13 Jahre lang koordinierte Lehrerin Lenka Schäfer (hinten, re.) Schule und Sportkarriere am Tölzer Gymnasium und gab nun die Verantwortung an ihre Kollegin Evi Kluge weiter. Die PZW-Schüler Leopold (li.) und Paul (beide elf Jahre alt) aus der Klasse 5 d profitieren von der speziellen Förderung.
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13 Jahre lang koordinierte Lehrerin Lenka Schäfer (hinten, re.) Schule und Sportkarriere am Tölzer Gymnasium und gab nun die Verantwortung an ihre Kollegin Evi Kluge weiter. Die PZW-Schüler Leopold (li.) und Paul (beide elf Jahre alt) aus der Klasse 5 d profitieren von der speziellen Förderung.

PARTNERSCHULEN DES WINTERSPORTS

Neue Koordinatorin am Tölzer Gymnasium: Lenka Schäfer übergibt an Evi Kluge

  • vonWolfgang Stauner
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Bad Tölz – Noch heute schwärmt Lenka Schäfer von jenem denkwürdigen Januarabend 2019 in der Münchner Residenz: Kultusminister Michael Piazolo hatte in den Kaisersaal geladen, um die Bundessieger des Schulsportwettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ auszuzeichnen. Die von Schäfer, Sportlehrerin am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium und dort Koordinatorin des Projekts Partnerzentren des Wintersports (PZW), betreute Burschenriege hatte im Alpin-Wettbewerb die Silbermedaille gewonnen.

„Das war der herausragende Erfolg unseres Gymnasiums“, blickt die Lehrerin zurück. „Außerdem haben wir im Langlauf noch dreimal das Landesfinale erreicht.“ Seit dem Schuljahr 2008/09 ist Schäfer – staatlich geprüfte Ski- und Langlauflehrerin – in das bayernweite Projekt Partnerzentren des Wintersports eingebunden, seitdem ist das Gabriel-von-Seidl-Gymnasium in Bad Tölz eine der 34 bayerischen Partnerschulen des Wintersports (siehe Kasten unten). Die Initialzündung ging indessen vom Skiverband Oberland aus, der um die Förderung des Lenggrieser Ski-Mädchen in Hohenburg wusste und bedauerte, dass die „armen Isarwinkler Buben“ keine derartige Unterstützung seitens der Schule bekamen. „Deshalb waren die Hohenburger St. Ursula-Schulen unser Vorbild“, berichtet Schäfer. „Bei uns sollten auch die Jungen die Vorzüge einer leistungssportlichen Förderung neben der Schule bekommen.“ Die Sportfachschaft am Gymnasium hatte sich zunächst etwas gesträubt. So bedurfte es einiger Sitzungen, der Überzeugungsarbeit der Schulleitung und des großen Engagements der Eltern, bis der Laden richtig lief.

Klaus Ertl: Das „erste PZW-Kind“ ist inzwischen Trainer im Skiverband Oberland

Wie sehr die Schüler von der Symbiose Schule-Leistungssport profitieren, zeigt sich beispielsweise am einstigen Gymnasiasten Klausi Ertl. „Er ist als unser erstes PZW-Kind inzwischen als Trainer beim Skiverband Oberland fest angestellt“, sagt die 61-Jährige nicht ohne Stolz.

Einen enormen Schub erfuhr der Langlaufsport an der Schule im Jahr 2011, als mit der Unterstützung der Sparkasse ein großer Sponsorenlauf organisiert wurde. Zwei Drittel des Erlöses ging an das Schulprojekt Burkina Faso, ein Drittel an die Fachschaft Sport. „Damit haben wir 20 Paar Langlauf-Skier erstanden, und ab da war’s quasi ein Selbstläufer“, erzählt Schäfer. Die Kunst sei lediglich gewesen, die Talente zu einer passenden, harmonierenden Mannschaft zusammenzustellen. „So, dass die Buben sich kennen, und die Mädchen sich mögen“, schmunzelt Schäfer. Denn das Schöne an den Schulsportwettkämpfen „Jugend trainiert für Olympia“ sei, dass man als Mannschaft sportelt. „Was mich immer begeistert hat, ist, dass alle gemeinsam für die Schule starten, kämpfen und Leistung bringen.“

