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Urteil in Bad Tölz wegen Drogenhandels: „Auch wenn Sie uns heute den unwissenden Saubermann präsentieren“

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Von: Rudi Stallein

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Der Auszubildende soll zwischen dem 17. Februar und dem 13. März 2021 an zwei junge Burschen zu verschiedenen Zeiten jeweils geringe Mengen unterschiedlicher Drogen abgegeben haben.
Der Auszubildende soll zwischen dem 17. Februar und dem 13. März 2021 an zwei junge Burschen zu verschiedenen Zeiten jeweils geringe Mengen unterschiedlicher Drogen abgegeben haben. © dpa

Ein Tölzer wurde wegen Drogenhandels zu einer Geldstrafe verurteilt. Vor Gericht bestritt der Angeklagte den Vorwurf. Das nahm ihm der Richter aber nicht ab.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Für das Gericht steht fest: Der Mann hat regelmäßig mit diversen Drogen gehandelt. Daran habe er nicht den geringsten Zweifel, „auch wenn Sie uns heute den unwissenden Saubermann präsentieren wollen“, ließ der Richter den Tölzer (26) wissen, nachdem er ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro verurteilt hatte.

Drogen gefunden und Messer mitgeführt

Der Auszubildende soll zwischen dem 17. Februar und dem 13. März 2021 an zwei junge Burschen zu verschiedenen Zeiten jeweils geringe Mengen unterschiedlicher Drogen abgegeben haben – mal fünf Ecstasy-Tabletten, ein anderes Mal zwei Gramm Haschisch oder dieselbe Menge Marihuana, zuletzt ein halbes Gramm Kokaingemisch.

Weil er zudem bei einer Verkehrskontrolle am 15. Februar dieses Jahres ein Faustmesser bei sich hatte, kam das Mitführen einer verbotenen Waffe hinzu. „Das habe ich geschenkt bekommen, aber nicht für verteidigende Zwecke“, erklärte der Angeklagte zu dem Faustmesser. „Ich wusste nicht, dass man das in Deutschland zu Hause lassen muss.“

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Hinweis vom Landratsamt

Hingegen stritt er jeglichen Umgang mit Betäubungsmitteln strikt ab. „Ich habe an niemanden etwas verkauft“, beteuerte der Angeklagte und wähnte sich als Opfer einer Verwechslung. „Da wo ich wohne, leben auch andere Asylbewerber“. Ins Visier der Ermittler war der Mann geraten, weil die Polizei dessen Unterkunft nach einem Hinweis des Landratsamtes, dass dort mit Betäubungsmitteln gehandelt werde, „verstärkt bestreift“ hatte. „Bei Kontrollgängen ist uns aufgefallen, dass er viel Besuch bekommt, immer nur für kurze Zeit“, erklärte eine Polizeibeamtin vor Gericht.

Zwei Personen, die kontrolliert wurden, nachdem sie von dem Angeklagten kamen, hatten tatsächlich Drogen bei sich. In der Wohnung des Angeklagten, die daraufhin durchsucht worden war, habe man nichts gefunden, sagte die Polizistin. Allerdings sei einer der zwei kontrollierten jungen Männer ein paar Tage später auf der Polizeiinspektion erschienen und habe den Angeklagten als Händler benannt. Seine Begründung: „Er werde in der Stadt bedroht und sehe deshalb nicht ein, den Dealer weiter zu schützen“, so die Polizistin.

Geld unter Matratze gefunden

Vor Gericht wiederholte der Zeuge (19), der selbst inzwischen vom Jugendgericht verurteilt wurde, seine Aussage. Diese, zusammen mit Chatverläufen auf dem Handy des Angeklagten, genügten dem Gericht für eine Verurteilung. „Der Zeuge wurde selbst wegen dieser Käufe verurteilt. Es gibt für ihn keinen Grund, sich selbst zu beschuldigen“, so Richter Helmut Berger.

Er verurteilte den Tölzer wegen Handeltreibens in drei Fällen sowie Besitz und Mitführen einer verbotenen Waffe zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 30 Euro (insgesamt 5400 Euro). Zudem wurde die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 1310 Euro angeordnet – Geld, das unter der Matratze des Angeklagten gefunden worden war und nach Auffassung des Gerichts aus Drogenverkäufen stammte.

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