Die Tölzerin Sirit Winter mit ihren Hunden
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„Der Hund ist ein Rudeltier“: Daher ist die Tölzerin Sirit Winter überzeugt, dass die Vierbeiner es genießen, wenn Frauchen oder Herrchen im Homeoffice und somit ständig in der Nähe sind.

Tierfreunde geben Tipps

Was macht der Lockdown mit den Tieren? Das sagen die Expertinnen

  • Andreas Steppan
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Arbeit, Schule, Freizeit: Das menschliche Leben spielt sich im Lockdown größtenteils zu Hause ab – und das hat auch tierische Folgen. Finden es Haustiere gut oder nervig, wenn Frauchen und Herrchen plötzlich ständig präsent sind? Wie es den Tieren zugute kommen kann, verraten hier Expertinnen.

Bei den Reaktionen von Hund und Katze sieht die Geretsriederin Myriam Kohler einen gravierenden Unterschied: „Hunde sind Rudeltiere, Katzen ,nur‘ soziale Tiere“, sagt die Initiatorin der „Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried“. Anders gesagt: „Hunde haben Besitzer, Katzen haben Personal.“ Entsprechend seien Hunde „völlig begeistert“, wenn sich der Mensch ununterbrochen in der Nähe aufhalte. Katzen hingegen empfänden jedenfalls „keinen Leidensdruck, wenn der ,Dosenöffner‘ morgens aus dem Haus geht. Sie sind eher etwas irritiert, wenn die Bediensteten den ganzen Tag zu Hause sind.“ Doch falls sie tatsächlich einmal genervt seien, könnten sie sich ja immer noch zurückziehen.

Hauskatzen suchen Anschluss zu Menschen

Generell aber werde den Samtpfötern die menschliche Gesellschaft nicht unbedingt zu viel, meint auch Sirit Winter. Die Hundetrainerin und Züchterin von Großspitzen und norwegischen Waldkatzen lebt selbst mit mehreren Hunden und Katzen in Bad Tölz. „Reine Freigängerkatzen, die in Schuppen oder auf Höfen als Mäusefänger gehalten werden, könnten von der Dauer-Anwesenheit von Menschen irritiert sein und sich in ihrem Jagdverhalten gestört fühlen“, sagt sie. Anders sei es bei der klassischen Hauskatze. „Sie sucht schon Anschluss zum Menschen.“

„Ein erwachsener Hund schläft oder döst 17 bis 20 Stunden am Tag.“

Sirit Winter

Und Hunden gefalle die Anwesenheit des Menschen sowieso. Zu Hause friedlich zu dösen und Frauchen oder Herrchen am Laptop arbeitend im Nebenzimmer zu wissen: So fühle sich ein Hund mit Sicherheit wohl.

Auch Bianca Puertas Alvarez ist überzeugt, dass Hunde von der aktuellen Situation profitieren. „Herrchen und Frauchen haben viel mehr Zeit für den Hund, er muss weniger alleine zu Hause sein“, sagt die Greilingerin, die Hundewanderungen veranstaltet und Tierbedarf vertreibt. Das zeige sich schon am frühen Morgen: „Wo sich sonst Hektik breit machte und der Hund zu einer schnellen Gassirunde ausgeführt wurde, bleibt jetzt Zeit für Spaziergänge ganz in Ruhe. Das tut nicht nur uns Menschen gut, es fördert auch die Bindung zum Hund“, so die Inhaberin der Firma „Wilder Hund“.

Außerdem sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um neue Aktivitäten auszuprobieren, etwa gemeinsames Joggen, Wandern oder Zughundesport. Davon könne das Tier profitieren. Allerdings gelte es, dabei den Hund genau zu beobachten, „um eine Überforderung in jeglicher Hinsicht zu vermeiden“.

Lockdown motiviert viele, sich einen Hund anzuschaffen

Auch Sirit Winter gibt zu bedenken: „Ein erwachsener Hund schläft oder döst 17 bis 20 Stunden am Tag.“ Ein überbordendes Aktivitätenprogramm könne ihm da rasch zu viel werden. Andersherum: Wenn der Lockdown vorbei ist, sei im Sinne des Hundes darauf zu achten, dass sich der Tagesablauf nicht wieder völlig umdreht. „Der Hund fühlt sich am wohlsten, wenn er seinen gewohnten Tagesrhythmus beibehalten kann.“

Mit gemischten Gefühlen beobachten die Tierfreundinnen, dass der Lockdown viele motiviert, sich einen Hund anzuschaffen. „Von allen Züchtern ist zu hören, dass sie vor lauter Anfragen gar nicht hinterherkommen“, berichtet Sirit Winter. Myriam Kohler sind auch schon „superskurrile Anfragen“ zu Ohren gekommen: etwa, dass Leute einen Hund ausleihen wollten, um mit ihm nach der Sperrstunde Gassi gehen zu können. Davon abgesehen sieht die Geretsriederin „Langeweile“ oder den „Wunsch, sich ein Stück Nähe zu kaufen“, als Motive, sich im Lockdown ein Tier zuzulegen. Andere suchten in diesen Zeiten wohl nach einem „Projekt“ oder „etwas, auf das sie sich freuen können“.

Gemeinsam unterwegs: Die gewonnene Freizeit lasse sich für neue Aktivitäten mit dem Hund, etwa Wanderungen nutzen, sagt die Greilingerin Bianca Puertas Alvarez.

Eigentlich sei die zusätzlich gewonnene Zeit daheim auch eine gute Gelegenheit, etwa um einen Hund stubenrein zu bekommen oder nach und nach ans Alleinsein zu gewöhnen, meint Sirit Winter. Doch die Expertinnen mahnen: „Ein Hund ist ein Lebewesen, für das die Verantwortung über Jahre übernommen wird“, sagt Bianca Puertas Alvarez. Man müsse bedenken, dass man irgendwann wieder am Arbeitsplatz präsent sein müsse.

Nasenschnecken pflegen keine Interaktion

Auch Myriam Kohler befürchtet, dass viele Menschen „blauäugig und uninformiert“ in das Abenteuer Hund gehen. „Und ich habe Panik, dass wir in einem Jahr die große Aussetzungswelle bekommen.“ Dann nämlich, wenn die Neu-Hundehalter merken, dass der vierbeinige Gefährte eher hinderlich ist, wenn man die zurückgewonnene Reisefreiheit nutzen will.

Selbst hält Myriam Kohler neben ihrem Mops zu Hause übrigens auch Medaka-Fische. Die seien „hellauf begeistert“, wenn sich vor der Aquariumscheibe etwas Action abspiele. „Sie sind unfassbar neugierig.“ Um das Seelenleben ihrer weiteren Haustiere im Lockdown muss sich die Geretsriederin keinerlei Gedanken machen. Ihre Shrimps und Nasenschnecken pflegten ohnehin „null Interaktion“ mit dem Menschen, sagt Myriam Kohler lachend.

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