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Die Chöre des Tölzer Knabenchors beeindruckten auf ihrem eigenen Festival nicht nur musikalisch.

Tölzer Knabenchor-Festival

Zum Festival ein Feuerwerk des Tölzer Knabenchors

Bad Tölz - Chöre aus Paris und London hatte der Tölzer Knabenchor am Wochenende zum Festival eingeladen. Bei der Matinee, dem Höhepunkt des Festivals, beeindruckten die Chöre nicht nur musikalisch.

Sie war wieder überraschend, die Vielfältigkeit des Festivalprogramms. Die drei Chöre – der Tölzer Knabenchor als Gastgeber sowie die Sänger aus Paris und London – zeigten sich in bereichernder Unterschiedlichkeit. Bad Tölz hat mit dem Festival ein Alleinstellungsmerkmal erhalten. Höhepunkt des Konzertreigens war die Matinee am Samstag. Die Spannweite der geistlichen Werke war einmalig.

Nicht nur die musikalischen Gegensätze der Stücke sorgten für den Reiz des Konzerts. Schon äußerlich boten die Chöre Abwechslung: Die London Oratory Schola trat in langen, violetten Kleidern auf, die Tölzer wie gewohnt in schwarzen Hosen und Pullovern, und die Petits Chanteurs à la Croix de Bois trugen ungewohnt weiße Gewänder. Die großen Holzkreuze auf ihrer Brust ließen sie wie junge Mönche erscheinen. Geistliche Werke sind nach wie vor der Schwerpunkt ihres Repertoires.

Die Londoner begannen das Konzert mit einem beschwingten „Cantate Domino“ von Monteverdi. Ihre klangliche Stärke brachten sie in ihrer größten Herausforderung, Bruckners „Os iusti“ zur Geltung, dessen Dramatik sie mit Kraft herausarbeiteten und lange Legati voller Spannung hielten.

Den ersten großen Gegensatz zeigte der Tölzer Knabenchor, der nicht nur seine Solisten in der Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“ herausstellte, sondern sich dazu als zwei vierstimmige Chöre aufstellte. Mit Mozarts Offertorium „Sub tuum praesidium“ brachte der Chor die erste herzerwärmende Weise zu Gehör nach den vorangegangenen strengen Melodien. Zwei Solisten begeisterten mit dem höchst einfühlsam vorgetragenen Duett Mozarts. Mit Mendelssohns „Warum toben die Heiden“ hatten die Chorleiter Clemens Haudum und Christian Fliegner ein Werk gewählt, das den Sängern unterschiedlichste Anforderungen stellt. Dem laut fordernd vorgetragenen „Du sollst sie zerschlagen“ folgten sofort ruhige, fast monotone Einsätze aller Stimmen zu „Dienet dem Herrn mit Furcht“. Auch hier traten Solisten hervor, die der Chor sehr einfühlsam begleitete. Die präzisen Sopraneinsätze überstrahlten klar den Gesamtklang.

Auf die Tölzer folgten die Franzosen, die sich nicht auf dem Podest vor dem Volksaltar aufstellten, sondern dahinter vor dem Hochaltar. Die Knaben standen nicht nebeneinander, sondern leicht versetzt und u-förmig um Chorleiter Hugo Gutierrez. Mit verschränkten Armen ergaben sie ein sehr strenges Erscheinungsbild. Mit ihrem Gesang begeisterten sie sofort. Sie setzten nach den romantischen Klängen Mendelssohns wieder einen starken Kontrast mit Gregorianik aus dem 12. Jahrhundert. Diese musikalische Strenge gestalteten sie aber äußerst lebendig mit nuancenreicher Lautstärke. Leider setzte hier etwas unglücklich das Zwölfuhrläuten der Stadtpfarrkirche ein. Die Pariser Gäste waren aber zu professionell, als dass sie sich vom unterschiedlichen Grundton der Glocken stören ließen. Der Gregorianik folgte ein äußerst fröhliches „Regina Coeli“ von Gregor Aichinger. Das „Agnus Dei“ von Gutierrez de Padilla überraschte. Diese Komposition aus dem 17. Jahrhundert weist verblüffend moderne „Pace“-Rufe auf, bei denen der Chor die exakt gesetzten Dissonanzen mühelos meisterte.

Unter den Zuhörern befand sich übrigens auch der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair, Schirmherr des Festivals. Stadtpfarrer Peter Demmelmair, der auch in Französisch und Englisch begrüßte, nahm vorweg, was am Ende der Matinee feststand: Das Konzert war ein musikalisches Geschenk. Erfreulicherweise war die Stadtpfarrkirche im Gegensatz zum vergangenen Jahr bestens besucht. 

von Birgit Botzenhart

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