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Interview  mit Tölzer Verkehrsexperten

Tempo 80 auf Landstraßen? „Wäre nicht nachvollziehbar“

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Frankreich macht es vor: Dort gilt ab Sommer auf Landstraßen ein generelles Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Ein Vorbild für Deutschland?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der europäische Autoclub ACE zumindest befürwortet es, und der deutsche Verkehrsgerichtstag hat es bereits vor drei Jahren angeregt. Georg Fischhaber, Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Tölzer Landratsamt, kann der Idee weniger abgewinnen.

Herr Fischhaber, würde Ihrer Einschätzung nach ein generelles Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf deutschen Landstraßen Leben retten, wie es die Befürworter anführen?

Georg Fischhaber: Ich habe mir die Fälle noch einmal angesehen, bei denen es im Landkreis im Jahr 2017 Verkehrstote gab. Und zumindest in Bezug auf unsere Region kann man feststellen: Ein Tempolimit von 80 hätte hier keinen Einfluss gehabt, der Ausgang der Unfälle wäre genauso gewesen.

War also überhöhte Geschwindigkeit gar nicht der entscheidende Faktor?

Georg Fischhaber: Es waren auch Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit dabei. Aber das Problem war, dass sich die Verursacher schon nicht an die jetzt geltende Begrenzung gehalten haben. Es nutzt wenig, wenn ein Tempolimit von 80 gilt, die Tachonadel am Unfallwagen aber bei 160 steht. Meiner Meinung nach wäre schon viel gewonnen, wenn sich die Verkehrsteilnehmer an die jetzt gültige Geschwindigkeitsbegrenzung halten würden.

Müsste dafür mehr kontrolliert werden?

Georg Fischhaber: Ja, ganz klar. Es gelingt uns zu wenig, die notorischen Raser aus dem Verkehr zu ziehen.

Gibt es bestimmte kritische „Raser-Stellen“ im Landkreis?

Georg Fischhaber: „Raser-Stellen“ ist der falsche Begriff. Es gibt im Fall des Falles nur unverantwortlich rasende Autofahrer. Geschwindigkeitskontrollen gibt es hauptsächlich an Unfallschwerpunkten, Stichwort „Treibhaus“ an der B 472. Überwacht wird übrigens auch dort, wo es die allgemein geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 gibt, wie etwa auf der B 13 zwischen Tölz und Lenggries.

Wenn man die Straßen im Landkreis anschaut: Wo darf man überhaupt noch 100 Stundenkilometer fahren? Gibt es nicht viele Streckenabschnitte, auf denen ohnehin eine andere Beschränkung gilt?

Georg Fischhaber: Wir sind mit Tempolimits generell sehr zurückhaltend und arbeiten nur an Unfallhäufungsstellen damit. Die Straßen sind ohnehin überfrachtet mit Schildern, alle 20 Meter steht ein Verkehrszeichen. Beim jüngsten Verkehrssicherungsprogramm des Innenministeriums war ja auch der Tenor, dass eine zusätzliche Beschilderung zu keinem Erfolg geführt hat. Ziel des Programms ist es, stattdessen die allgemeinen Verkehrsregeln in den Fokus zu rücken und von den Autofahrern eine eigenverantwortliche Anpassung ihrer Fahrweise einzufordern.

Das heißt in Bezug aufs Tempo...?

Georg Fischhaber: Es gilt die Vorschrift: Ich darf nur so schnell fahren, dass ich das Fahrzeug sicher steuern kann – das ist zum Beispiel an Witterungs- und Straßenverhältnisse anzupassen. Da gilt die Devise: Wo 100 erlaubt sind, können 60 schon zu viel sein. 100 ist ja auch die Maximalgeschwindigkeit auf der Landstraße – manche meinen, sie müssten 100 fahren.

Würden Sie selbst als Autofahrer ein Tempolimit von 80 auf der Landstraße akzeptieren? Oder würden Sie die Geduld verlieren?

Georg Fischhaber: Die Geduld würde ich nicht verlieren, das wäre in meiner Position auch schlecht. Aber für mich als Autofahrer wäre es tatsächlich nicht nachvollziehbar, wenn auf einer gut ausgebauten Bundesstraße eine 80 km/h-Regel gelten würde. Generell gäbe es da sicher ein Problem mit der Akzeptanz. Ein weiteres Problem wäre, ein solches Tempolimit zu kontrollieren. Das müsste besser gelingen als jetzt – schwierig.

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