In Bad Tölz

Vater (32) missbraucht sechsjährige Tochter: Bewährungsstrafe

Bad Tölz/Wolfratshausen – Weil er seine Tochter missbraucht haben soll, musste sich ein 32-Jähriger vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Das Urteil: 15 Monate - ausgesetzt zur Bewährung.

Zum sechsten Geburtstag der Tochter kommt der von der Mama getrennt lebende Papa (32) aus Berlin zu Besuch. Während die Kindsmutter (26) mit einer Freundin (27) am Abend feiern geht, passt der Vater auf das Mädchen und die zwei Kinder der Freundin auf. Dabei soll er sich an der Sechsjährigen vergangen haben. 

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll sich der Angeklagte in jener Nacht Ende April 2014 zu seiner Tochter auf die Schlafcouch gelegt und sich an ihr vergangen haben. Als die Tochter aufwachte, habe der Vater damit aufgehört.

Der Beschuldigte konnte dem Gericht nur eine lückenhafte Darstellung des Geschehens präsentieren. Man habe gegen Mitternacht gemeinsam auf seinen eigenen Geburtstag, der einen Tag zurücklag, angestoßen, berichtete er. Anderthalb Flaschen Wein seien geleert worden. Die Zeuginnen erklärten später, nur an ihren Gläsern genippt zu haben, den Rest habe der Angeklagte getrunken. Nachdem die Frauen gegangen waren, schlief der Mann nach eigenen Angaben im Wohnzimmer ein. Irgendwann in der Nacht sei er durch „Stöße gegen die Brust“ geweckt worden. Die Freundin seiner Frau war kurz heimgekommen, um nach dem Rechten zu sehen. „Sie schickte mich ins Kinderzimmer. Von da an weiß ich nichts mehr.“

Was in der Nacht passiert war, kam am nächsten Tag ans Licht. Als das Mädchen gefragt wurde, ob es noch eine Nacht beim Papa schlafen wolle, druckste das Kind herum. Die Mutter wurde hellhörig und bohrte nach. Die Kripo verhörte den Vater noch am selben Tag. Zunächst habe er angegeben, betrunken gewesen zu sein und sich nicht erinnern zu können. Doch weitere Aussagen hätten darauf schließen lassen, „dass da was war“, erklärte die ermittelnde Beamtin. „Er schloss nicht aus, dass es unbewusst aufgrund erotischer Fantasien zu den Berührungen gekommen sei.“ SMS-Nachrichten, die der Angeklagte in der Nacht an eine der Frauen verschickt hatte, deuteten darauf hin, „dass er offensichtlich ein sehr starkes sexuelles Verlangen verspürte“, wie es Richter Urs Wäckerlin formulierte.

„Das relativiert die Tat jedoch nicht und macht sie schon gar nicht entschuldbar. Es ist absolut inakzeptabel“, stellte Wäckerlin klar. Mit einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung kam der Mann glimpflich davon. Denn den Vorwurf der Vergewaltigung der Tochter mit dem Finger sah das Gericht als nicht hinreichend bewiesen an. Diese Tat allein wäre mit mindestens zwei Jahren Gefängnis bestraft worden. Dennoch hatte sich der Angeklagte in der rechtlichen Bewertung des dreifachen sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht – nämlich von Kindern, von Schutzbefohlenen (der eigenen Tochter) sowie widerstandsunfähiger Personen (weil schlafend).

Als Bewährungsauflage muss der arbeitslose Berliner 40 Sozialstunden pro Woche leisten (bis er eine Arbeit gefunden hat) und in Gesprächen mit der Fachambulanz für Sexualstraftäter klären, ob bei ihm eine behandlungsbedürftige Sexualstörung vorliegt. Der Angeklagte nahm das Urteil an.  rst

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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