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Die Lebensmittelausgabe der Tafeln ist beliebt. Eigentlich darf jeder kommen, der eine Sozialcard besitzt.

Diskussion um Essener Tafel 

Teilweise Verständnis für Aufnahmestopp

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Die Tafel in Essen nimmt vorübergehend keine Migranten mehr auf. So weit würden die Verantwortlichen im Landkreis nicht gehen. Trotzdem zeigen sie zum Teil Verständnis für diesen umstrittenen Schritt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Claudia Brenner macht kein Geheimnis daraus: Auch in Geretsried und Wolfratshausen reagieren vor allem ältere Menschen eingeschüchtert, seit mehr als die Hälfte der Tafel-Kunden aus Flüchtlingen besteht. „Manche Rentner bleiben auch weg“, sagt die Zweite Vorsitzende der Tafel Geretsried-Wolfratshausen mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Essen. Dort haben die Verantwortlichen der Tafel einen vorübergehenden Aufnahmestopp für Ausländer erlassen, nachdem zuletzt weniger Senioren und Alleinerziehende gekommen seien – weil der Anteil der Flüchtlinge bei bis zu 75 Prozent gelegen habe. „Für uns käme ein Aufnahmestopp nicht in Frage“, sagt Brenner. In Anbetracht der Probleme, mit denen die Tafeln zu kämpfen hätten, könne sie diesen Schritt aber verstehen.

In Geretsried wählte der Vorstand einen anderen Weg, um des Flüchtlings-Zustroms Herr zu werden. Dort können die Tafel-Kunden nur noch alle zwei Wochen Lebensmittel abholen. Wer dran ist, richtet sich nach der Nummer auf dem Ausweis: In einer Woche sind die geraden Ziffern dran, in der nächsten die ungeraden, erklärt Brenner. Auf diese Weise werde keine Personengruppe ausgeschlossen. „Wir versuchen, allen so gut es geht zu helfen, unabhängig von der Nationalität.“

Dass der Aufnahmestopp in Essen nun bundesweit für teilweise hitzige Debatten über die Tafeln und ihre Probleme mit der Flüchtlingswelle sorgt, findet Brenner „in gewisser Weise gut“. Auf diesem Weg werde das öffentliche Bewusstsein dafür geschärft, welche Schwierigkeiten die Politik auf die Ehrenamtlichen abwälze, so ihre Hoffnung.

Eine ähnliche Diskussion wurde 2015 in deutlich kleinerem Rahmen unterm Brauneck geführt. Damals sahen sich die Verantwortlichen der Lenggrieser Tafel ebenfalls gezwungen, einen Aufnahmestopp zu verhängen. Anders als in Essen galt die Regelung aber nicht nur für Migranten, betont Birgitta Opitz, Vorsitzende des Vereins „Nur a bisserl Zeit“, der die Tafel-Ausgabe organisiert. Opitz und ihre Mitstreiter hatten damals keine andere Wahl: „Das Essen hat hinten und vorne nicht gereicht.“ Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle waren 120 Asylbewerber nach Lenggries gezogen, das System „Tafel“ stieß an seine Grenzen.

Bereits nach wenigen Wochen entspannte sich die Situation. Inzwischen kommen 35 bis 40 Menschen pro Woche, etwa ein Drittel davon sind Flüchtlinge. Opitz zeigt sich erleichtert über diese Entwicklung. Denn die Bedürftigen quasi in zwei Klassen aufzuteilen, diese Vorgehensweise widerspricht nach ihrer Ansicht den Grundsätzen der Tafel. Über den Aufnahmestopp in Essen will sie sich trotzdem kein Urteil erlauben. 6000 Tafel-Kunden, ein Großteil davon aus einem anderen Kulturkreis – da könne man sich nur schwer in die Situation vor Ort hineinversetzen.

Reinhold Pohle sagt trotz der schwierigen Rahmenbedingungen: ein Aufnahmestopp, „das kann man nicht machen“. Laut dem Sprecher der Tölzer Tafel ist jeder Besitzer einer Sozialcard dazu berechtigt, zur Tafel zu gehen. Die Nationalität dürfe da keine Rolle spielen. Um Rangeleien oder lange Warteschlangen zu vermeiden, empfiehlt Pohle den Kollegen in Essen ein ähnliches System wie in Bad Tölz: Per Zufallsprinzip werden die Nummern auf den Tafel-Ausweisen aufgerufen. „Da gibt es kein Gedränge, das klappt sehr gut.“

Ähnlich funktioniert die Ausgabe bei der Tafel Loisachtal. Auch hier gibt es keine Probleme, sagt Mit-Initiator Thomas Schneider. Und selbst wenn: Wer Hilfe benötige, der sollte sie bekommen. „Egal ob Rentner oder Migrant.“ Über den Aufnahmestopp in Essen will Schneider sich kein Urteil erlauben.

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