Mich begeistert, wenn alle gemeinsam für die Schule starten, kämpfen und Leistung bringen.“

Lenka Schäfer, Sportlehrerin am Tölzer Gymnasium und scheidende PZW-Koordinatorin

In all den 13 Jahren hat Lenka Schäfer ebenfalls Leistung gebracht – als Mediatorin im Kollegium und Förderin der ihr Anvertrauten. Den Job als PZW-Koordinatorin habe sie stets „sehr gerne“ und mit großem Engagement wahrgenommen. Auch deswegen, weil sie in den Trainern des Skiverbands Oberland Gleichgesinnte für das sportliche Vorankommen der Buben und Mädchen fand. „Dafür bin ich allen SVO-Funktionären und Trainern sehr dankbar.“ Der guten Zusammenarbeit schreibt Schäfer es zum Großteil zu, dass die Zahl der geförderten Schüler auf 56 angewachsen ist.

Zum Ende des Schuljahres scheidet die Oberstudienrätin nun aus dem aktiven Schuldienst aus und gönnt sich bis zur Pensionierung ein dreijähriges Sabbatical. Zeit also, den Staffelstab weiterzureichen. Und den hat Evi Kluge, ebenfalls Sportlehrerin, gerne entgegengenommen. Denn fachschaftsintern war man sich sehr schnell einig, dass die Lenggrieserin, die seit 2013 am Gymnasium Sport und Mathematik unterrichtet, die Nachfolge antreten würde. Auch Schulleiter Alexander Göbel war von der Nachfolge überzeugt.

Die Koordinatorin ist Bindeglied zwischen Schülern, Eltern und Lehrern

Die 42-jährige Studienrätin ist nicht nur im Isarwinkel integriert, sondern bringt auch eine Menge sportliche Qualifikationen mit, ist staatlich geprüfte Skilehrerin, war lange Nachwuchstrainerin beim SC Lenggries und hat Ausbildungen im SVO durchgeführt. Außerdem organisiert Kluge als Obfrau seit fünf Jahren die alpinen Kreismeisterschaften der Schulen. „Wir haben viele talentierte Sportler im Isarwinkel. Da helfe ich künftig gerne bei der Organisation von Schule und Training“, bekräftigt die dreifache Mutter, „und sehe mich als Bindeglied und Kommunikatorin zwischen Schülern, Kollegen, Eltern und Trainern.“

„Balanceakt“ zwischen schulischer und sportlicher Förderung

Junge Leistungssportler brauchen eine spezielle Förderung – und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen muss das sportlicher Talent gefördert werden, zum anderen darf die schulische Ausbildung durch Training und Wettkampf nicht zu kurz kommen; zwei Ansprüche, die oftmals zeitlich konkurrieren. Um den Balanceakt zwischen schulischer und sportlicher Förderung unter einen Hut zu bringen, hat der Bayerische Freistaat 2004 das Projekt „Partnerzentren des Wintersports“ (PZW) ins Leben gerufen. Damit werden landesweit an ausgewählten Standorten über 30 Partnerschulen des Wintersports unterstützt. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es vier dieser speziellen Lehranstalten: Gabriel-von-Seidl-Gymnasium, Staatliche Realschule Bad Tölz sowie in Lenggries-Hohenburg die Mädchenrealschule St. Ursula und das St. Ursula-Gymnasium. Hier werden die Schüler in den Jahrgangsstufen 5 bis 8 heimatnah gefördert. Ab der Jahrgangsstufe 9 wechseln die Buben und Mädchen üblicherweise an die Eliteschulen nach Berchtesgaden oder Oberstdorf.

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