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Stifter und Künstler: Rupert W iedenhofer (li.) hat das Bronzeporträt von Thomas Mann in Auftrag gegeben, der Regensburger Künstler Günter Schwarz hat es gefertigt. Heute wird das Relief an der Sparkasse Marktstraße enthüllt. 

Relieftafel an der Sparkasse

Thomas Mann schaut auf Tölz

Es ist ein etwas nachdenklicher und skeptischer Thomas Mann, der da mit einem Schuss Hochmut und Unnahbarkeit auf die Tölzer Marktstraße schaut. Dieser Ausdruck ist wohl nicht so weit weg von der Wirklichkeit vor 100 Jahren, als der bereits sehr bekannte Schriftsteller im aufstrebenden Kurort Tölz eine Sommervilla besaß. Seit Donnerstag hängt zwischen den Eingängen der Sparkasse eine 60 mal 85 Zentimeter große Bronze-Relieftafel, die dauerhaft auf den Aufenthalt des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers und seiner Familie in Bad Tölz hinweist.

Bad Tölz - Die Stadt erinnert mit einer Vielzahl von Veranstaltungen an Mann, der 1917 seine Villa an der Heißstraße verkaufte. Sie ist das einzig noch original erhaltene Haus des Schriftstellers in Deutschland, das 1908 in seinem Auftrag erbaut wurde. Höhepunkt im Tölzer Mann-Jahr ist die Herbsttagung der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft von diesem Freitag bis Sonntag.

Der Präsident der Gesellschaft, der Literaturwissenschaftler Prof. Hans Wißkirchen, wird heute um 19.15 Uhr bei der feierlichen Enthüllung des Mann-Reliefs anwesend sein.

Die Tafel hat eine Geschichte: Der Tölzer Rupert Wiedenhofer hat seine Liebe zur Geschichte und Heimatstadt schon öfter in ein ganz eigene Form des Mäzenatentums münden lassen. Er stiftete zum Beispiel das Brunnen-Buberl und den bronzenen Schleifermanndl-Brunnen im Stadtmuseum. Als vor etwa einem Jahr die Zollitsch-Erinnerungstafel vor der Thomas-Mann-Villa in der Heißstraße renoviert wurde, kam Wiedenhofer die Idee für eine bleibende Erinnerung an Thomas Mann. Er beauftragte den ihm vom Schleifermanndl-Brunnen her bekannten Regensburger Künstler Günter Schwarz mit Entwurf und Ausarbeitung eines Mann-Reliefs. Dem 51-jährigen Werkstattleiter am Institut für Kunsterziehung sowie Lehrbeauftragten für Plastische Gestaltung an der Uni Regensburg war es wichtig, „dass Thomas Mann möglichst natürlich und lebendig rüberkommt“. Das sei ihm, sagt der Auftraggeber, „wunderbar gelungen“.

Wiedenhofer lag es zudem am Herzen, dass der Tölzer Historische Verein, dessen Mitglied er ist, die Tafel gestiftet bekommt. Das sei „eine ganz tolle Sache“, freut sich Vorsitzender Claus Janßen.

Auf der Suche nach einem Standort ist man auf die Sparkasse in der Mitte der Marktstraße gestoßen. Das Geldinstitut zog mit. Dort war schon vor 100 Jahren ein Bankhaus. „Am Ende“, spekuliert Wiedenhofer, „hat dort Katia Mann ihre Bankgeschäfte abgewickelt“. Der Standort ist auch deshalb gut, weil davor genug Platz für Besuchergruppen auf Stadtführung ist.

Der Spruch auf der Relieftafel zitiert übrigens den berühmten Saison-Einwohner mit dem Satz: „Wir waren den Sommer über in Tölz, dessen Luft uns so wohlthat.“

Christoph Schnitzer

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