Digitales Einkaufen bietet ab sofort der Klosterladen in Benediktbeuern an.
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Digitales Einkaufen bietet ab sofort der Klosterladen in Benediktbeuern an.

Ladeninhaber bemerken stärkeren Zulauf – und bieten nun online an

Tölz vor dem Lockdown: Geschäftige staade Zeit

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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  • Andreas Steppan
    Andreas Steppan
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Der neuerliche Lockdown trifft die Einzelhändler genau in der eigentlich umsatzstärksten Zeit des Jahres. Ab Mittwoch müssen die meisten Geschäfte schließen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Ob das so gut ist“, fragt sich Rainer Schlosser, Geschäftsführer von „Sport Sepp“ in Lenggries. Denn nun konzentriere sich der Kundenansturm auf wenige Tage. „Am Samstag haben wir die Torschlusspanik deutlich gespürt“, so Schlosser. Um die Lage etwas zu entzerren, aber auch aus Selbstschutz – „wir kämpfen um unser Überleben“ – hat Schlosser die Öffnungszeiten am Montag und Dienstag verlängert.

Auch wenn ab Mittwoch alles dicht ist: Online kann man weiterhin bestellen. Ob er die Bestellungen persönlich ausliefert oder ob ein Abholen möglich sein wird, weiß Schlosser noch nicht. „Wenn jemand am 24. innerhalb von Lenggries etwas bestellt, dann bekommt er es noch rechtzeitig.“ Die Mitarbeiter seien trotz der Schließung jeden Tag im Laden. Er hofft, dass die Menschen die lokalen Einkaufsmöglichkeiten nutzen.

Seit Freitag bemerkt Franz Weisenberger vom Schmuckgeschäft Patio in der Tölzer Marktstraße, dass mehr Menschen noch schnell ihre Weihnachtseinkäufe erledigen. „Es ist deutlich zu spüren.“ Normalerweise sei diese Woche die beste Zeit im Jahr. Daher sei es besonders bitter, nun schließen zu müssen.

Kunden rechneten mit dem Lockdown

„Wir haben gemerkt, dass alle mit einem Lockdown rechnen“, sagt Nadine Peter von der „Calvari Boutique“ an der Tölzer Nockhergasse. Auch sie möchte eine Möglichkeit für Online-Bestellungen anbieten. „Entweder versenden wir, oder es wird eine Abholung möglich sein.“

Sie sei selber zunächst unsicher gewesen, ob sie von den Schließungen betroffen sei, sagt Beate Reindl vom „Rendezvous der Genüsse“. Weil auch die Kunden nicht genau wussten, was komme, sei schon etwas mehr los gewesen. Aber als Lebensmittelgeschäft - bei ihr gibt es Tee und Pralinen - bleiben ihre Türen offen. Daher habe sie auch den Geschäften in der Nachbarschaft angeboten, dass deren bestellte Ware von ihr ausgehändigt werden könne.

Einen sehr starken Samstag erlebte Sandra Machka vom „Spielwaren Krömer“. „Manche hatten wohl damit gerechnet, dass schon ab Montag die Geschäfte schließen.“ Normalerweise sei die Woche vor dem 24. die wichtigste Verkaufswoche. Ab Mittwoch sind sie und ihre Kollegin trotzdem vor Ort und nehmen Bestellungen per Telefon oder Internet entgegen. „Es wird auch die Möglichkeit geben, die Bestellungen kontaktlos abzuholen“, sagt Machka.

„Kompletter Laden ist voller Weihnachtsartikel, die wir später nicht mehr verkaufen können“

Einen „enormen Andrang“ erlebte am Freitag und Samstag Kathrin Kathan vom Laden „Schneller Homestyle“ an der Tölzer Marktstraße. Besonders bitter: „Unser kompletter Laden ist voller Weihnachtsartikel, die wir nach dem Lockdown nicht mehr verkaufen können.“ Vor der gleichen Situation sei man bereits an Ostern gestanden. Daher habe man zu der Zeit einen Onlineshop gestartet und die Möglichkeiten über soziale Netzwerke erweitert. Bis Weihnachten sei eine kostenlose Lieferung im Umkreis von Tölz möglich – oder auch eine Abholung je nach Bestimmungen. „Das ist ein Service, der sehr gut angenommen wird“, sagt Kathan. „Wir müssen alle positiv bleiben und das Beste aus der Situation machen. Unsere Kunden haben uns dabei sehr geholfen.“

Der Klosterladen in Benediktbeuern beschreitet im Lockdown neue Wege, wie Leiterin Simone Spohr mitteilt. „Wir haben uns in den letzten Tagen ehrlich gesagt schon mental und arbeitstechnisch darauf vorbereitet, dass wir wieder zumachen müssen.“ Den Laden treffe die Schließung hart. „Aber wir machen das ja nicht zum ersten Mal.“ Zum einen gibt es insgesamt drei Telefonnummern, unter denen das Team vom Klosterladen erreichbar ist. Zusätzlich im Angebot: Kunden können einen Video-Anruf tätigen, eine Mitarbeiterin geht dann mit dem Handy durch den Laden und macht verschiedene Angebote. Kurzarbeit ist dieses Mal nicht vorgesehen – denn mit den Bestellungen über Internet oder Telefon sei man gut ausgelastet.

„Ich war platt, dass es nicht einmal über Weihnachten weitergeht“

Ihr Geschäft gerade erst am 1. Dezember eröffnet hatten Marika van Daak und Heidi Wagner. In einem zeitlich auf einen Monat befristeten „Pop-up-Store“ in Bad Tölz verkaufen sie Keramik, Landhausmode und Besticktes aus Filz. Doch nach genau zwei Wochen kommt jetzt schon das abrupte Ende. „Ich war platt, dass es nicht einmal über Weihnachten weitergeht“, sagt Marika van Daak schockiert. Letztlich blickt sie aber versöhnlich auf ihr kurzes Gastspiel an der Nockhergasse zurück: „Für uns hat es sich auf alle Fälle gelohnt.“ Jetzt hofft sie, dass die Kunden ihre Marke „Herzfrohlocken“ und das Unternehmen ihrer Kollegin, „AlpenStick“, über die Webshops weiter unterstützen – und dass sie 2021 wieder vermehrt auf Märkten verkaufen kann.

Doch nicht nur die Läden machen ab Mittwoch zu – auch Frisöre sind erneut betroffen. „Wir haben schon 40 Kunden hinter uns“, berichtete Murat Budak, Inhaber des „Laila“, am Montagmittag. Er habe die Öffnungszeiten am Montag und Dienstag eigens erweitert – „sodass jeder frisch frisiert Weihnachten feiern kann“.

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