Pendler

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Der Taubenschützenstand am Tölzer „Binderbräu“ funktioniert wie ein großes Pendel. Die Holztaube hängt an einer Kette, schwingt beim gefühlvollen Loslassen Richtung Scheibe und bleibt dort stecken. Wirt Andreas Binder (re.) übt sich in Präzisionsarbeit, Zimmerer Klaus Bernwieser hat den Stand errichtet. 

Einweihung am Samstag

Taubenschießen statt rauchen: Ein Tölzer Verein macht wieder Sinn 

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Dem Tölzer Rauchclub „Gemütlichkeit“ ist der Sinn abhanden gekommen. Aber nun belebt er einen historischen Wirtshaus-Sport wieder – und damit auch gleich den Verein.

Bad Tölz – Ein Rauchclub, in dem keiner mehr raucht, hat seinen Sinn verloren. „Bei unseren Stammtischen rauchen vielleicht zwei von 15 Mitgliedern“, sagt Andreas Binder. Als Pfeifenwart hütet er das historische Inventar des Tölzer Rauchclubs „Gemütlichkeit“, den Junggesellen 1889 gründeten. Als Nichtraucher und Wirt des Tölzer „Binderbräus“ hat er nun überlegt, „wie wir den Club wieder beleben können“. Ein neuer Sinn musste also her – wegen des ausnahmslosen Rauchverbots in Lokalen 2010 eigentlich schon seit langem. Und er heißt: Taubenschießen, ein alter Wirtshaussport, der mehr Präzision als Schweiß erfordert.

Wie bitte? Ja, Taubenschützenstände gibt es nach Binders Recherchen heute nur noch in Nußdorf am Inn, in Altaussee (Steiermark) und irgendwo in Wien. Aber jetzt eben auch im Hof des Binderbräus: Er besteht aus einem Holzgeländer für die Zuschauer, einer Wand mit der Zielscheibe und einem Podest für den Spieler. Dort oben steht Binder, 48, in der grünen Fleecejacke mit dem Wirtshaus-Schriftzug, bereit zum Schuss. In der rechten Hand hält er eine dünne Schnur, an der eine Taube aus Holz befestigt ist, die linke stabilisiert. „Der Knoten der Schnur muss am Fingernagel anstehen“, erklärt Klaus Bernwieser, ebenfalls Mitglied – und Nichtraucher.

Der Taubenschützenstand funktioniert wie ein großes Pendel

Der Zimmerer hat den Schützenstand gebaut. Er funktioniert wie ein großes Pendel: Die Holztaube, mit Eisenbeschlägen gute vier Kilo schwer, hängt an einer Kette, die aus 33 Fahrradspeichen gemacht ist (Bernwieser: „Eine normale Schnur würde sich verknoten.“). Der Spieler muss die Taube an der richtigen Position loslassen, dann schwingt sie acht Meter weit und bleibt – dank Edelstahlspitze – in der Schützenscheibe stecken. Auf der ist ein kleiner Zettel eingepinnt, ein Quadrat mit gerade mal 13 Zentimetern Seitenlänge: die Zielscheibe mit den Punktezahlen. Wer die Mitte trifft, bekommt zehn. Bernwieser hat schon geübt und schafft neun. Das Erfolgsrezept: Der Schütze muss die Taube möglichst ruhig halten und dabei die Schnur, Kette und Mitte der Scheibe in eine Linie bringen. Der Selbstversuch bestätigt: Mit einem Auge geht’s leichter. 6,5 Punkte, immerhin.

Und wie kommt man auf so etwas? Binders Schwiegervater Hans Weber, der Altertümer sammelt, präsentierte ihm eine Holztaube aus dem 19. Jahrhundert. Anfangs wussten beide nur, dass sie wegen der Spitze von einem Wirtshausspiel stammen musste. Mittlerweile hat der Wirt gelernt, dass das Taubenschießen einst von der Nordsee bis Südtirol gespielt und im österreichischen Altaussee 2016 sogar in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. „Ein Sport, den Knechte betrieben, die keine Schusswaffen besitzen durften“, mutmaßt Binder.

Am Samstag (15 Uhr) wird der Stand am „Binderbräu“ nun eingeweiht und vom Tölzer Kaplan Benjamin Biehl gesegnet. Eingeladen sind alle rund 70 Mitglieder und Interessierte. Und wann wird geschossen? „An zehn Sonntagen zwischen Kirchweih und Ostern. Im Sommer brauchen wir den Platz für den Biergarten“, sagt Binder, der auch vereinsinterne Punktelisten ankündigt. Und der normale Wirtshausgast? Der darf auch schießen, wenn er freundlich fragt.

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