+
Übergabe der neuen Geologischen Karte Bad Tölz (v. l.): Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann, Diplomgeologe Torsten Hahn und Roland Eichhorn, Leiter des geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt. 

Tiefste Vergangenheit

Tölz vor 2500 Jahren: Ein tiefer See

Auch interessant für alle Hausbauer: Eine neue geologische Karte zeigt, wie der Tölzer Untergrund beschaffen ist. Erkenntnisse aus tiefster Vergangenheit kommen zum Vorschein.

Bad Tölz – „Vor etwa 2500 Jahren lag das Stadtgebiet von Bad Tölz noch unter einem tiefen See begraben.“ Das ist die erstaunliche Erkenntnis jahrelanger geologischer Arbeit. Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat sich unter dem Arbeitstitel „Wir gehen Bayern auf den Grund“ zum Ziel gesetzt, das größte Bundesland Deutschlands in digitalen Karten zu erfassen und für jeden verständlich zugänglich zu machen.

„Mit den Karten kann man sagen, ob Erdwärmegewinnung möglich ist, wo Sicherungsmaßnahmen für Steinschläge notwendig sind und wie es um die Grundwasserversorgung steht“, sagt Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU im Rahmen der Übergabe der neuen Geologischen Karte im Tölzer Rathaus. „Die digitalisierten Karten können dann von jedem auf unserer Homepage eingesehen werden.“

Bayern wurde in circa 600 quadratische Schnipsel unterteilt und pro Gebiet ein Sachbearbeiter beauftragt, der die geologischen Arbeiten durchführte. In Tölz wurde laut Eichhorn ein „ganz besonderes Schmankerl“ entdeckt: Hinter einer 15 Meter hohen Mauer aus Kalktuff staute sich ein See an. Dieses Phänomen sei in der Art einzig in Bayern.

Torsten Hahn, Diplom-Geologe, war zuständig für das Gebiet Bad Tölz, das etwa 12 auf 12 Kilometer misst. Von 2008 bis 2011 ging er insgesamt circa 2500 Kilometer, jeden Tag seiner Arbeit 10 bis 15, zu Fuß über Wiesen, durch Gräben oder ins Moor. „Ich war da unterwegs, wo sonst keiner ist“, so Hahn. Gearbeitet hat er alleine, einzig mit dabei hatte er immer seinen Feldcomputer mit GPS-Signal. „So wusste ich immer, wo ich mich befand.“

Bei seiner Arbeit tastete er sich von der Oberfläche nach unten und erhielt so geologische Informationen, aus welchen Schichten der Untergrund besteht. Hier und da wurde auch ein Bohrstock verwendet. Daraus konnte dann eine Profiltafel erstellt werden. „Die Abfolge bis 3000 Meter Tiefe kann ich sicher bestimmen, darunter ist es eher eine Schätzung“.

Zwischen Bahnhof und der Rehgrabenbrücke entdeckte Hahn die sogenannte Seekreide, ein Zeichen für das frühere Vorhandensein eines Sees. Zwischen Schloss und Unterem Rehgraben hat sich nach der letzten Eiszeit, etwa vor 10 000 Jahren, eine natürliche Barriere aus Kalktuff gebildet, die zur Aufstauung des Ellbaches führte. Dadurch wurde dieser sogenannte „Tölzer See“ auch vom Isartal abgetrennt. Die Isar sei laut Hahn seit der letzten Eiszeit so eingebettet und vor 2000 Jahren schon so geflossen. Seeablagerungen, etwa Schnecken und Muscheln, seien auch in der Marktstraße in den 60er Jahren gefunden worden. „Der übrig gebliebene Schlamm bildet heute das Ellbacher Moor“, so Hahn. Auch dort fand er unter dem Moor das „weiße Zeug“ mit kleinen Muscheln, welches nach Untersuchungen im Labor den Fund von Seekreide bestätigte.

Die Auswertung aller Daten und die Erstellung der Karten nahm noch etwa sechs Jahre in Anspruch, ehe die Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Besonders für Hausbauer sind die digitalisierten Karten interessant. „Es wird gleich ausgerechnet, wie wahrscheinlich und sinnvoll Erdwärme am jeweiligen Standort ist“, sagt Eichhorn. „Zum Beispiel für eine Heizung.“ Ebenso gibt es Auskünfte über die Härte des Bodens. Die Frage „Muss ich sprengen, bohren oder reicht ein Bagger, wenn ich etwas bauen will?“ wird dadurch beantwortet.

Die Karte von Bad Tölz kann unter www.bestellen.bayern.de eingesehen werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tölzer Künstler können sich in München präsentieren
Patrizia Zewe macht ihr Versprechen wahr: Die Galeristin, die einige Jahre in Bad Tölz lebte, den Kunstsalon in der Marktstraße etablierte und einige Zeit auch …
Tölzer Künstler können sich in München präsentieren
Hochwasser: Die Vorbereitungen für Isarweg-Sperrung laufen
Hochwasser: Die Vorbereitungen für Isarweg-Sperrung laufen
Kreistagssitzung in der Wolfratshauser Loisachhalle
Auf der Tagesordnung stehen der Öffentliche Nahverkehr, ein neuer Zweig an der FOS und ein Investitionszuschuss für die Von-Rothmund-Schule in Bad Tölz. 
Kreistagssitzung in der Wolfratshauser Loisachhalle
Anian Franz aus Bad Tölz
Bei Andrea Hofmiller dreht sich im Moment alles um den kleinen Anian Franz, der am 10. Juli in Wolfratshausen zur Welt kam. Bei der Geburt wog der Bub 3120 Gramm und war …
Anian Franz aus Bad Tölz

Kommentare