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Ein (fast) klassisches Liebespaar auf der Bühne: Annika Wilhelm und Lilli Jarday als „Julia und Julia“.  

Theater an der Montessori-Schule 

Shakespeare leicht abgewandelt: Julia liebt Julia

ad Tölz – „Unsere Welt ist bunt“ ist das Motto der Tölzer Montessorischule. Jetzt hat auch die Theatergruppe der Schule diesen Leitsatz aufgegriffen und den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ in ein neues Licht gerückt. „Julia und Julia“ hieß nun die Version, die an der Schule zur Aufführung kam.

„Wir waren auf einer Fortbildung zum Umgang mit Homosexualität an Schulen, und wir hörten erschreckende Zahlen“, berichtet Theaterinitiatorin Anja Lento, Lehrerin an der Schule. Jeder dritte Suizid, der von Schülern begangen wird, sei der Verzweiflung über die eigene Homosexualität geschuldet. „Da kam die Idee auf, sich im Schultheater damit zu befassen.“ 18 Mädchen aus verschiedenen Jahrgangsstufen probten seit September und engagierten sich dafür, dass unter den Jugendlichen das Thema Homosexualität kein Tabu mehr ist.

Eine gute Stunde dauerte die Schulinszenierung, die zwar im Originaltext gesprochen wurde, aber in der Neuzeit spielt. Die jungen Schauspielerinnen in Leggings und Lederjacken gaben ihr Bestes, die Leidenschaft der beiden Julias aus den verfeindeten Familien Capulet und Montague überzeugend darzustellen. Das Stück selbst wurde zwar ein wenig verkürzt, aber ansonsten nicht verändert, was für die Schülerinnen eine Menge Lernerei ungewöhnlichen Textes bedeutete.

Mit Begeisterung und Schwung stellte man die berühmteste Liebesgeschichte der Literatur auf den Kopf, in der nun kein einziger Mann eine Rolle spielte. Aus Tybald wurde Tybalda, aus Pater Lorenzo wurde Lorenza, und den einen oder anderen Kuss der beiden verliebten Julias gab es auf der Bühne auch zu sehen. Natürlich weiß jeder, dass es tragisch endet. Das verhinderte auch die geballte weibliche Präsenz nicht. Gestorben aus Leidenschaft, das ist ja auch irgendwie der Kern der Tragödie. Mit ein paar kreativen Ideen versah die Theatertruppe das Bühnenbild, und über der Sterbeszene von „Julia“ schwebte gespenstisches Schweigen. Vielleicht aber hätten ein paar selbst kreierte Szenen oder ein wenig der Situation angepasste Dialoge den Effekt, um den es der Theatergruppe ging, noch verstärkt und frischen Wind in das brisante Thema gebracht. Mit ihrem Shakespeare-Projekt will sich die Theatergruppe um den Michael-Schmidpeter-Preis bewerben, ein Wettbewerb zum Umgang mit dem Thema Homosexualität an bayerischen Schulen.

Ines Gokus

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